Doch wie ist so etwas schönes, so ein widerlicher Mensch?

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Doch wie ist so etwas schönes, so ein widerlicher Mensch?
Und plötzlich stellt sich raus: Das Aussehen war das Einzige, was an dir gut war.
Schlimm ist nicht der Verlust, sondern die Erkenntnis, sich in dem Menschen geirrt zu haben.
Noch und nöcher :(
Vorgespielt: Moderat (9.4.16)
„Moderat is a very dark show“ – mit diesem Satz begrüßt das jüngst zur ersten DJ-Supergroup ernannte Trio (Gernot Bronsert, Sebastian Szary und Sascha Ring) die Hamburger Konzertbesucher. In der Alsterdorfer Sporthalle tappt die Masse an Fans dementsprechend im Dunklen herum. Der gesamte Raum besticht durch vernebelte, aufgeheizte Luft. Von der Masse geht ein Flimmern aus, welches Festival-Atmosphäre schafft.
Shed, der Support-Act, wandert in seinen verwendeten Stilelementen durch diverse Regionen der Welt. Seine zum Flickenteppich gewobenen Tracks wirkten am Ende dabei etwas verheddert. Er hinterließ den Eindruck eines Musikers, welcher noch nicht ganz zu sich gefunden hat.
Moderat live, im letzten Akt ihrer Trilogie, zu erleben, kommt einer Vollendung gleich. Die Metamorphose schlechthin. Das worauf Zuhörer der ersten Platte hofften. Das worauf all die sensiblen Elektrolandschaftspfleger, Vinyl-Wohnzimmergenießer, Tanzkörperakrobaten und leidenschaftlichen Gedankenflieger, ihre Sehnsüchte richteten.
So geschickt Moderat im Album III ihre bekannten Soundelemente aus den Voralben aufgreift und diese reflexiv neu interpretiert, gelingt es ihnen auch auf dem Konzert, aus ihren Album-Extrakten ein einmaliges Musikerlebnis zu kreieren. Dies wurde immer dann besonders deutlich, wenn sich Moderat die Zeit genommen haben, ihre Tracks länger auszuspielen und dem Hörer das Paradoxon vom Unbekannten im Bekannten aufzulösen.
Neben der Wandlung von drei Künstlern zu einer Band hat Sascha Ring die augenscheinlich stärkste Entwicklung vollzogen. Als zentrale Figur wird er und seine Stimme inszeniert. Lichtsetzung und Visuals der Pfadfinderei unterstreichen dies zusätzlich.
Die Alsterdorfer Sporthalle hat in Hamburg keinen guten Ruf bezüglich des Sounds. Tickets wurden nach der Verlegung des Konzertes vom Docks in den großen Saal von vielen Fans wieder abgestoßen. Und ja, auch den Tontechnikern des Moderat-Teams ist es nicht gelungen, einen Hörgenuss zu basteln. Die Bässe kamen in zwei Dritteln der Halle einem Wackelpudding gleich. Der Schlag in die Magengrube, wie damals auf Kampnagel, blieb aus. Während hinten durch das Ausbleiben von Mitten, steeldrumähnliche Sounds beim Zuhörer ankamen, schlugen weiter vorne einem Echowellen in den Nacken.
Wer selbst Verwandlung lebt, lässt das Album aus seiner Anlage fließen, schließt die Augen und lässt diese Konzerterinnerung dafür sorgen – passend zur Ansage vorm Song “Let in the light” – „ein bisschen Licht“ ins Dunkle hineinzulassen. Danke Moderat! (Lena)
Vorgespielt: Tame Impala (7.2.16)
Seit letztem Jahr schmückt sich die Hansestadt mit einem neuen Veranstaltungsraum am Großmarkt. Zwischen Blumen und Apfelkisten begrüßt einem das Theater mit seiner einladend großen Bogenarchitektur. Der Großmarkt folgt einem ganz eigenen Rhythmus der Stadt, passt also zum Psychedelic-Rock der australischen Musiker Tame Impala.
Das aktuelle Album „Currents“ wurde in den Blogs, Kritiken und Kickertischgesprächen eher unterschiedlich besprochen. Die etwas lieblich, poppig geratenen Songs gefallen oder verstören. Der Wandel gegen Stillstand des Künstlers ist dennoch willkommen, Kevin Parker besingt es doch auch selbst: „Yes, I'm changing“.
Als Vorband spielen sich Jagwar Ma ca. 45 Minuten durch die kritische Hörermasse. Es läuft zu viel vom Band, aus der Retorte. Die Band hat es schwer, die Besucher zu überzeugen. Die Songs und die Show wirken statisch und einfallslos.
Fast erleichtert beobachten die vor Vorfreude geladenen Gäste dann die Umbauphase auf der Bühne. Durchgeführt von weiß bekittelten Bühnenpersonal, mutet die ganze Szene einem kleinen Schauspiel an. Hier und dort wird noch etwas korrigiert, beäugt und abgeschritten, wie in Monty Pythons „Philosophers Football”.
Dann endlich begrüßen wir Tame Impala und es geht sogleich mit einem großen Knall los: Konfetti wird kiloweise in die Luft geschleudert und die Augen werden mit einer spektakulären Laser-Licht-Show in die psychedelischen Welten der Band gezogen.
Die neuen Songs fügen sich gut in die Dynamik des Abends. Kevin Parker schnattert vom ersten Auftritt in Hamburg vor einer, in Relation gesetzt, winzigen Zuschauergruppe. Zum stechend-ansteckendem Schlagzeug und durchdringend waberndem Bass bewegen sich die tanzenden Körper. Das Publikum wird Wachs in den Händen des hypnotischen Sounds und des charismatischen Frontmannes, welcher in seinen Ansagen Bodenständigkeit zeigt und schallend hell ins Mikrofon lacht.
Mein persönlicher Höhepunkt ist das ausgiebige Gitarrensolo von Parker mit begleitendem Lichtspiel. Ich mag es, wenn sich Bandmitglieder auf der Bühne Zeit nehmen, sich auf ihrem Instrument auszudrücken. Es hat etwas direktes und kann zwischen Künstler und Gast intimste Momente schaffen.
Zusammengenommen ein großartiger musikalischer Abend mit glasklarem Sound und einer sympathischen Band. Doch bleibt mir der Eindruck, dass vor allem die älteren Lieder die Stärke besaßen, deine innere und äußere Farb-Sound-und-Gefühlswarhnehmung aus den Angeln zu heben. (Lena)
Vorgespielt: Fraktus (2.2.16)
Unsere drei Pioniere der Technomusik, unsere Schöpfer von Tagtraum-Collagen, unsere Meister der satirischen Verschachtelung von Wirklichkeit ließen die Fans bis 20:22 Uhr warten, um sie anschließend eingewickelt in Zellophangeschichten um 22:02 Uhr wieder zu entlassen (die Vermutung liegt nahe, dass auch hinter diesem Zahlenmysterium ein Plan steckt).
“Welcome to the Internet” begrüßt die erwartungsvollen Zuschauer gefolgt von “Maler und Lackierer” sowie “Kleidersammlung”. Die Temperatur in der Großen Freiheit 36 steigt merklich an. Das Publikum echot die Parolen ihrer Idole, wie Keile zwischen die ausgelegten Rhythmuspattern.
Die in der frühen Phase ihres Schaffens entstandenen Werke (Thorsten Bage spricht hier von der Sachtexte-Ära) überzeugen durch ihre eindringliche Logik. Fraktus bringen die überfordernde Komplexität der Moderne in einfache, harte, sachliche Phrasen. Deutlich wird dies in “A.D.A.M (All die armen Menschen)” – die Masse auf ihrem vorläufig ersten Hysterie-Höhepunkt des Abends.
Doch Bernd, Dickie und Thorsten können auch gefühlvoll. Mit “Schuhe aus Glas”, welches durch Schützenfestzelttakt und einem 80er-Jahre-Synthysound besticht, schwappt unerwartet eine Welle Traumschiff-Athmosphäre ins Publikum. Mit Zeilen wie „Ich male dir ein Portrait aus Marmelade“ zeigen die mittlerweile schon ins Schwitzen gekommenen Bigstyler ihre Vielschichtigkeit als Künstler – spieltechnisch wie auch textlich.
Während der Zugabe kommt es beinahe zu einem Eklat, welches die Fragilität dieses künstlerischen Dreigespanns verdeutlicht. Durch das unsensible Unterbrechen Thorstens seines Bandkollegen Bernd gegenüber muss das Publikum mit angehaltenen Atem fast die Trennung von Fraktus miterleben. Historisch und hysterisch wird anschließend die Freundschaft gefeiert mit “Freunde sind Friends”.
Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger unterhalten wieder auf höchstem Niveau. Gekonnt jonglieren sie mit Rollen, Bühnen, Realitäten und Fantastereien und schaffen somit ihr ganz eigenes Genre zwischen Konzert, Theater und Klamauk. (Lena)
Vorgespielt: Beach House (14.11.15)
Die in Frankreich geborene Victoria Legrand hat Tränen in den Augen, als sie nach der Zugabe die Bühne verlässt. Nicht einmal 24 Stunden zuvor wurde ihr Heimatland Opfer eines Anschlags. Unter den Opfern auch Konzertbesucher, die sich auf einen tollen Abend freuten.
Selbst wenn es nicht konkret greifbar war: Auch an diesem Samstag auf Kampnagel war wohl bei vielen Besuchern eine leichtr Verunsicherung im Hinterkopf. Kein ausgelassenes Lachen, kein über-euphorischer Applaus. Einerseits durchaus typisches Verhalten für Hamburger Publikum, andererseits auch als Zeichen von mitfühlender Zurückhaltung denkbar.
Fast genau drei Jahre nach ihrem letzten Besuch in Hamburg spielten Beach House an gleicher Stelle und legten den Fokus dabei auf ihre beiden neuen Alben „Depression Cherry“ und „Thank Your Lucky Stars“. Die Songs von Letzterem fielen dabei besonders auf, wechselte Victoria dafür doch vom Piano an Gitarre und Bass. Dank nunmehr zwei zusätzlichen Musikern auf der Bühne kann sich das Duo solche Rochaden problemlos leisten.
Die Performance als solche war dabei gewohnt zurückhaltend und geisterhaft. Schummriges Licht, LED-Sternenhimmel und surreale Bilder auf der Videowand trugen ihr Übriges zur Gänsehaut-Atmosphäre bei. Angesichts des eingangs erwähnten Hintergrunds: der beste aller denkbaren Auftritte. (Hendrik)
Ich wusste , dass es so enden wird.