Am folgenden Montag ging ich dann spontan zum beschriebenen Infobus, in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dort fragte gerade in Junge, ob derzeit irgendwo Hilfe benötigt wird und als die Antwort kam, hängte ich mich gleich an ihn dran. Mit einem blauen Bändchen ums Handgelenk machten wir uns auf den Weg Richtung U- Bahn. Emir war 14 und erzählte dass er fast jeden Tag von seinem eigenen Taschengeld von Regensburg nach München fährt, um den Flüchtlingen zu helfen. Ich war sehr beeindruckt. 14, das ist ein wenig älter als meine kleine Schwester, die aber momentan ganz andere Dinge im Kopf hat als die Flüchtlingskreise. Emir erzählte mir von den vielen Eindrücken die er bereits bei der Arbeit als Ehrenamtlicher gesammelt hatte. Männer die bei ihm um Hilfe flehten, Kinder die vor seinen Augen ohnmächtig wurden, vor Erschöpfung...
Etwas aufgeregt betrat ich zusammen mit ihm die große Messehalle. Sie diente nun als Erstaufnahmestelle, ein Ort, wo die Flüchtlinge, wenn nötig, medizinisch durchgecheckt und mit Kleidern,Essen und Trinken versorgt werden. Und warten, auf den Bus der sie in eine andere Stadt, oder gar in ein anderes Land bringt. Die Koordinatoren sagten “Wir bräuchten noch Leute beim Kleider sortieren” doch Emir rettete uns vor einer Aufgabe ohne wirklichen Kontakt zu den Flüchtlingen und antwortete ihm, dass wir lieber in die Kinderspielecke gehen würden. In der nächsten Halle befanden sich unzählige Bänke und Tische, eine Essensausgabe, eine Kleiderausgabe, und eine große, mit gemalten Bildern geschmückte Ecke. Ich wollte gleich zur Tat schreiten und fragte ein Mädchen das, wie sich herausstellte, auch noch nicht so lange da war, was es zu tun gab. Erstmal Aufräumen. War bei dem Anblick der herumliegenden Kuscheltiere und Legoteile eigentlich offensichtlich. Während meiner neuen Tätigkeit versuchte ich immer wieder mit den wenigen spielenden Kindern in Kontakt zu kommen, was wegen der Sprachbarriere etwas schwierig, aber mit Lauten, Gestik und Mimik dennoch möglich war. Später fragte eine Frau mit Kopftuch nach einer Karte. Bis wir herausfanden dass sie einen U Bahn Fahrplan wollte, dauerte es jedoch ein wenig. Sie wollte einem Freund den Weg zur Erstaufnahmestelle schicken. Da Emir und ich aber nicht wussten, wie dieser den Ort finden sollte, schlugen wir ihr vor, ihren Freund von der U Bahn abzuholen und baten einen anderen Geflüchteten den Namen des Freundes in arabischen Buschtaben auf ein großes Blatt Papier zu schreiben. Wie am Flughafen eben. Danach warteten wir. Jedoch wurden zwischenzeitlich alle Flüchtlinge mit einem Bus Richtung Frankreich gebracht, die Frau durfte nicht bei der Aufnahmestelle warten, also blieb ihr Freund am Hauptbahnhof. Sie war dennoch sehr dankbar, dass wir uns ihrem Problem angenommen hatten und verabschiedete sich. Einfach da sein, ich glaube das hat schon geholfen. Für Menschen die monatelang auf sich gestellt waren um zu überleben, niemand der ihnen hilft, bei dem sie Schutz suchen können.
Das war mein erster Tag als freiwillige Helferin.Iich finde es toll, dass so viele Menschen mit dem selben Ziel zusammenkommen. Einfach etwas zusammen machen, für andere.