Soundgardenfestival – Bad Nauheim; Freitag 05.08. & Samstag 06.08.16
Der Goldpark, in direkter bahnhofsnähe in Bad Nauheim, läd mit ganz entspannter auf-dem-Rasen-chill-Atmosphäre zu einem der schönsten und familiärsten Festivals ein.
Es gibt zwei mittelgroße Bühnen auf denen abwechselnd Indie, Pop, Rock, Punk, Metall und Rock ‘n Roll-Musik vertreten sind. Um auch den Elektro-„Sound“ zu repräsentieren ist auch ein kleines Elektro-Zelt vorhanden. Jede Band ist zum Anfassen nah: vor dem eigenen Gig bei einem anderen Künstler in der Menge stehen und mitgrölen oder beim Merch Autogramme und Fotos verteilen scheint das normalste der Welt zu sein.
Für Süßmäulchen gibt’s Waffeln und Eis, für den Veganer Wraps mit Hummus und anderem Gemüse. Der Klassiker Currywurst mit Pommes fehlt natürlich auch nicht.
Der Freitag legt ein paar nette Bands vor, das Wetter spielt zur Abwechslung auch mal mit und lässt das Gelände nicht unter Wasser stehen, wie es leider vielen Festivals dieses Jahr erging.
Elfmorgen fallen mit ihren üblichen Flachwitzen auf und bringen die knappen 150 Menschen spätestens mit „Oberlippenbart“ zum Arm-in-Arm-springen. Auch die Schubkarren Wall of death bringt Stimmung auf. Die 3 verkleideten „Superheroes“ sind vermutlich auch nicht ganz unbeteiligt an der Atmosphäre.
Wer es laut, schrill und verrückt mag, schaut sich Das Actionteam oder Kapelle Petra an. Hier fehlt es der Bühnenshow auch nicht an Kostümen und außergewöhnlichen Tönen.
Das kennt jeder: Ein Künstler fühlt seinen Songtext. Das ist neu: Ein Musiker stellt seinen Text mithilfe von Gestik, Mimik und ausdrucksstarken Bewegungen dar. Die Rede ist von Love A. Mit großen Einsatz (inkl. viel Rotze), Bewegung und Mitgefühl landen die 50 Leute vor der Bühne in einer ganz neuen Welt. Dazu ist nicht mal die typische Konzert-Animation notwendig.
Eine große gemeinsame Party in Form von rumspringen, mitschreien, Circle Pits und ganz viel Zusammenhalt feiern wir bei Schmutzki. Es ist der erste Tag und Gig nach der Albumveröffentlichung „Spackos Forever“. Kein Wunder, dass die gestrige Feier etwas länger ging und die Schmutzkis beim Soundcheck einen leicht fertigen Eindruck erwecken. Sobald die Show beginnt, geben sie aber wie immer ihr bestes und lassen sich auch nicht von dem wenigen, aber aktiven Publikum enttäuschen. Der Schmutzki Mob wird mit viel Spaß belohnt.
Mit fallendem Vorhang und der ausfälligsten Lichtshow runden ZSK den Abend ab. Mittlerweile sind die meisten Menschen auf dem Gelänge und schreien die „Refugees Welcome“-Parolen mit. Schon nach wenigen Minuten wird jemand aus der Menge gezogen, die Band stoppt den Song, alles ist gut und weiter geht’s.
Der Samstag überragte mit hervorragenden Bands, tollem Wetter und ordentlicher Stimmung.
Scherf & Band präsentieren sich heute von ihrer härteren Punk-Rock Seite und machen auf die aktuell grausame Welt aufmerksam. Felix wird heute von Justin an der Gitarre ersetzt. Daniel, der Frontmann, hat ganz entspannt seinen Teppich dabei und spielt nur in Socken. Ganz sympathisch erzählt er, dass er erst seinen letzten Milchzahn verloren hat.
Als Musik bezeichnen sich I am Jerry. Tatsächlich wird nach wenigen Songs klar, dass diese Band in kein Genre richtig reinpasst. Sie spielen einen netten Indie-Pop ähnlich den Wombats, haben aber auch Hip-Hop Beats dabei, die an Kraftklub erinnern. Als bunte Hipster-Mischung bleibt mir diese Band in Erinnerung. Man sollte sie vermutlich im Auge behalten, sie könnten schon bald auf größeren Festivals spielen.
Entspannte Sounds klingen dann von Makia und Evil Cavies über das Gelände und laden zum Ausruhen im Schatten ein.
Für Fans des Metalcores sind Vitja dabei. Sie erledigen ihren Job echt gut und auch die Nicht-Metal-Hörer -wie ich- sind begeistert. Zudem gibt es die auffälligste Lichtshow, die am Tage stattfinden kann.
Broilers ähnliche Partyhymnen grölen die Fanbase der Rogers laut mit und hissen die Band-Flagge. Der Fan-Club macht seinem Namen alle Ehre. Laute Bassdrum und extremer Bass lassen das Publikum mitwippen.
Insgesamt ist der Sound dieses Jahr weniger erquicklich. Ausnahme ist hier Radio Havanna. Jedes Instrument und jeder Gesang ist klar und deutlich zu verstehen, sodass die Punker aus Berlin neben ihrer netten Animation („Wall of death wie man das im ‚Deutschen‘ so schön sagt“) noch mehr Spaß auf die Menschen übertragen. Das könnte natürlich auch am Verteilen von Berliner Luft liegen.
Blackout Problems ist die Band, die am Meisten überrascht. Sie haben direkt während des ersten Song das komplette Publikum im Griff. Und nun sind auch die meisten Menschen versammelt. Es wird wild von vorne bis hinten mitgesprungen, gesungen, geklatscht, gestagedived und natürlich gefeiert. Bei ständigen Gitarrenwechseln steht auch der Backliner nicht still. Kein Sänger ist so oft im Publikum, wie Mario, der Sänger. Sei es zum gemeinsamen Singen, Crowdsurfing oder Rumrennen.
Milliarden liefern mit ihrer Rock’n’Roll-Art ab. Sowohl ruhige Nummern als auch partytaugliche Songs sind in der Setlist integriert. Wer die Jungs nicht kennt merkt gleich, hier kann man nur tanzen. Ben, der Haupt-Sänger, kommt in die Menge und fordert zum Twist-Circle auf und rennt gleich daraufhin mit den Begeisterten im Kreis. Trotz kleinem Publikum, schaffen sie es mit ihrer sympathischen Art und den wunderschönen Songs, alle Anwesenden direkt zu erreichen; im Herz als auch in der Seele.
Den Abschluss geben Itchy Poopzkid. Wie immer ist es eine nette Show: Es fehlt nicht an Licht, oder der abwechslungsreichen Setlist (von akustischen Balladen bis hin zu Punk-Songs ist alles vertreten). Die Stimmung ist typisch gut und alle haben ihren Spaß. Auch an den üblichen sehr produktiven Kommentaren von Sibbi und Panzer mangelt es nicht (bemerkte die Ironie). Ich würde sagen, macht mal ‘ne neue Platte Jungs.