Nun endlich! Lange mussten wir auf den neuen Nolan-Film TENET warten. Heute war es dann soweit. Und selten bin ich so früh in einem Film so was von aus der Kurve geflogen. Zum Glück gibt es einige extrem schlaue Leute, die den Film natürlich schon gesehen haben und sich im Internet die Mühe machen, ihn zu erklären. Verstanden habe ich ihn immer noch nicht so richtig.
Vermutlich liegt es daran, dass ich weder BOND- noch MISSION-IMPOSSIBLE-Fan bin - und ich mich die ganze Zeit frage, warum machen das die Akteure überhaupt, für was kämpfen sie, welchen Auftrag verfolgen sie? Klar, es gilt die Welt zu retten - und als Zuschauer schaltet man wohl besser das Gehirn aus und lässt sich von den Bildern und Sound einmal kräftig durchrütteln.
Das Nolan einen Spleen für Raum-Zeit-Konstrukte hat, hat er uns schon mehrfach bewiesen. Ob MEMENTO, INCEPTION, INTERSTELLAR - es braucht schon einiges an Gehirnschmalz, um das halbwegs zu verstehen bzw. verfolgen zu können. MEMENTO war und ist einmalig, ein genialer Schachzug, INCEPTION konnte ich gerade noch nachvollziehen mit den Traumwelten, bei INTERSTELLAR fehlt mir das nötige Astrophysikwissen, um alles zu begreifen - bei TENET bin ich (erst mal) raus.
Vielleicht hätten Untertitel geholfen... so ging leider am Ende zu viel flöten, um von der Spannung gepackt zu werden, mitfiebern zu können oder was auch immer.
Leider hatte Hans Zimmer diesmal keine Zeit für die Filmusik. Was Ludwig Göransson da schafft, passt sicher, geht aber nicht so unter die Haut wie Zimmers Handschrift bei INTERSTELLAR.
Ein Wertung möchte ich deshalb diesmal nicht geben.
Welcome to the biggest mindfuck in the history of cinema! Echt jetzt! Wer sonst sollte dafür verantwortlich zeichnen als Meisterregisseur Christopher Nolan?! Nur ihm gibt ein Studio 225 Millionen Dollar an die Hand, um so einen intellektuell-wissenschaftlichen Blockbuster zu machen, frei nach dem Motto „Chris wird es schon machen!“. Machte er dann auch, und wie!
Und der Mastermind suchte sich mal wieder ein neues Genre: Nach Film Noir, Mystery, Crime Thriller, Zauberei, Superhelden-Action, Traumwelten, Astro-Science-Fiction und Kriegsdrama nun also Spionage-Thriller. Das fand erstmal nicht meine Zustimmung, denn das ist bekanntlich nicht mein Genre. Aber Nolan ist ein großer BOND Fan und mit TENET hat er sich bestimmt einen weiteren Traum erfüllt...
Es gibt also all die klassischen, fast klischeehaften Spionage-Themen, Charaktere und vor allem -Settings, aber Nolan wäre nicht Nolan, wenn er dieses Genre nicht mal so eben auf links dreht und alle BONDs und MISSION IMPOSSIBLEs rechts, links, oben und unten überholt und damit aussehen lässt wie kleine Schuljungs. Apropos: Gestern nach der wilden Fahrt kam mir eine Idee, wie es auch alles zu erklären ist und zwar ganz einfach in einem Satz, der aus dem berühmten Kinderlied „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“ stammt. Dort heißt es: „Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran!“ Das ist TENET! Alle ernsthaften Nachdenker werden mich jetzt für verrückt erklären - sollen sie, haha.
Diese übergroße Produktion muss natürlich im fettesten Gewand daher kommen und dafür ist unser Lieblingskino Savoy der richtigste aller Orte: Als einziges Hamburger Kino und nur eines von einer Handvoll in Deutschland gibt es hier TENET in analog 70mm! Ein absoluter Gewinn, denn noch nie habe ich eine so geile 70mm Kopie über unsere Leinwand flimmern sehen. Brachial-Sound inklusive, der an das INTERSTELLAR Screening von neulich ranragte, Ihr wisst, was ich meine...
Und natürlich ging es mir genau wie meiner Liebsten, dass ich bereits nach ein paar Minuten inhaltlich raus war und leider auch kaum wieder rein kam. Das wurde verstärkt durch einen Nolan-Effekt, den er in fast allen seiner letzten Filme angewendet hat: Die Dialoge sind im Original kaum zu verstehen, da wird genuschelt, geflüstern, hinter Atemmasken gesprochen, so dass so viel flöten geht. Was soll das? Würde ich den Meister gern fragen. Wahrscheinlich würde er antworten wie eine seiner Figuren, die im ersten Drittel zum staunenden Protagonisten sagt: „Versuchen Sie es nicht zu verstehen, fühlen Sie es einfach!“. Gar nicht so leicht, versuche mal in einem Nolan-Film das Gehirn auszuschalten...
Es muss noch unbedingt gesagt werden, dass es in TENET permanent Bilder für die Ewigkeit gibt, Einstellungen und Montagen, die wir alle so noch nie gesehen haben - cinema to the max! Das liegt natürlich auch an der Idee der Geschichte mit der Inversion von Zeit. Und es liegt daran, dass Nolan uns neulich erklärte, dass TENET weniger CGI Szenen hat als eine durchschnittliche Hollywood-Komödie. Kein Witz, warum? Weil Nolan nahezu alles hat wirklich drehen lassen und das siehst Du an jeder Ecke des Films - wahnsinnig faszinierend. Eine Podcasterin auf Spotify hatte ein schönes Beispiel: Wann standen uns letztmalig die Münder so offen, ob der gesehenen Bilder? Richtig, bei MAD MAX FURY ROAD, nur das hier noch alles viel unglaublicher ist!
Wie bei meiner Liebsten gibt es auch von mir erstmal keine Wertung, die folgt nach dem zweiten oder dritten Screening, bis dahin singe und tanze ich noch ein paar Mal „Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran!“