Fuss: Besuch in der türkischen Moschee in Hilden
Ende Februar fand die Fortsetzung zu der interreligiösen Dialog-Serie der Europa-Union Haan statt und wir besuchten die türkische Emir Sultan Moschee in Hilden, die vom Ditib-Verein betreut wird. Der Verein hat in Hilden etwa 300 beitragzahlende Mitglieder, aber die Gemeinde zählt etwa 1200 Köpfe. Der Grundstein für diese Moschee wurde 1997 gelegt und sie konnte 2001 ihre Eröffnung feiern. Mittlerweile hat jedoch in der direkten Nachbarschaft auch die marokanische Gemeinde eine eigene Moschee eröffnet.
Beim Betreten der Moschee mussten wir zunächst die Schuhe ausziehen. Dies sollte allerdings nach bestimmten Regeln von statten gehen. Während man die Fliesen in der Mitte nur mit Schuhen betreten darf, sind die blauen Gitter vor den Schuhregalen nur Füßen in Socken vorbehalten. Die Kunst bestand nun also darin, auf den Fliesen aus dem Schuh zu schlüpfen, den Fuß auf das Gitter zu stellen und dann den Schuh ins Regal zu stellen ohne mit dem besockten Fuß wieder auf die Fliesen zu treten.
Im Innenraum der Moschee überwältigte uns der Anblick von prächtigen Fliesen und Malereien, gekrönt von einem beeindruckenden Kronleuchter. Dies konnten wir erst einmal auf uns wirken lassen, da wir die Moschee zunächst für ein paar Minuten auf eigene Faust erkunden sollten. Dabei gab es an vielen Ecken hilfreiche Plakate zu entdecken, die die einzenen Teile der Moschee erläuterten oder die Gebetszeiten im Islam erklärten.
Es gab auch zwei aufschlussreiche Plakate mit ehrlichen Antworten von Muslimen auf die Fragen, warum Frauen im Islam Kopftuch tragen und warum Männer und Frauen getrennt beten. Letzteres wird unter anderem damit begründet, dass das Gebet im Islam ein sehr physischer Vorgang ist, bei dem man Schulter an Schulter stehen und sich viel vornüber beugen muss, weswegen es für einige Frauen einfach angenehmer ist, getrennt von den Männern zu beten, um sich besser auf das Gebet konzentrieren können. Die Gebetsempore ist dabei eine architektonische Anleihe aus dem Judentum, die hauptsächlich dazu dient auf begrenzter Fläche mehr Platz zu schaffen. In der Zentralmoschee in Mekka beten Männer und Frauen hingegen wieder gemischt, weil es anders bei der Menge an pilgernden Gläubigen logistisch kaum möglich wäre.
Nach dieser ersten Erkundung hatten wir die Channce dem Abendgebet beizuwohnen, wobei wir uns auf die Empore zurückziehen konnten oder auch unten von hinten zuschauen durften, was für mich ein wenig komisch war, da das Gebet ja eine sehr persönliche Angelegenheit ist, bei der man vieleicht keine Zuschauer haben möchte. Aus Respekt habe ich davon dann auch keine Fotoaufnahmen gemacht.
Nach dem Gebet begrüßte uns der Vorsitzende der Moschee und für die Beantwortung unsere Fragen standen ihm ein Islam-Lehrer aus Düsseldorf, die Verantwortliche für die Moscheeführungen sowie der Imam zur Seite. Als Leitfaden für unsere Notizen bekamen wir ein Arbeitsblatt, da sie wohl meist Schulklassen zu Besuch haben und die Erklärungen konzentrierten sich zunächst hauptsächlich auf die baulichen Elemente der Moschee und ihre geschichtliche Symbolik, obwohl sie häufig bereits von tiefer bohrenden Fragen unterbrochen wurden. Die Teilnehmer saßen dazu auf Hockern, blieben stehen oder setzten sich einfach ganz unkompliziert auf den Boden.
Als dann später das Nachtgebet anstand, wurden wir eingeladen im Gemeinschaftsraum unter der Moschee noch ein Glas türkischen Tee zu trinken, wobei weitere Fragen diskutiert werden konnten.
Die Gastfreundschaft war dabei einfach überwältigend und es gab sogar selbstgebackene Leckereien von den Frauen der Gemeinde.
Insgesamt war der Besuch in der Moschee nicht ganz so locker und flüssig, wie der Besuch in der Synagoge, aber meiner Meinung nach umso wichtiger, da es an dieser Stelle doch noch mehr Berührungsängste gibt. Aus diesem Grund ist es gut wenn dieser Besuch trotz vieler noch offener Fragen die Neugier wecken konnte und besonders schön wäre es, wenn sich die Herzlichkeit und Gastfreundschaft des gemeinsamen Tee Trinken als Eindruck verfestigen würden.















