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@pascallamprecht
#SozialhilfeSelbstversuch
Mein Selbstversuch mit dem Betrag eines Sozialhilfebezügers durch den Monat zu kommen gründete in der Neugierde, wo die Spielräume sind und an welche Hürden ich stosse. Dabei war von vornherein klar, dass es sich um ein rein finanzielles Experiment handelt und ich die psychischen Faktoren wie Perspektivenlosigkeit und Ungewissenheit, allenfalls gepaart mit körperlichen Beschwerden, nicht simulieren kann. Ich habe mir diesbezüglich natürlich Gedanken gemacht, ob es nicht zynisch ist, Armut zu simulieren, bin jedoch zum Schluss gekommen, dass ich (für mich) eher das Sensorium für alltägliche Erfahrungen mit leeren Portemonnaie fördere statt allfällige Betroffene an den Pranger stelle.
Das Erstellen des Budgets hat fast schon Spass gemacht und mich motiviert. Zwei nicht wirklich überraschende Punkte waren dabei auffallend: Einerseits gibt es Gewichtsverschiebungen: Der prozentuale Anteil an Lebensmitteln am gesamten Budget nimmt zu – die Beträge für Ausflüge, Ausgang und andere schöne Dinge tendieren dafür gegen Null. Anders formuliert: Allfällige Lifestyle-Ausgaben müssen am Mund abgespart werden. Andererseits stellt sich die Frage, inwiefern ich mirnichtsdirnichts herunterfahren kann und trotzdem Abmachungen und soziale Kontakte einhalten kann.
In den ersten Tagen ging das Sparen und Einschränken flott und ich fragte mich eigentlich nur, ob die Einkäufe bis am Freitag oder doch bis am Sonntag reichen und welches Duschgel pro Milliliter das billigste ist. Dann kamen die Killer: Handy-Rechnung, Energiekosten und, als totale Katastrophe, das Auto. Ich habe zwar den Gürtel täglich enger geschnallt, aber nach ein, zwei relativ hohen Rechnungen bzw. Rückstellungen stand ich mit heruntergelassenen Hosen da. Und, ehrlich gesagt, die Motivation ging auch den Bach runter. Weshalb soll ich als TV-Abstinenzler eine Billag-Rückstellung tätigen, wenn ich 200m laufe, nur um einen 35 Rappen billigeren Energie-Drink zu kaufen? Oder bis am Mittag hungern, nur weil ich mein Sandwich zu Hause vergessen habe? Die tägliche Billag-Rückstellung entspricht nämlich ungefähr einem halben Sandwich in der Kantine…
Diese zwischenzeitliche Demotiviertheit gipfelte sogar darin, dass ich einmal ein völlig undiszipliniertes Fehlverhalten an den Tag gelegt habe und mir drei Cuba Libres für 45 Franken bestellte. Der Kater war auch in finanzieller Hinsicht gross… Typischer Jojo-Effekt.
Aber der Ehrgeiz kam zurück: Ich verlängerte meinen Versuch um einen Monat und nun weiss ich ja, wie das Budget erstellt werden soll bzw. was mich erwartet. Wichtigster Punkt: Eine grosszügige Rückstellung für Unvorhergesehenes. Die anderen Rückstellungen sollen dabei in den ersten 20 Tagen getätigt werden, somit bleibt notfalls Luft für unerwartete Rechnungen. Für die regelmässigen Ausgaben habe ich mir schlicht ein Tagesbudget erstellt. Die Rechnung ist dabei einfach: Einmal ein billigeres Mittagessen ergibt abends ein Bier oder am Wochenende einen Batzen fürs Ponyreiten mit dem Gotten-Meitli. Ein Cuba Libre bedeutet nach dieser Rechnung jedoch den zweimaligen Verzicht aufs Mittagessen. In anderen Worten: „Sich mal was leisten können“ geht eigentlich nur übers Unterlassen von Rückstellungen. An dieser Stelle lauert die Schuldengefahr, was absolut verheerend wäre. Ein anderer – auch aus volkswirtschaftlicher Sicht interessanter – Aspekt in diesem Zusammenhang ist, dass das Gastgewerbe, die Kreativwirtschaft, die Journalisten und auch die gemeinnützigen Organisationen definitiv zu kurz kommen. Dennoch: Es gibt einige Möglichkeiten, sich kostenlos den schönen Dingen zu widmen, auch ohne dass man an jedem Apéro teilnimmt.
Neben den täglichen Erfahrungen sind mir aber vor allem zwei weitere Punkte bewusst geworden:
Erstens sind die Grundkosten pro Person um einiges tiefer, je mehr Personen im Haushalt leben (z.B. bleiben die Internetkosten pro Haushalt gleich, egal wieviele Leute am Netz angehängt sind). Im ersten Monat haben mehrere Personen am #SozialhilfeSelbstversuch teilgenommen, im zweiten Monat ich alleine und dabei gemerkt, wie ausgeprägt die Progression wirklich ist. Anzufügen ist aber, dass trotz Progression Kinder die Leidtragenden sind: Ihnen zu erklären, wo weshalb Abstriche gemacht werden und sie zwingendermassen auf einige Events mit ihren Gspähnli verzichten müssen, tut weh.
Zweitens: Der Betrag von 986 Fr. für eine Einzelperson ist nicht so hoch, dass das faule Schmarotzertum gefördert wird. Im Gegenteil: es genügt gerade, um sich nicht ellbögelnd durch die Gegend zu schlagen. Bei der von den SKOS-Richtlinien vorgesehenen und vorübergehenden Kürzung um 15% bei mangelnder Kooperation werden vermutlich Reparaturen und Anschaffungen aufgeschoben. Bei einem Betrag von rund 600 Fr. würde man jedoch einen Betroffenen geradezu in der Gesellschaft marginalisieren oder sogar in die Kleinkriminalität treiben – was für uns unter dem Strich sicher teurer käme…
Durch das detaillierte Budgetieren habe ich nun eine Punktlandung hingelegt (Dank dem Konto „Unvorhergesehenes“). Abgesehen von einigen kleinen Sparideen und Selbstverständlichem (Aktionen und Preisvergleiche lohnen sich! Nicht mit leerem Magen Einkaufen!) fällt auf, dass auch bei kleinem Budget die Ausgaben eine Frage der Prioritäten sind – sogar noch viel eher! Ich empfand es als ziemlich spannend und hoffentlich nachhaltig, mein Konsumverhalten auf diese Art zu hinterfragen, auch wenn dies ursprünglich gar nicht das Ziel war. Hier nur am Rande vermerkt: Es ist in meinen Augen äusserst stossend, wenn gewisse Kreise in ihrer Intoleranz meinen, den Sozialbehilfebezügern vorzuschreiben müssen, was genau sie mit welchem Franken zu bezahlen haben (und wo genau sie wie zu sparen hätten) und sie somit nicht als eigenständige Mitbürger, sondern eher als Parasiten bezeichnen.
Mein Ziel war nicht, Geld zu sparen, sondern dies hat sich als Nebeneffekt ergeben. Übrigens: Der Medianbruttolohn in der Stadt Zürich beträgt grob 7000 Fr. Wenn man nun von dem tieferen Nettolohn ausgeht, davon Krankenkassenprämien, Steuern und Mietkosten abzieht, bleiben überschlagsmässig noch gut 4000 Fr. Also rund 3000 Fr. mehr als ein Sozialhilfebezüger zur Verfügung hat…
Es ist mir aber vor allem eine Binsenwahrheit wieder klar geworden: Es sind zur wirkungsvollen Bekämpfung der Armut – und nicht etwa den Armen! – nicht nur monetäre Faktoren wichtig (neben dem durchaus notwendigen Betrag für den Grundbedarf), sondern auch soziale Interaktionen und Tagesstrukturen.
Schliesslich sei hier noch dem Altersheim Herrenbergli fürs Gratis-Glace gedankt – stellvertretend für alle kleinen Häppchen und Gespräche in den letzten zwei Monaten.
#VittorioVeneto #Treviso
#Aquileia #Udine #UnescoWorldHeritageSite
#Caorle #Veneto
Bergisel-Schanze, Innsbruck
#sempach
diffuse Bedrohungslage - aber der Gripen soll's richten? Nein!
Genügt für die Luftraumüberwachung nicht eine zivile Luftverkehrspolizei, die reale Aufgaben wahrnimmt und ausserdem bezahlbar ist, oder brauchen wir eine Luftwaffe, die vorgibt, diffuse Bedrohungen zu verhindern?
Für die alltägliche Arbeit – also Hilfe an verirrte Privatflugzeugen, Interventionen bei Verstössen gegen die Luftverkehrsregeln und Patrouillen- und Trainingsflüge – haben wir neben den bereits bestehenden Jets vor allem auch Helikopter (oftmals viel praxistauglicher), PC-7-Maschinen und ganz einfach auch Radarüberwachung und Funk (welche heute ja ausserhalb der Bürozeiten funktionieren…).
Für kriegsähnliche Bedrohungen oder Terroranschläge bringt’s auch der Gripen nicht. Solche Szenarien müssten von den Nachrichten- und Geheimdiensten vorausgesehen werden. Gegen kurzfristige Attacken nützen selbst die besten Jets nichts, und zwar weil sie einerseits zur Abwehr zuerst noch bewaffnet werden müssten und andererseits wäre das Risiko von Kollateralschäden viel zu hoch. Neben den technischen Einwänden ist auch die Entscheidungszeit meist zu kurz und die Siedlungsdichte zu gross.
Käme es zu einem kriegsähnlichen Ereignis, hätte dies eine Vorwarnzeit und zudem wäre die autonome Verteidigung in der Zeit der heutigen Kriegstechnologie auch mit dem Gripen nicht zu bewältigen – oder glauben die Befürworter des Gripen an eine nostalgische Erdkampfunterstützung? – Wir wären sowieso auf unsere Nachbarn angewiesen; Nachbarn übrigens, deren Geschwader heute um einiges kleiner ist, als die nun vom VBS angestrebte Luftwaffe. Wir sind also im internationalen Vergleich bereits gut gerüstet.
Neben den sicherheitspolitischen Aspekten gilt es aber auch die Kosten zu betrachten. Die 3.1 Mrd. für 22 Gripen eignen sich natürlich wunderbar für Zahlenspielereien, diese lasse ich hier aussen vor. Das Argument, dass die Armee die Kosten bezahlen muss und nicht das ordentliche Budget, ist ein Hohn, da das Armeebudget um die erforderlichen 300 Mio. Fr. pro Jahr heraufgeschraubt wurde. Zudem dies sind nur die reinen Beschaffungskosten, hinzu kommen aber noch Unterhalts- und Betriebskosten von nochmals rund 7 Mrd. Franken, also mehr als das Doppelte! Man stelle sich vor, das Geld stünde für Bildung, das Sozialwesen, erneuerbare Energie oder die Wohnbauförderung zu Verfügung…
Das illusorische Bedrohungsszenario steht in keinem Verhältnis zur Effizienz und zu den Kosten. Selbstverständlich beten die bürgerlichen Befürworter stets das Mantra herunter, dass man ja nie wisse, was die Zukunft bringe; das interpretiere ich nun mal aber so, dass deshalb der Gripen – komme was wolle! – das falsche Mittel ist!
#springtime #cherrytreeblossoms
from #Gurten to #Bundeshaus #Bern 2014
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