666 Jahre Pest in Halle - Eine Stadt im Fieber
2016 feiert Halle 666 Jahre Deformation. Ein Marketing-Geniestreich, denn Luther2017, die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation, wird damit völlig bedeutungslos. Die Vorbereitungen zu Pest2016 haben bereits begonnen.
Zombiedarsteller aus den USA werden zu Pest-Botschaftern umgeschult
Als um etwa 1350 der schwarze Tod Europa heimsuchte, machte er auch in Halle zünftig halt. Einer Legende nach wurden einige Pestkranke sicherheitshalber eingemauert und sind jämmerlich verhungert. Nach zehn Jahren war "Gras über die Sache gewachsen", man riss die Mauern ab und fand ihre Skelette tatsächlich in hohem Gras. Der Weg sollte von nun an Graseweg heißen.
Das offizielle Logo von Pest2016
2016 jährt sich das Highlight in der Geschichte der Stadt also zum 666. Mal. Das klingt wunderbar teuflisch, ist im Grunde aber bloß leichter zu merken für die Leute hier, weil es eine Schnapszahl ist.
Mit Pest2016 wolle man vor allem den Städten "in die Suppe spucken", die sich unentwegt mit Luther zu schmücken versuchen. "Wir wollen uns da nicht anbiedern. Luther ist in Halle vielleicht mal durchgeritten. Wir machen da lieber unser eigenes Ding," verkündet Pest2016-Kuratorin Cindy Höllmann aus Halle.
666 Pestbeulen sollen in ganz Halle installiert werden
Geplant sei ein Programm für die ganze Familie. Künstler der renommierten Kunsthochschule "Burg" in Halle arbeiten seit Monaten an genau 666 Pestbeulen, die zum Teil schon in der Stadt installiert wurden. Zum Jahreswechsel 2015/16 sollen die beleuchteten Plastiken automatisch aufplatzen und eitern, während rote LEDs aus dem Inneren das realistisch stinkende Kunstsekret beleuchten.
Darüber hinaus werden so genannte Pest-Botschafter aus den USA eingeflogen und zu Stadtführern umgeschult, um internationalen Gästen das "Pest-Feeling" zu vermitteln - "only the pest of the pest," wie es im bereits erhältlichen Programmheft heißt.
Die Rattenpopulation soll bis 2016 auf 300.000 aufgestockt werden
Für die jungen Gäste der Stadt wird es zu jeder vollen Stunde eine Rattenfütterung geben, entweder am Napf oder direkt an 100 ausgewählten Gullideckeln der Stadt. Die Mutigen dürfen die kleinen Nager sogar streicheln - natürlich auf eigene Gefahr. Neben Kinderschminken mit klassischen Motiven ist auch für das leibliche Wohl gesorgt. Es gibt Stände mit Quark-Beulchen und Finger-Food mit Pesto.
Cindy Höllmann ist zuversichtlich. "Wir liegen im Plan. Momentan gibt zwar noch ein paar Problemchen wegen einer dauerhaften Namensänderung, aber wir sind zuversichtlich, dass wir den Zusatz 'Peststadt' für unser schönes Halle bis 2016 durchkriegen. Wenn Eisleben und Wittenberg das schaffen, können wir das schon lange."