Neue Reisen, neue Bilder: Manche famosen Gebäude des ehemaligen Ostblocks, wie hier im Uni-Viertel von Krakau, zeigen erst nachts was in ihnen steckt...
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@nachteulennachathen
Neue Reisen, neue Bilder: Manche famosen Gebäude des ehemaligen Ostblocks, wie hier im Uni-Viertel von Krakau, zeigen erst nachts was in ihnen steckt...
Vanitas-Wave.
Nachtrag nr.1: Da kommt man zurück nach OF und denkt,schade, keine Kuluri und herzhochjagende (Freddo-) Kaffees mehr und Zack, hat ein neues griechisches Cafe mit diesem Namen auf der Serviette hier aufgemacht. Wie immer, wenn's um die weite Welt ums Eck geht: Offenbach liefert. Oder aber, während wir Nachteulen nach Athen trugen, hat jemand Athena nach OF gebracht.=)
Just for the Nachschlag-Record: So sah das bei einer Vollversammlung jeden Sonntag von Tausendpaarhundert "Adligen" im großen Saal des Dogenpalastes aus.
Uff, noch 10 Minuten bis Hanau, vielleicht gibt's auch noch ein paar Bilder & Erlebnisse Nachschlag später, aber gleich ist Schlusseinfart. Im deutschen Zug gabs nichts zu essen, aber immerhin Bier. Für`s erste sind wir froh wieder nach Hause ins gute alte verregnete OF zu kommen und bedanken uns für die Aufmerksamkeit!
Ups, nein doch nicht bis Hanau, schon wieder eine Verspätung und kein direkter Anschluss. Also einmal aus dem Zug gesprungen und wieder rein und weiter nach Frankfurt, da gehts dann ganz sicher weiter & heim. Schon ein bisschen schwach geworden unsere Reise&Verspätungs-Aufmerksamkeit zum Ende hin, muss am zweiten Bier gelegen haben. =)
Agnes: Touristenprogramm, das Finale: Museo Correr. Also eigentlich waren das 4 Museen und zwei Biennale Ausstellungen. Das archäologische Museum haben wir tapfer (fast) ignoriert. Das stadtgeschichtliche ergänzte die Erkenntnisse aus dem Dogenpalast. Es enthält die Sammlung Morosini, weswegen die Ruhmestaten dieses Eroberers der Peleponnes im Fokus stehen. Die frischgebackene Athentouristin denkt ständig nur "Parthenonzerstörer!". In der Pinakothek hängt eine moderne Ausstellung zwischen den Renaissancewerken. Nicht alle Vasen sind in Athen, auch Etrusker und Langobarden töpferten, das 16. Jahrhundert malte lieber Majoliken. Ganz toll: die alte Bibliothek mit Karten und ihrer Geschichte, alten Globen (und moderner Kunst dazwischen, ist klar) und sogar den Holzdruckstöcken der berühmten Venedigansicht von 1500. Na und drumherum die napoleonischen Prachtsäle mit tromp d'euil bis man stolpert.
Georg: Die herrische Steinbüste mit Hut und Admiralsstab in der Hand ist Parthenon- Destroyer Morosini himself. Er war so stolz darauf, dass ihm als einzigem Amtsträger der Republik fur seine Rückeroberungen schon zu Lebzeiten ein Bronzestandbild gegönnt wurde, daas er es für seine eigene Rennomierausstellung im Palazzo nochmals in Mamor nachhauen ließ.
Zwischendrin noch etwas Dogenpalast- Nachschlag. Kriegt man ja kaum in einen maximal 10 Bilder-Post, was da alles rumhängt & steht: Erbeutete & eigene Waffen, Tintoretti und andere Berühmtheiten wie eine Heilige in Ekstase von Artemisia Gentileschi, Statuen, die unvermeidliche Seeschlacht von Lepanto & weitere Kriegserfolge, Dogen mit diversen Päpsten, Kaisern & Königen, Amt & Würdenträger im Potrait galore..
Und dieser eine Doge in der langen Reihe von Tausend Jahren Dogenportraits im großen Saal, dessen Biäd mit einem schwarzen Vorhang übermslt wurde. Weil er um 13hundert rum versucht hatte die *Republik" zu stürzen und seine Familie als Alleinherrscher einzusetzen. Das hat ihn damals,nicht nur bildlich, den Kopf gekostet.
Agnes: Neuer Tag, neuer Wahnsinn. Diesmal aber mit mehr grün. Auf der Friedhofsinsel herumspazieren ist als Programmpunkt nicht so ermüdend. In den Fondazione Querini Stampalia kam das Grün durch koreanische abstrakte Kunst zwischen den Sammlungen einer ausgestorbenen Dynastie. Sozusagen die private Seite der venezianischen Herrschaft, wobei beim nächsten Venedigbesuch mal das gezielte Palazzigucken anstehen dürfte. In diesem hier wurde das Erdgeschoss wegen Hochwasserschäden modern neugestaltet. Sehr schick. Und ein neuer Favorit für Museumscafés, exzellenter afghanischer Tee mit Kardamom.
Georg: Am Grab von Strawinsky und anderen Berühmtheiten liegen Blumen, am Grab der Balletberühmtheit Tanzpantoffeln, am Grab des Literaten & Nobelpreisträgers Joseph Brodsky u.a. tatsächlich ein Gläßchen mit Zigaretten. Außerdem leisten sich auch alte venezianische Familien gern mal eine moderne Gruft.
Die Querini Familie stellte neben diversen Ämtern immerhin mal eine Dogengattin und man lernt über das Familienleben z.B., dass auch der Liebhaber der Dame des Hauses quasi zur Familie gehörte und deren Interessen vertrat. Das hübsche "Amt" des Cicisbeo als offizieller Begleiter und später mitunter auch Liebhaber der Dame war besonders in Seefahrerrepubliken wie Venedig, mit langen Abwesenheiten der Ehemänner, wichtig. Trotz staatlichstädtischer Moralwache war die Stadt immer ein Zentrum der Frivolitäten & der verbotenen Bücher. Die vergleichsweise freieren Regeln, was gedruckt werden durfte und was nicht, trugen dazu bei. Das schlägt sich auch in recht sinnenfreudiger bis unheterohafter im Haus vertretener Kunst nieder.
Und dieses eine Portrait eines Familienmitglieds in Amtsrobe ist wirklich posh! =)
Agnes: Weil wir wahnwitzigerweise (oder um irgendwas schon gebucht zu haben) noch haufenweise Programm haben, spielen wir Doppelfeature: nachmittags La Fenice. und wir haben Glück und geraten in die Haupt- oder Generalprobe der neuen La Traviata Inszenierung. Königsloge für 12 Euro. Banausen, die wir sind, haben wir aber nur eine halbe Stunde geop(f)ert.
Agnes: Nach dem Tag Venedigflucht hat uns doch die touristische Ehre gepackt. Beim dritten Venedigbesuch kommen wir um den Dogenpalast nicht mehr herum. Frühstück gleich um 8, deutsche Funktionswäscheträger unter sich. Anstehzeit: 0 Minuten. Seufzen in der Seufzerbrücke: Check! Der Grund für die recht breite Basis bei venezianischen Entscheidungen (1200 Adlige in der Generalversammlung) könnte im November gewesen sein, dass man ohne menschliche Abwärme den Palast nicht warm kriegt. Viel schöner aber hauste Bürokratie vermutlich nirgends.
Georg: Die Adelsrepublik Venedig hatte es wohl reichlich nötig, den Herrscherhäusern der restlichen Welt auch in Sachen Prunkentfaltung zu zeigen, dass man mit strikter Ämterkontrolle sogar noch mehr als die Anderen raus holen kann. Der gegenseitigen Ämterkontrolle bis hoch zum Dogen dienten die vielen prächtigen Kammern und Sääle der einzelnen Räte, Ausschüsse und Zuständigkeiten inklusive dem riesigen großen Rat, in dem 1200 bis 1500 Adlige einen festen Sitz hatten. Der arme Tintoretto und etliche andere berühmte Maler mussten ganz schön schuften um Decken & Wände zu gestalten, u.a. mit dem größten Wandbild der Welt über dem Dogenthron. Ebenfalls der Kontrolle dienten großmäulige Fratzen an den Außenwänden der Büros in die man Anzeigen & Denunziationen anonym einwerfen konnte, sowie, selbstverständlich, das angrenzende Gefängnis. Selbiges war über die Seufzerbrücke mit dem Palast verbunden, aus der Agnes hier korrekt seufzend raus guckt.
Agnes: Venedig. Die Ankunft mit der Fähre war zwar toll, aber der Fährhafen ist nicht für Fussgänger gedacht. Also 3 km Fußmarsch und dann Boot nach Venedig. Die touristischen Ambitionen haben wir für den Rest des Tages auf Eis gelegt. Und am nächsten Tag auch. Treviso, ums Eck von der Serenissima, hätten wir uns vermutlich normalerweise nicht angeschaut, aber da eine Waggonlieblingsband dort her kommt, bekamen wir eine Stadtführung. Mal nicht entscheiden, was man anguckt, wo man isst, nicht nachgucken, wo es langgeht: herrlich!
Und dabei kennengelernt: eine reiche, mittelgroße Stadt mit mittelalterlicher autofreier Innenstadt, ein wenig Kanal und drumherum Prosecco-Weinberge, die Weltkulturerbe sind. Da hätten wir eigentlich nochmal einen Wanderstop einlegen müssen. So: Auch die Städte um Venedig herum ließen ihre Obrigkeit nicht einfach irgendwo tagen.
Georg: Naja, bissi geschwindelt isses schon. Natürlich kommt man nicht tagsüber an in Venedig und läuft dann nicht rum. Natürlich nur n bißchen so rumschlendern noch und dann werdens doch wieder Kilometer auf Steinpflaster und Brücken. Und dann kommen noch zufällig diese ganzen Nebenausstellungen der Biennale in irgendwelchen Palazzi für umme vorbei und dann dieses ehemalige Altersheim voller Videoinstallationen. .
Das Motto der Biennale ist dieses Jahr "Strangers everywhere", was wohl auch den vielsprachigen "Tourists everywhere"-Aufkleber erklärt Wie Arsch auf Eimer passt das natürlich in Venedig.
Aber heyh, unsere Lieblingsband aus Treviso heißt übrigens Kill Your Boyfriend und mille grazie Matteo, per un giorno perfetto! =) Die Band kann und sollte man sich unbedingt hier anhören, zackigster Darkwave mit discoesker Tanzbarkeit:
Die Fähre in Patras ist die, schon etwas in die Jahre gekomme, "Claudia", voller Trucker, ein paar Fahradurlaubern und uns. Sie bringt uns in 2 Nächten und einem Tag zwischen Korfu & Albanien die Küste hoch und dann übers Meer bis Venedig. Es gibt ein 3 mal am Tag geöffnetes SB Restaurant mit Truckerportionen, ein Cafe in dem auch Mitgebrachtes gegessen werden darf und Kleinkinder spielen dürfen, etwas olle aber großzügige Kabinen und absolut kein Internet. Es ist ganz wunderbar, Landschaft & Meer vorbeiziehen zu sehen und mehr gibt es auch nicht zu tun.
Eine dringend benötigte und angenehmstmögliche Ruhepause, bis dann doch am Horizont die Serenissima auftaucht.
Exarchia, Tourists go home, oder warum eine Ubahnbaustelle mit massenhaft Polizei verteidigt werden muss:
Natürlich kennen wir auch schon lange die Probleme die AirBnB & Co für Mietpreise in beliebten Städten bedeuten. Oft genug stiegen wir am Balkan in Vierteln ab, deren Türen mit Schlüsseltresoren für Touristen nur so übersät waren, die Viertel selbst oft nur noch rein kommerzielle Amüsiermeilen für aus wie inländische Jugend ohne wirkliche lokale Struktur. In Exarchia, dem inzwischen ehemaligen Hausbesetzerviertel springt es einen aber geradezu von jeder Wand an. Der von mir dazu und zu den vielen gruppenweise durchs Viertel ziehenden vollausgerüsteten Polizistentrupps befragte Friseur hat es mir dann bei einem, ziemlich guten, Haarschnitt auf Englisch erklärt; Seit vor einigen Jahren die meisten besetzten Häuser geräumt wurden, sind auch in Exarchia die Mieten hochgegangen, auf die übliche Art verschärft durch AirBnB., die Zahl der Obdachlosen auf den Straßen stieg sichtbar an. Jetzt soll das Viertel 2 neue Ubahnhaltestellen bekommen und es wird, vermutlich mit Recht, befürchtet, dass das die touristische Gentrifizierung noch verstärken wird. Deswegen kam und kommt es, rund um die Baustellen immer wieder zu Demonstrationen und Auseinandersetzungen. So handfest, dass komplette Mannschaftsbusse wochenlang davor parken und trotz massivem Einsatz immer wieder neue Transparente am Bauzaun landen oder der Bau selbst sabotiert wird. Die Baustelle wirkt wie eine Hochsicherheitsfestung mitten im Viertel und den Polizisten ist anzumerken, dass sie wissen, dass sie hier nicht beliebt sind.
Nicht mal bei meinem Friseur.
Das Viertel ist trotzdem noch uber alle Maßen lebendig, mit selbstorganisierten Soliküchen, guten Livemusikläden und so etwas wie einem spürbaren Zusammenhalt.
Agnes: Archäologisches Museum Athen: Ich habe das Gefühl als sei keine einzige antike Vase je kaputtgegangen, sie sind alle in diesem Museum (und schon schön, von geometrisch bis exotisch und ersten Bildern von Segelbooten). Und alle Scherben, Tonfiguren, Goldohrringe, Koren (w.) und Kouroi (m.). 30 Säle mit einer kleinen Auswahl von nur 1000 Statuen aus der Sammlung von ca. 19.000. UFF!
Dafür macht es einem das Museum andererseits schön leicht und hat überall Bänke, ein wunderschönes Innenhofcafé und einen meist brauchbaren Audioguide.
Für die Buben: Pfeilspitzen von den Thermopylen. Für Zahnradfans: ein mechanischer Kalender zur Vorhersage von Monden, etc. Und: es gab auch in der Antike schon Einrichtungkitschfiguren.
Ich kann einfach nicht zum ersten mal in Griechenland sein und nicht auf einer Insel. Also besucht Agnes am letzten Athentag das archäologische Museum und ich flüchte die Kulturpflicht per Tragflügelschnellboot in Einerstundezwanzig nach Hydra.
Etwas unerwartet holte mich die Kultur aber wieder ein. Ich hatte zwar gelesen, dass ein sehr reicher Kunstsammler einen Aktionsraum namens Slaughterhouse dort betreibt und irgendwas auch mal mit Jeff Koons dort, aber eigentlich war s mir egal, schöne Insel, schöner Spaziergang und Leonard Cohen hat da auch gern gelebt, das war mir wichtiger.
Das Schlachthaus war tatsächlich mal ein selbiges kleines solches für die kleine Inselstadt ums Inseleck, mit 3 Gitterzellen für s Vieh vorne dran, einem Haken und dem ehemaligen Zerlegeraum. Obendrauf hat Koons sein Sonnenrad gebaut,, das machtvoll wie der Sonnengott Apollo persönlich mit seinem Gesicht auf jeder Seite dem Wind entgegenstarrt. Der Wind treibt auch den beweglichen Teil seines Sonnenrades an und erzeugt, wenn ich das richtig sehe, auch Strom, der vermutlich die Lichterkette 4 Strommasten entlang bis zum Schlachthaus erleuchtet. Wie auch immer, ein unerwartet starker Eindruck, den das ganze Ding macht.
Die Insel an sich liefert aber auch sonst alles was man sich für "ich hab funf Stunden auf einer griechischen Insel" erwarten darf: Revolutionsgeschichte, ein Kloster mit Marienwunder nach Piratenraub, dramatische Steilküste & Blicke auf andere Inseln & Küste, den Berg hinaufgewürfelte Labyrinthe aus weißblauen Häusern, und, angeblich, auch ein Denkmal für Leonard. Das hab ich aber nicht gefunden, ebensowenig wie sein Wohnhaus, das irgendwo weiter oben sein soll. War mir aber egal, war schön und Inselgefühl as fuck. Autoverbot und deswegen nur Esel zum Transport, in den menschenleeren weißen Gassen ein Königreich der Katzenreviere, Bäume die Kunstwerke sind aus Seewind und Felsbesiedlung, schönen Dank, gern mal wiedersehn.
Die Rückfahrt in Schnellboot über etwas stürmisch abendliches Meer bot dann noch bei jedem hochspringenden Wellenkamm ungeahnte Mini-Drops-Achterbahn -Airtimegefühle, manche mochten das, manche mussten auch von der Stewardess oder der zu hörenden Aufforderung nicht aufzustehen beruhigt werden. Ich hatte Spaß und wurde gegen Ende fast schon schläfrig. =)
Bei aller Wichtigkeit & Schönheit, der Wiege der Demokratie, des Theaters und allem Anderen: Am erträglichsten ist die Akropolis vom Aeropaghügel daneben, auf dem einst Paulus seinen ersten Athener bekehrte. Der hieß passenderweise Dionysos und wurde der erste Bischhof der Stadt. Oben wird man mit wörtlich tausenden Touristen zwischen sorgsam vollabgesperrten Tempeln hindurchgetrieben und ist froh dass die Sonne im November nicht mehr ganz so hart sticht. In jedem raren Schatten bleibt man trotzdem stehn und überlegt, wie man durch die nächste Menschentraube kommt.
Das architektonisch preisgekrönte Akropolismuseum, samt modern interpretierten "Nachbau" des Athenetempels für die umlaufenden Reliefreste obendrauf. Dachten wir mittags noch optimistisch, dass wir ja evtl. die benachbarte Akropolis selbst gleich hintendran hängen könnten, waren wir zur Schließung um 17h froh wenigstens die Obergeschosse halbwegs durch zu haben. Agnes war froh um die frühe Schließung, weil wir sonst auch den umfangreichen Ausgrabungen in den Untergeschossen nicht mehr entkommen wären.