
Product Placement
PUT YOUR BEARD IN MY MOUTH

Origami Around
let's talk about Bridgerton tea, my ask is open
Sade Olutola
DEAR READER
wallacepolsom
taylor price
Cosimo Galluzzi
cherry valley forever
noise dept.

ellievsbear
Today's Document

tannertan36
ojovivo
he wasn't even looking at me and he found me

Kaledo Art
NASA
Monterey Bay Aquarium
Show & Tell

seen from Malaysia
seen from Malaysia

seen from United States
seen from United Kingdom

seen from Netherlands

seen from Singapore
seen from United States
seen from United States
seen from United States
seen from United States

seen from Malaysia

seen from United States

seen from United States

seen from Philippines

seen from Türkiye

seen from Netherlands

seen from United States

seen from Singapore
seen from Malaysia

seen from United Kingdom
@elbecho
Interactive music player and experimental ambient sound composition by Peals and Dina Kelberman. Bubble Bath is a visual color-shifting audio player with atmospheric sound loops, featuring randomization and playback timer. Created by William Cashion and Bruce Willen of Future Islands and Double Dagger.
Vorgespielt: Moderat (9.4.16)
„Moderat is a very dark show“ – mit diesem Satz begrüßt das jüngst zur ersten DJ-Supergroup ernannte Trio (Gernot Bronsert, Sebastian Szary und Sascha Ring) die Hamburger Konzertbesucher. In der Alsterdorfer Sporthalle tappt die Masse an Fans dementsprechend im Dunklen herum. Der gesamte Raum besticht durch vernebelte, aufgeheizte Luft. Von der Masse geht ein Flimmern aus, welches Festival-Atmosphäre schafft.
Shed, der Support-Act, wandert in seinen verwendeten Stilelementen durch diverse Regionen der Welt. Seine zum Flickenteppich gewobenen Tracks wirkten am Ende dabei etwas verheddert. Er hinterließ den Eindruck eines Musikers, welcher noch nicht ganz zu sich gefunden hat.
Moderat live, im letzten Akt ihrer Trilogie, zu erleben, kommt einer Vollendung gleich. Die Metamorphose schlechthin. Das worauf Zuhörer der ersten Platte hofften. Das worauf all die sensiblen Elektrolandschaftspfleger, Vinyl-Wohnzimmergenießer, Tanzkörperakrobaten und leidenschaftlichen Gedankenflieger, ihre Sehnsüchte richteten.
So geschickt Moderat im Album III ihre bekannten Soundelemente aus den Voralben aufgreift und diese reflexiv neu interpretiert, gelingt es ihnen auch auf dem Konzert, aus ihren Album-Extrakten ein einmaliges Musikerlebnis zu kreieren. Dies wurde immer dann besonders deutlich, wenn sich Moderat die Zeit genommen haben, ihre Tracks länger auszuspielen und dem Hörer das Paradoxon vom Unbekannten im Bekannten aufzulösen.
Neben der Wandlung von drei Künstlern zu einer Band hat Sascha Ring die augenscheinlich stärkste Entwicklung vollzogen. Als zentrale Figur wird er und seine Stimme inszeniert. Lichtsetzung und Visuals der Pfadfinderei unterstreichen dies zusätzlich.
Die Alsterdorfer Sporthalle hat in Hamburg keinen guten Ruf bezüglich des Sounds. Tickets wurden nach der Verlegung des Konzertes vom Docks in den großen Saal von vielen Fans wieder abgestoßen. Und ja, auch den Tontechnikern des Moderat-Teams ist es nicht gelungen, einen Hörgenuss zu basteln. Die Bässe kamen in zwei Dritteln der Halle einem Wackelpudding gleich. Der Schlag in die Magengrube, wie damals auf Kampnagel, blieb aus. Während hinten durch das Ausbleiben von Mitten, steeldrumähnliche Sounds beim Zuhörer ankamen, schlugen weiter vorne einem Echowellen in den Nacken.
Wer selbst Verwandlung lebt, lässt das Album aus seiner Anlage fließen, schließt die Augen und lässt diese Konzerterinnerung dafür sorgen – passend zur Ansage vorm Song “Let in the light” – „ein bisschen Licht“ ins Dunkle hineinzulassen. Danke Moderat! (Lena)
(FEAR OF MEN)
Vorgespielt: Tame Impala (7.2.16)
Seit letztem Jahr schmückt sich die Hansestadt mit einem neuen Veranstaltungsraum am Großmarkt. Zwischen Blumen und Apfelkisten begrüßt einem das Theater mit seiner einladend großen Bogenarchitektur. Der Großmarkt folgt einem ganz eigenen Rhythmus der Stadt, passt also zum Psychedelic-Rock der australischen Musiker Tame Impala.
Das aktuelle Album „Currents“ wurde in den Blogs, Kritiken und Kickertischgesprächen eher unterschiedlich besprochen. Die etwas lieblich, poppig geratenen Songs gefallen oder verstören. Der Wandel gegen Stillstand des Künstlers ist dennoch willkommen, Kevin Parker besingt es doch auch selbst: „Yes, I'm changing“.
Als Vorband spielen sich Jagwar Ma ca. 45 Minuten durch die kritische Hörermasse. Es läuft zu viel vom Band, aus der Retorte. Die Band hat es schwer, die Besucher zu überzeugen. Die Songs und die Show wirken statisch und einfallslos.
Fast erleichtert beobachten die vor Vorfreude geladenen Gäste dann die Umbauphase auf der Bühne. Durchgeführt von weiß bekittelten Bühnenpersonal, mutet die ganze Szene einem kleinen Schauspiel an. Hier und dort wird noch etwas korrigiert, beäugt und abgeschritten, wie in Monty Pythons „Philosophers Football”.
Dann endlich begrüßen wir Tame Impala und es geht sogleich mit einem großen Knall los: Konfetti wird kiloweise in die Luft geschleudert und die Augen werden mit einer spektakulären Laser-Licht-Show in die psychedelischen Welten der Band gezogen.
Die neuen Songs fügen sich gut in die Dynamik des Abends. Kevin Parker schnattert vom ersten Auftritt in Hamburg vor einer, in Relation gesetzt, winzigen Zuschauergruppe. Zum stechend-ansteckendem Schlagzeug und durchdringend waberndem Bass bewegen sich die tanzenden Körper. Das Publikum wird Wachs in den Händen des hypnotischen Sounds und des charismatischen Frontmannes, welcher in seinen Ansagen Bodenständigkeit zeigt und schallend hell ins Mikrofon lacht.
Mein persönlicher Höhepunkt ist das ausgiebige Gitarrensolo von Parker mit begleitendem Lichtspiel. Ich mag es, wenn sich Bandmitglieder auf der Bühne Zeit nehmen, sich auf ihrem Instrument auszudrücken. Es hat etwas direktes und kann zwischen Künstler und Gast intimste Momente schaffen.
Zusammengenommen ein großartiger musikalischer Abend mit glasklarem Sound und einer sympathischen Band. Doch bleibt mir der Eindruck, dass vor allem die älteren Lieder die Stärke besaßen, deine innere und äußere Farb-Sound-und-Gefühlswarhnehmung aus den Angeln zu heben. (Lena)
Frisch gefischt: DIIV - Is the is are
Kann man von etwas Gutem jemals zu viel haben? Diese Frage kommt mir in den Sinn, wenn ich das neue Album von DIIV höre. Brachte das großartige Debüt von 2012 den so wundervoll dringlich und leicht schattierten Dream-Pop in 40 Minuten auf den Punkt, so legt das Quartett aus Brooklyn bei „Is the is are“ (sic!) nochmals großzügig 23 Minuten oben drauf.
Nicht, dass das Album schlecht wäre – keinesfalls! Aber ich frage mich, ob diese überdurchschnittliche Spieldauer sich nicht negativ auf den Gesamteindruck auswirkt. 17 Lieder, die größtenteils den gleichen Sound und die gleiche Stimmung transportieren, sich nur in Gitarrenlinien und Gesang unterscheiden: das ist eine Menge Holz und wirkt bei dem ohnehin auf Repetition angelegten Genre Shoegaze schnell etwas ermattend.
Auch nach mehreren Durchläufen fällt es mir schwer, die Stücke auseinanderzuhalten. So gleichförmig und doch so schnell rauscht alles an einem vorbei. Als würde man vor einer Bahnschranke stehen, an der ein nicht enden wollender Zug an einem vorbeirauscht. Monoton, abwechslungsarm und irgendwann schlicht ermattend, so dass die Aufmerksamkeit darunter leidet und man die einzelnen Waggons nicht voneinander trennen geschweige denn zählen kann.
Ich liebe die Band und ihren ganz eigenen Sound, habe sie auf zwei Konzerten in kleinstem Rahmen für jeweils 10 Euro erlebt. Unvergessliche Momente. Eine CD im Regal. Ein T-Shirt in meinem Schrank. Beim neuen Album bin ich noch ratlos. Aber selbstverständlich nehme ich die Herausforderung an. Und höre weiter. Und weiter. Und weiter. (Hendrik)
Vorgespielt: Fraktus (2.2.16)
Unsere drei Pioniere der Technomusik, unsere Schöpfer von Tagtraum-Collagen, unsere Meister der satirischen Verschachtelung von Wirklichkeit ließen die Fans bis 20:22 Uhr warten, um sie anschließend eingewickelt in Zellophangeschichten um 22:02 Uhr wieder zu entlassen (die Vermutung liegt nahe, dass auch hinter diesem Zahlenmysterium ein Plan steckt).
“Welcome to the Internet” begrüßt die erwartungsvollen Zuschauer gefolgt von “Maler und Lackierer” sowie “Kleidersammlung”. Die Temperatur in der Großen Freiheit 36 steigt merklich an. Das Publikum echot die Parolen ihrer Idole, wie Keile zwischen die ausgelegten Rhythmuspattern.
Die in der frühen Phase ihres Schaffens entstandenen Werke (Thorsten Bage spricht hier von der Sachtexte-Ära) überzeugen durch ihre eindringliche Logik. Fraktus bringen die überfordernde Komplexität der Moderne in einfache, harte, sachliche Phrasen. Deutlich wird dies in “A.D.A.M (All die armen Menschen)” – die Masse auf ihrem vorläufig ersten Hysterie-Höhepunkt des Abends.
Doch Bernd, Dickie und Thorsten können auch gefühlvoll. Mit “Schuhe aus Glas”, welches durch Schützenfestzelttakt und einem 80er-Jahre-Synthysound besticht, schwappt unerwartet eine Welle Traumschiff-Athmosphäre ins Publikum. Mit Zeilen wie „Ich male dir ein Portrait aus Marmelade“ zeigen die mittlerweile schon ins Schwitzen gekommenen Bigstyler ihre Vielschichtigkeit als Künstler – spieltechnisch wie auch textlich.
Während der Zugabe kommt es beinahe zu einem Eklat, welches die Fragilität dieses künstlerischen Dreigespanns verdeutlicht. Durch das unsensible Unterbrechen Thorstens seines Bandkollegen Bernd gegenüber muss das Publikum mit angehaltenen Atem fast die Trennung von Fraktus miterleben. Historisch und hysterisch wird anschließend die Freundschaft gefeiert mit “Freunde sind Friends”.
Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger unterhalten wieder auf höchstem Niveau. Gekonnt jonglieren sie mit Rollen, Bühnen, Realitäten und Fantastereien und schaffen somit ihr ganz eigenes Genre zwischen Konzert, Theater und Klamauk. (Lena)
Echo 2015: Die Konzerte des Jahres
Lena:
3. Olli Schulz (Große Freiheit 36, Hamburg) Wenn ich wie ein Phoenix aus der Asche steige, bleibt immer etwas Asche an mir hängen. Diese konnte ich allerdings beim ausverkauften Konzert von Olli Schulz gut abschütteln. Einfühlsam ohne Kitsch, witzig ohne Mühe und klangvoll ohne Krach. Knappe zwei Stunden durfte das Publikum von Olli nehmen und dem Jungen auf der Bühne volle Zuneigung geben. Ein Konzert, welches vielleicht durch seine Brüchigkeit, in diesem Jahr zu einer meiner besten zählt.
2. Darwin Deez (MS Dockville Festival, Hamburg) Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, die MS Dockville schippert seine Gäste routiniert durchs Festivalprogramm und plötzlich bricht Darwin Deez die konventionellen Konzertregeln. Der helle Stratocaster-Sound verstummt. Die Bandmitglieder entledigen sich ihrer Instrumente. Ein Mash-up, ein zusammengestückeltes Etwas läuft vom Band und die Band tanzt dazu eine energiegeladene Choreografie. Ich reibe mir ungläubig den Staub aus den Augen und schon haben alle wieder ihre Instrumente in der Hand, um mit den großen Hits wie „Radar Detector“ und den neuen Stücken aus dem aktuellen Album „Double Down“ die Festivalbesucher aufhorchen und abtanzen zu lassen. Der New Yorker Lockenkopf überzeugt mit seiner Grenzgängertätigkeit.
1. Jon Hopkins (Melt Festival, Gräfenhainichen) „Singend und tanzend äussert sich der Mensch als Mitglied einer höheren Gemeinsamkeit: er hat das Gehen und das Sprechen verlernt und ist auf dem Wege, tanzend in die Lüfte emporzufliegen.“ Anders als Nietzsche könnte ich dieses Konzerterlebnis nicht in Worte fassen – ein dionysisches Erwachen. Jon Hopkins erschafft mit seinen musikalischen Motiven ein ästhetisches Phänomen. Welches über die Genre-Grenzen der elektronischen Musik verweist und gleichzeitig nah genug am Zuhörer bleibt. Mit einem perfekten Sound, der sich erst in den Knochen deiner Glieder bricht, und einem dramaturgisch gestalteten Set, hat er in der industriellen Kulisse des Festivalgeländes gezeigt, dass Musik eine nicht zu unterschätzende Wirkung haben kann.
————————————————————————————————–
Hendrik:
3. San Fermin (Prinzenbar, Hamburg) Es kommt nicht oft vor, dass Location und Band so gut zueinander passen wie in diesem Fall: Insofern war der Auftritt in der schnörkelig-pompösen Prinzenbar quasi ein Heimspiel für die eigentlich in New York beheimateten San Fermin mit ihrem lieblichen Barock-Pop. Vor nicht einmal fünfzig Leuten im Publikum war es das intimste Konzert des Jahres – und oftmals sind es genau die, die besonders gut in Erinnerung bleiben.
2. Kante (Deutsches Schauspielhaus, Hamburg) Kante-Konzerte sind eigentlich immer etwas Besonderes. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie nur alle Jubeljahre stattfinden. Diesmal aber auch noch in ehrwürdigem Ambiente und mit einer besonderen Setlist, bestehend aus allerlei Theatermusik, die die Band in den letzten zehn Jahren zu diversen Stücken beisteuerte. Eine einzigartige Mixtur, die gerade wegen ihrer Heterogenität herausragend war. Und am Ende gabs dann doch noch die versöhnlichen Kante-Hits.
1. Django Django (MS Dockville, Hamburg) Der einzige Act, der mir so wirklich vom Dockville Festival in Erinnerung geblieben ist, obwohl ich ihn vorher gar nicht so richtig kannte. Grandioser Auftritt mit Rauchschwaden und Gegenlicht. Jeder Song ein Treffer und an Eingängigkeit und Coolness kaum zu überbieten. (Wer waren noch gleich Kasabian?) Allein wegen Django Django hat sich das Ticket gelohnt.
Echo 2015: Die Alben des Jahres
Lena:
3. Max Richter – Sleep Ich mag das Dunkle der Nacht. Ich mag Träumen, wenn das Bewusstsein – welches in der Welt, in welcher nur Rationales gilt und Verstandeskraft deinen Arbeitstag bestimmt – erschöpft hinweggleitet. Mit jedem gesetzten Akkord von Max Richter beruhigt sich dein Herzschlag und wenn die Streicher einsetzen beginnt die Müdigkeit dich in deine inneren Welten zu tragen. Ein Cello, welches tief atmet. Feine Gedanken, welche sanft auf dem Klavier herumlaufen. Max Richter schafft zeitlose Klangräume. Traumbilder, in denen unser Bewusstsein nicht unter Konventionen, Moral und Druck zu funktionieren hat. Unter dieser Klangdecke reckt und streckt sich ein befreites Unterbewusstsein. Ein längst überfälliges Experiment (das gesamte Werk hat eine Spieldauer von über 8 Stunden). Ein Werk, welches heilsam die jetzige Zeit wirkt.
2. Beach House – Thank Your Lucky Stars Als ich das rot-warme CD-Cover von “Depression Cherry” in der Hand hielt, konnte auch die Flauschigkeit mich nicht über meine Enttäuschung hinwegtrösten. Beach House versinken in ihrem eigens ausgerufenen Echo im Reverb, ihres Reverb, ihres Reverbs. Da kommt “Thank Your Lucky Stars” einem Befreiungsschlag gleich. Victoria Legrand geht mit ihrer Stimme neue Wege und vertreibt mit der Gitarre in der Hand, die in “Depression Cherry” selbst gelegten warmen, weichen Klangflächen. Schroffe, kantige und mythisch besungene Songs treten hervor, welche die Brüchigkeit des Lebens ohne Bedauern bespielen. Eine großartige Überraschung für jeden Fan, ein großartiges Album, welches zu dieser Jahreszeit nicht ungehört bleiben sollte.
1. Jamie XX – In Colour So selten, wie ein doppelter Regenbogen. Wenn Musik es schafft eine Begegnung, ein Erlebnis, ein Lebensgefühl, einen Sommer, ein Aufwachen im Festivalzelt so nachhaltig zu prägen, muss es einfach ein unfassbar gutes Album sein. Ich hoffe euch ist es auch so gegangen. Ansonsten probiert es einfach aus. Legt die Scheibe auf und lebt, erlebt und durchlebt dieses Album, diese Dichte, diese Musik.
————————————————————————————————–
Hendrik:
3. Beach House – Thank Your Lucky Stars Überraschung! Mit roheren Songs, mehr Experimentierfreude und dennoch Rückbesinnung auf die Intimität alter Tage toppten Beach House das ereignisarme “Depression Cherry”. Eindringlich, emotional und erhaben vom Opener bis zum Schlusstrack.
2. Joanna Gruesome – Peanut Butter Alle in Deckung! Die jungen Waliser holen zum Rundumschlag aus und stampfen mit Spielfreude, Melodieseligkeit und einem Quäntchen Lärm so ziemlich alles aus 2015 in den Boden. Nach 10 Songs in 21 Minuten ist alles vorbei und man möchte einfach nur von vorne beginnen.
1. Echo Lake – Era Bereits im März war ich mir sicher, mein persönliches Album des Jahres gefunden zu haben. Nun ja, es hat sich letztendlich bewahrheitet. Echo Lake spielten dieses Jahr in einer anderen Liga als der Rest. Jeder Song ein Treffer ins Dream-Pop-Herz. Diese Platte wird bleiben. Für immer.
Echo 2015: Die Songs des Jahres
Lena:
3. Bilderbuch – Softdrink (feat. Dendemann) Die ersten heißen Tage im Jahr verlangen nach einer Erfrischung. Diese schwappt im Mai für den Zuschauer unerwartet mit Bilderbuch durchs Studio vom Neo Magazin Royal und lässt die aufgeheizten Gemüter in einem durchgestylten Farb-Sound-Musikspiel abkühlen. Mhm-Aha...
2. DJ Koze – Can't get used to those (Kosi Edit) Ein Song gegen die gelebte Beliebigkeit, verbrauchter Äußerlichkeiten und Äußerungen. Man spürt dem Song sein sich windendes Unbehagen an: Eine zähe, gedehnte Stimme, flapsiges Geklatsche und eine flattrige Hookline, welche sich durch ihre Wiederholung ins Gedächtnis brennt.
1. Jamie XX - Gosh Manche Songs brauchen etwas. Die muss man länger ziehen, aufgehen oder atmen lassen. Und dann erwischt es dich mit voller Wucht. Da verschafft dir ein „Oh my Gosh“ freies Atmen, setzt der Bass dir ein neues Fundament und die hohe ausgedehnte Synthesizermelodie zieht dich aus den Strapazen des Alltags.
————————————————————————————————–
Hendrik:
3. Blur – Go out Am Ende war ihr Comeback viel unspektakulärer als es von den Medien heraufbeschwört wurde. Mit „Go out“ setzten Damon Albarn und Co. dennoch ein Ausrufezeichen und präsentierten einen Hit, der es mit vielen Singles aus den goldenen Zeiten der Band aufnehmen kann. Mit dreckigem Bass, schlurfender Rhythmik und Silben-Überschuss im Refrain zelebrieren Blur den Fußmarsch zum nächsten Rausch.
2. Echo Lake – Heavy Dreaming Der Name ist Programm! Fast 10 Minuten schraubt sich der Albumcloser ins Delirium und türmt eine Instrumentalspur auf die andere. Irgendwo im Hintergrund ein leichtes Säuseln und Worte, die ein unsichtbarer Sog hinfort trägt. Und wie bei jedem guten Traum: Hinterher kann man sich an nichts erinnern.
1. Beach House – Sparks Der größte Aha-Moment des Jahres: Nach fast dreijähriger Pause kehren Beach House ins Diesseits zurück. Ihr Mitbringsel: „Sparks“, in dem sich ein durchgängiger Background-Loop und eine leichte windschiefe E-Gitarre zu einem erhabenen Rauschen vereinen. My Bloody Valentine wären stolz auf diese Noise-Melange gewesen!
We have a new song and mini-video! Visuals by Lucy Dyson
Vorgespielt: Beach House (14.11.15)
Die in Frankreich geborene Victoria Legrand hat Tränen in den Augen, als sie nach der Zugabe die Bühne verlässt. Nicht einmal 24 Stunden zuvor wurde ihr Heimatland Opfer eines Anschlags. Unter den Opfern auch Konzertbesucher, die sich auf einen tollen Abend freuten.
Selbst wenn es nicht konkret greifbar war: Auch an diesem Samstag auf Kampnagel war wohl bei vielen Besuchern eine leichtr Verunsicherung im Hinterkopf. Kein ausgelassenes Lachen, kein über-euphorischer Applaus. Einerseits durchaus typisches Verhalten für Hamburger Publikum, andererseits auch als Zeichen von mitfühlender Zurückhaltung denkbar.
Fast genau drei Jahre nach ihrem letzten Besuch in Hamburg spielten Beach House an gleicher Stelle und legten den Fokus dabei auf ihre beiden neuen Alben „Depression Cherry“ und „Thank Your Lucky Stars“. Die Songs von Letzterem fielen dabei besonders auf, wechselte Victoria dafür doch vom Piano an Gitarre und Bass. Dank nunmehr zwei zusätzlichen Musikern auf der Bühne kann sich das Duo solche Rochaden problemlos leisten.
Die Performance als solche war dabei gewohnt zurückhaltend und geisterhaft. Schummriges Licht, LED-Sternenhimmel und surreale Bilder auf der Videowand trugen ihr Übriges zur Gänsehaut-Atmosphäre bei. Angesichts des eingangs erwähnten Hintergrunds: der beste aller denkbaren Auftritte. (Hendrik)
Vorgespielt: Motorama (14.5.15)
Unterkühlter Gesang, stoischer Bass, melodieselige Gitarre, monotone Drums und hintergründige Synthies: Das ist Motorama! Gut zwei Jahre nach ihrem letzten Gastspiel in Hamburg traten die auf vier Mann geschrumpfte Band erneut im Molotow auf.
Nach der für meinen Geschmack nicht ganz passenden und deutlich zu lauten Vorband Gnod spielten Motorama routiniert ihr Set herunter, bei dem der Schwerpunkt naturgemäß auf dem aktuellen, dritten Album “Poverty” lag, das noch mal eine ganze Ecke düsterer daherkommt als die Vorgänger. Joy Division und The Smiths dienen dabei mehr denn je als Inspiration und sind in beinahe jedem Song herauszuhören.
Die Band selbst verliert keine großen Worte; nein, Sänger Vladislav Parshin belässt es bei zwei schüchternen Dankesbekundungen und ist sichtlich bemüht, bloß keinen Blickkontakt mit dem Publikum herzustellen, auf gar keinen Fall zu lächeln. Immer wieder verlieren die Musiker sich in ihren treibenden und durchweg schnellen Songs. Nur selten durchbrechen kleine Posen und Moves mit den Instrumenten die komplette Performance-Verweigerung. Und wirken deshalb umso belustigender. Nach gefühlten 75 Minuten ist alles vorbei und Motorama verschwinden nach einer Zugabe wieder in die Dunkelheit, der sie entsprungen sind. (Hendrik)
Vorgespielt: San Fermin (2.5.14)
Zwei Fragen schwirrten mir vor Besuch des Konzertes von San Fermin in der Prinzenbar im Kopf herum. Erstens: Wird die achtköpfige Band auf der winzigen Bühne Platz finden? Zweitens: Werden sich mehr Personen im Publikum als auf der Bühne einfinden? Nach dem Ende des einstündigen Auftritts weiß ich: Die erste Antwort lautet: Ja, wenn auch knapp. Die zweite Antwort lautet ebenfalls: Ja, wenn auch knapp.
Na gut, lass es 30 Gäste gewesen sein! In typischer Hamburg-Manier waren diese zunächst skeptisch ob des erstmaligen Besuchs von San Fermin in der Stadt. Standesgemäß blieben daher zunächst auch die ersten drei Meter vor der Bühne frei. Und wer mit den Ausmaßen der Prinzenbar vertraut ist, kann sich vorstellen, wie fatal das auf die Band gewirkt haben muss.
Sei es drum: Bald verteilte sich das Publikum auch vor der Bühne und lauschte dem Barock-Pop der New Yorker, dessen musikalischer Unterbau hauptsächlich Percussion und Blasinstrumente sind. Im Rückraum Band-Chef Ellis Ludwig-Leone (ja, echt!) an drei Klaviaturen gleichzeitig; eine Violinistin steuerte Streichereinheiten bei. Zwei Sänger – ein Mann, eine Frau – sorgten mit ihren sehr gegensätzlichen Stimmfarben für Abwechslungen am Mikro.
Alles in allem ein kurzweiliges Konzert, bei dem nahezu alle wichtigen Stücke der Band vertreten waren; wobei der Schwerpunkt natürlich auf der aktuellen Platte “Jackrabbit” lag. Dafür, dass so viele akustische Instrumente zum Einsatz kamen, war der Sound in Ordnung und macht in den tutti-Momenten mächtig Druck. Das Hamburg-Debüt von San Fermin wird positiv in Erinnerung bleiben, ließ mich wegen mangelnder emotionaler Bindung zu ihrer Musik insgesamt aber eher kalt. Für die verschnörkelte und opulente Musik hätte es jedenfalls keine bessere Location als die prunkvolle Prinzenbar geben können. (Hendrik)
Vorgespielt: Kante (20.3.15)
Acht Jahre ist es her, dass sich die großartige Hamburger Band Kante aus dem Pop-Biz zurückgezogen hat und seitdem als Theater-Kapelle durch die Schauspielhäuser Deutschlands und Österreichs zieht. Bis auf spärlich gestreute Auftritte dann und wann bewegten sich Kante seit Jahren unter dem Radar und hatten offenbar in der Theaterszene eine neue Heimat gefunden. Mit dem Release von “In der Zuckerfabrik” brachten sie ihre dortigen Machenschaften nun auch all denjenigen zu Gehör, die die Vorstellungen nicht besuchen konnten.
Mit einem Auftritt im prunkvollen Deutschen Schauspielhaus holte die Band ihre gesammelten Stücke nun zum ersten Mal gebündelt auf die Bühne und lockte damit Fans aus alten Tagen ebenso wie neugieriges Theaterpublikum, das durch eine der Vorstellungen auf den Geschmack gekommen war.
Sophokles, Dante, Voltaire, Shakespeare, Brecht – für die Zuschauer ging’s im Crashkurs durch verschiedenste Epochen der Dramengeschichte. Die Lieder, die entweder auf Originaltexten beruhten oder von diesen inspiriert waren, offenbarten die musikalische Vielseitigkeit der Gruppe, changierten zwischen Gospel, Chanson und Rock, hatten Country- und Jazz-Anleihen und trugen doch am Ende immer den typischen Kante-Vibe.
Vor allem in Sachen Percussion waren die Stücke, die ich vorher nicht kannte, schlicht atemberaubend. Bis zu drei Mann trommelten gleichzeitig an Schlagzeug, Bongos und Drum-Pads, sorgten für mächtig Wumms, sodass im komplett bestuhlten Saal nicht nur Fußspitzen im Groove mitwippten.
Nach dem regulären Set folgten als Sahnehäubchen und Versöhnung mit Theater-Skeptikern noch die unvermeidlichen Hits “Die Tiere sind unruhig”, “Zombi”, “Die Summe der einzelnen Teile” und “Warmer Abend”. In dieser Kulisse: Gänsehaut pur!
Ich hatte Kante bereits zweimal zuvor gesehen. Einmal auf dem Dockville Festival und einmal in der Großen Freiheit. Doch jetzt weiß ich, wo sie wirklich hingehören: auf die Theaterbühne. (Hendrik)