Heute habe ich "Nürnberg" im Kino gesehen.
Ein amerikanischer Film von Regisseur James Vanderbilt über die Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg gegen die NS-Elite, die nach Kriegsende noch am Leben war.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen Hermann Göring (gespielt von Russell Crowe) und der US Army-Psychologe Dr. Douglas Kelley (Rami Malek), der den verhafteten Reichsmarschall und andere Nazi-Größen auf ihre geistige Gesundheit hin untersuchen soll, in Vorbereitung auf den Prozessbeginn.
Kelley merkt in seinen Gesprächen mit Göring schnell, dass man ihn nicht unterschätzen darf und dass die Gefahr besteht, dass dieser intelligente und manipulative Narzisst die Anklagebank als Plattform nutzen könnte, um sich und seine Verbrechen vor der Weltöffentlichkeit zu verharmlosen und die Allierten bloßzustellen.
Ich fand dieses Gerichtsdrama gut und spannend, auch wenn es vereinzelt zur Melodramatik tendiert, aber das ist halt Hollywood.
Mir hat gefallen, dass hier die moralischen Grauzonen beachtet werden. Vielleicht wird so mancher kritisieren, dass die Nazis hier zu menschlich dargestellt werden, aber genau das ist ja die unbequeme Wahrheit: Das waren nicht alles geisteskranke Monster damals, sondern ziemlich normale und oft eigentlich unscheinbare, spießbürgerliche Menschen, wie es sie überall gibt.
Die Moral des Films wird am Ende von Kelley ausdrücklich betont: So etwas wie die Naziherrschaft kann immer wieder und überall passieren, auch in den USA (Grüße an alle MAGA-Jünger).
Schauspielerisch war jeder in seiner Rolle überzeugend, wenn auch meines Erachtens keine preisverdächtige Leistung dabei war - auch nicht von Russell Crowe. Er spielt zwar solide, man hat aber nie den Eindruck, dass er sich wirklich in Göring verwandeln würde.
Insgesamt aber ein gelungener Film, den ich empfehlen kann.