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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Jäger der verlorenen Schätze
Provenienzforschung – die Wissenschaft der Besitzverhältnisse von Kunstgegenständen – hat durch die Debatte um den Umgang mit NS-Beutekunst einen enormen Bedeutungszuwachs gewonnen. Ich sprach mit Dr. Uwe Hartmann vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste über diese mühselige, aber spannende Arbeit.
Berlin, 1942: Ein 14 jähriger Berliner und seine Großmutter werden nach Riga verschleppt. Die Frau wird ermordet, der nun völlig familienlose Junge endet im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er überlebt das Martyrium und verlässt Deutschland. Ein Foto ist das einzige Andenken an seine Familie und sein Kindheit, das ihm geblieben ist.
2008 später stoßen Archivare der Zentral- und Landesbibliothek Berlin beim Sichten unrechtmäßig erworbener Buchbestände aus der NS-Zeit auf eine Widmung in einem Kinderbuch. Ein Journalist des Spiegels zitiert sie in einem Artikel – und wenige Tage später meldet sich der einstige Besitzer, mittlerweile in den USA lebend, in Berlin. Die Widmung hatte ihm gegolten; 66 Jahre nach seiner Vertreibung händigt man ihm seinen Besitz – und ein Stück seiner geraubten Kindheit – wieder aus.
Die Geschichte, die Dr. Uwe Hartmann vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste erzählt, illustriert gleich mehrere Aspekte seiner Arbeit: Zum einen, dass der Begriff „Raubkunst“ oder „Beutekunst“ sehr weit gedacht wird – nicht nur Gemälde oder Skulpturen werden darunter verstanden, sondern auch Gebrauchsgegenstände wie Bücher, Mobiliar oder gar Kraftfahrzeuge. Zum zweiten illustriert der Fall, dass es nicht zwingend um Schätze gehen muss; der emotionale Wert vieler Erinnerungsstücke lässt sich oft schwer in Geldbeträgen ausdrücken. Und drittens zeigt sich, wie sensibilisiert man in Einrichtungen der öffentlichen Hand mittlerweile im Umgang mit problematischen Beständen ist. Die 'Provenienzen', also die Geschichte der wechselnden Besitzer eines Objekts, erzählen bisweilen von grausamen Schicksalen.
Und immer wieder schaffen es die Fälle, in denen Provenienzforscher tätig werden, auch in die Schlagzeilen: 2006 stritt das kulturelle Berlin noch über die Rechtmäßigkeit der Rückgabe der „Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner an die Erben des Kunstsammler Alfred Hess. Im darauf folgenden Jahr verstarb der Münchener 'Kunstberater' Bruno Lohse, der im 3. Reich u.a. als Kunstbeschaffer Herman Görings zu zweifelhaftem Ruhm gekommen war. Die Erbin des vor den Nationalsozialisten ins Exil geflohenen Wiener Verlegers Gottfried Bermann Fischer ließ daraufhin einen Safe bei einer Züricher Bank durchsuchen – und wurde fündig: In dem seit 30 Jahren unter dem Firmennamen „Schönart“ gemieteten Tresor fanden sich mehrere vermisste Gemälde, darunter ein verlorener Pissarro, nach dem Fischer Zeit seines Lebens gesucht hatte.
2010 beschlagnahmte die Augsburger Staatsanwaltschaft die Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt, Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Dieser war nach Kriegsende im Besitz hunderter Werke der Moderne gewesen, von denen 390 aus der Säuberungsaktion „Entartete Kunst“ stammen sollen; Berichten zufolge kämen 590 Werke der Sammlung als mögliche Raubkunst in Frage. Der Fall beschäftigt Juristen und Provenienzforschung noch heute.
Die Beispiele zeigen: In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat das Thema wieder an Fahrt aufgenommen. Unmittelbar nach dem Ende des Weltkrieges waren es vor allem die Amerikaner, die sich um 'Restitution' – also Rückführung – bemüht hatten. „Ein besonderer Verdienst der amerikanischen Streitkräfte gebührt einer speziellen Einheit, die 'Section Monuments, Fine Arts and Archives',“ erklärt Hartmann. Diese 'Monuments Men' genannten Soldaten, denen Georg Clooney 2014 ein filmisches Denkmal setzte, organisierten unmittelbar nach dem Ende der Kampfhandlungen Sammelstellen für unrechtmäßig angeeignete Kunstwerke. Franzosen, Briten und Amerikaner erließen bereits vor Gründung der Bundesrepublik ein 'Entschädigung- und Restitutionsgesetz', das 1949 nahezu unverändert von der ersten Bundesregierung übernommen wurde. Noch bis in die Sechziger Jahre sorgte man sich so in Westdeutschland um „Wiedergutmachung“.
In Ostdeutschland sah die Situation derweil schlechter aus. Weder schien man sehr erpicht darauf, die Enteignungen der NS-Zeit aufzuarbeiten; noch wollte man die Sowjetunion verärgern, indem man von ihr beschlagnahmte Kulturgüter zurück verlangte. Und selbst als dieses geschah, so gingen die Werke als „Volkseigentum“ in den Besitz der DDR über und waren so per Definition nicht mehr an ihre früheren Besitzer „privatisierbar.“ Ganz abgesehen davon, dass die Praxis der Enteignung unerwünschter Personengruppen in den Anfangstagen der DDR munter weiter getrieben wurde; auch wenn es nun Adlige und Vermögende traf, nicht mehr vermeintliche 'Untermenschen'.
Nur so kann man verstehen, wie die moderne Provenienzforschung nach dem Fall der Mauer einen zweiten Bedeutungsschub erleben konnte. Die 'Washingtoner Erklärung', die 1998 auf Drängen der Clinton-Regierung verabschiedete wurde, verlieh dem Thema frischen Wind: 44 Nationen erklärten sich bereit, offene Vermögenswerte aus der Zeit des Weltkrieges aufzuarbeiten – also etwa auch Aktien, nie ausgezahlte Lebensversicherungen oder verschwundenes „Judengold.“ In der Folge begannen auch in Deutschland eine neue Welle von Sichtungen fraglicher Kunstwerke im eigenen Besitz. Das erklärte Ziel: Die Altlasten aufzuarbeiten und im Konfliktfall zu einer „gerechten und fairen Lösung“ beizutragen.
Die zuvor in Bremen angesiedelte „Koordinierungsstelle der Länder für die Rückführung von Kulturgütern“ zog nach Magdeburg; Arbeitsmaterialien für Wissenschaftler und Archivare wurden angefertigt und die Internet-Datenbank www.lostart.de ins Leben gerufen. Zu dieser Zeit beginnt auch Hartmanns Tätigkeit für die Koordinierungsstelle, die erst 2015 in der öffentlichen Stiftung aufging, die heute unter dem Namen „Zentrum Deutsche Kulturgutverluste“ firmiert. Ihre Hauptaufgaben sind Information, Koordination und Förderung einzelner Projekte zur Provenienzforschung. Nicht nur im Hinblick auf NS-Verbrechen und DDR-Enteignungen, auch bei der Aufarbeitung von Deutschlands kolonialem Erbe sind die Magdeburger neuerdings involviert. Und fündig wird man noch heute: „Anfang der Sechziger Jahre hieß es noch, da sei alles in Ordnung,“ erklärt Hartmann im Hinblick auf die Kunstsammlungen der öffentlichen Hand in Deutschland, „und inzwischen hat man nahezu 50 Gemälde allein seit den 2000er Jahren eindeutig als 'NS-verfolungsbedingt entzogen' klassifiziert.“
Erleichtert wird die Arbeit vor allem durch die Digitalisierung – musste Hartmann 2005 noch quer durch Deutschland reisen, um einen besonders seltenen Katalog einsehen zu können, helfen heute wenige Klicks: „Wie hoch alleine die Reisekosten der von uns geförderten Projekte gewesen wären, wenn man weiterhin durch die Lande hätte reisen müssen“, schwärmt er heute. Museen erfassen ihre Bestände in speziellen Softwares und stellen ihre analogen Datenbestände Stück für Stück online. Die selbstorganisierte, akademische Vernetzung hilft den Provenienzforschern auch, sich international besser zu koordinieren; eine weltweites Zentralorgan fehlt ihnen nämlich derzeit.
Dass ihnen die Arbeit in absehbarer Zeit ausgehen wird, ist in Hinblick auf die momentan herrschenden Konflikte weltweit unwahrscheinlich. Alleine die NS-Raubkunst wird noch viele Jahre ein Thema sein, schätzt Hartmann: „Wir haben einige Großstädte in Deutschland mit entsprechenden Museen, die bislang noch nicht mit Provenienzforschung begonnen haben.“ In 20 Jahren, so wünscht er sich, sollte diese Arbeit abgeschlossen sein.
[Dieser Artikel erschien zum ersten Mal in der Print-Ausgabe von FORUM - Das Wochenmagazin]
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„Ins Herz des Chaos?“ Der neue Bürgermeister von Berlin-Mitte im Interview
Stephan von Dassel hat einen neuen Job: Als Bürgermeister von Berlin-Mitte leitet er seit Oktober ein Bündnis aus Grünen, SPD und Die Linke. Im Auftrag von FORUM traf ich mich mit dem Grünen-Politiker kurz nach seiner Amtsübernahme und sprach mit ihm über seine Vision der nächsten 5 Jahre.
Wie wird sich Berlin-Mitte unter dieser Grün-Rot-Roten Regierung in den nächsten 5 Jahren verändern?
Was uns immer traurig stimmt, ist, dass wir auf die Entwicklung in unserem Bezirk nur begrenzten Einfluss haben. Die Wohnungsmarkt-Situation lässt sich nur begrenzt beeinflussen. Ich sage: Das Job-Center ist die wichtigste Behörde in unserem Bezirk – wichtiger als der Bürgermeister. Wenn das 5.000 Leute mehr in Arbeit bekommt, ändert das mehr, als wenn ich schöne Ansprachen halte.
Gleichwohl glaube ich, dass wir es schaffen können, eine Verwaltung zu schaffen, von der alle Bürger und Bürgerinnen in Mitte sagen: „Hier klappt jetzt aber alles!“ Eine Voraussetzung dafür ist, erstens genug Personal zu haben, das zweitens motiviert ist, und drittens, dass wir, was die Zusammenarbeit der Ämter angeht, als Bezirksamtskollegium mit gutem Beispiel voran gehen.
Werden Sie einen Vorteil dadurch haben, dass in Mitte sozusagen eine Landesregierung-in-Klein regiert?
Ja, das kann von Vorteil sein. Wir haben in den letzten Jahren gemerkt: Als Bezirke hatten wir in ganz vielen Fragen parteiübergreifende Positionen – und das Land hat sich nicht darum gekümmert. Aber natürlich – wenn man diesen Senator oder jenen Staatssekretär persönlich kennt und auf dem Handy anrufen kann - das ist was anderes, als wenn man offizielle Schreiben schicken muss. Auch hoffe ich sehr, dass auf Landes- wie auf Bezirksebene die Bereitschaft entsteht, die Verhältnisse zueinander neu zu ordnen.
Können Sie uns einen Vorgeschmack auf die ersten 100 Tage geben?
Ein großer Brocken ist: Wie gehen wir weiter mit dem Personal um? Der Personal-Abbau ist jetzt erstmal vorbei – aber jetzt müssen wir kucken, wie wir eine vernünftige Personalsteuerung hinkriegen. Wie kriegen wir motivierte Mitarbeiter? Wie können wir Personal entwickeln? Nicht jeder kann Amtsleiter werden – und wir brauchen nicht nur Häuptlinge, wir brauchen auch Indianer. Wir wollen, dass sich auch Menschen auf ganz normaler Sachbearbeiter-Ebene nicht sagen „Ich mach seit 30 Jahren immer genau das gleiche - ich werde hier noch blöde!“ Was dann zu mangelnder Motivation und Unfreundlichkeit führt...
...gutes Stichwort! Hat er der öffentliche Dienst in Berlin nicht ein Image-Problem?
Absolut. Wenn ich einen Job auf dem Bürgeramt angeboten kriegen würde – glaube ich nicht dass dann Leute auf einer Party sagen: „Wow! Da werd ich aber neidisch!“ Sondern eher: „Okay, ab ins Herz des Chaos?“
Wir müssen da wirklich an unserem Image arbeiten. Damit das gelingen kann brauchen wir viele, viele Einzelfälle - wo Leute sagen „Das hat aber gut geklappt. Das war ja mal unkompliziert. Die sind ja gar nicht so schlimm – und dafür zahl ich gerne steuern.“ Das werde ich auch versuchen, auf der Personalversammlung zu sagen: Über das Image der Verwaltung entscheidet jeder einzelne Mitarbeiter selbst.
Sie hatten in der Vergangenheit so Ihre Robin Hood-Momente: Ihre Rolle beim Zweckentfremdungsverbot, beim Pflegebetrugs-Skandal und unlängst im Wahlkampf, wo Sie sich für das Männerhaus Moabit stark gemacht haben. Macht das neue Amt Sie nun diplomatischer oder können wir noch mit mancher Kontroverse rechnen?
Was heißt diplomatisch? Man ist gewählt, um Probleme zu lösen und um die Seite des Staates und der öffentlichen Verwaltung hier darzustellen. Was Airbnb angeht: Wir haben ein Gesetz, das nicht eingehalten wird, und deswegen muss man das thematisieren. Bei der Frage Wohnungslose – da kann es keine Kompromisse geben. Ich will ja jetzt nicht martialisch klingen – aber wir müssen da alle Geschütze auffahren, sonst haben wir keine Chance gegen die Immobilienbesitzer und Immobilienfonds in Luxembourg oder so – denen völlig wurscht ist, wer in ihren Häusern wohnt.
Gibt es noch so ein Thema, das Ihnen unter den Fingernägeln brennt?
Zum Thema Öffentlicher Raum werden wir auch Kontroversen haben. Wenn mir ältere Frauen sagen, sie gehen nicht mehr zum Leopoldplatz und trauen sich nicht mehr die U-Bahn runter, wegen Wohnungslosen, Drogensüchtigen und Hunden – kann ich ihr nicht sagen „Ja, dat gehört eben zu Berlin“ - will ich nicht sagen! Ich will sagen: Die Verhältnisse müssen so sein, dass sie völlig angstfrei da die Treppe hoch und runter laufen können. Das gleiche gilt hier für den Kleinen Tiergarten - das ist nicht das Mitte, das wir haben wollen! Wir werden da schon kontrovers diskutieren müssen, denn da gibt es keine einfachen Lösungen! Schnipp, alle Drogensüchtigen sind weg? Oder schnipp, wir stören uns nicht mehr an gewissen Dingen? Was halten wir aus – im Sinne einer freien Gesellschaft – und wo ist die Grenze?
Sie werden neben dem Bürgermeisteramt auch für das Ressort Ordnung zuständig sein. Das Thema Späti-Öffnungszeiten ist im Wahlkampf etwas untergegangen - wo stehen Sie in der Debatte?
Ich habe da noch keine abschließende Meinung. Es heißt ja immer „Niemand gehe an meinen Späti ran!“ Das gehört auch zu einer Großstadt – dass man nachts um 1 auch noch einen Liter Milch kaufen kann. Aber andererseits verkaufen Spätis zu 90% Alkohol. Da muss man natürlich schauen, welche Entwicklung das hervorruft. In Baden-Württemberg gab es die Regelung - die jetzt wieder aufgehoben wird, aber aus meiner Sicht interessant ist - dass man nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr kaufen konnte. Egal wo - um Alkoholmissbrauch im öffentlichen Raum zu vermeiden. Und man muss auch schauen, dass man irgendwann nicht nur Spätis hat – und der Einzelhandel keine Chance mehr hat gegen deren Geschäftsmodell. Es ist schwierig.
Mitte ist nach Kreuzberg-Friedrichshain der zweite Bezirk, der Grün regiert wird. Wie, denken Sie, unterscheidet sich Ihr Polit-Stil von dem von Monika Herrmann?
(lacht) Oh – die Fangfrage schlechthin!
Natürlich!
Ja ja ja... da maße ich mir nichts an! Jeder sich selbst. Ich bin kein Twitterer und ich bin auch nicht bei Facebook. Mehr kann ich nicht sagen. Wir haben auch eine andere Situation, weil wir hier längst nicht so stark sind wie die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg; deswegen müssen wir an sich schon stärker um Mehrheiten werben. Das hat auch Vorteile – weil man nicht Gefahr läuft zu denken „Ich hab ja schon die Mehrheit“. In sowas wie einen CSU-Nimbus kommt man dann nicht rein.
Stichwort Herrmann - Ihre Partei hat im Wahlkampf die Freigabe von Cannabis im Rahmen eines Pilotprojektes versprochen. Wie sieht es in Mitte aus?
Ich würde es mir erhoffen – nicht, weil ich Drogen so toll finde, sondern weil ich finde, dass unsere Drogenpolitik komplett gescheitert ist. Von den weichen bis zu den harten Drogen. Es müssten am Kleinen Tiergarten nicht mehr Drogen verkauft werden, sondern man geht in einen geschützten Konsumraum, man ist 18 und kann sich da Drogen kaufen. Wir würden viele, viele Probleme weniger haben. Schauen Sie, was der Kampf gegen Drogen für Folgen hat – halbe Bürgerkriege! Wir machen mit diesen Drogen, die ja eigentlich Billigprodukte sind, Leute reich, die ganze Wirtschaftszweige unterwandern. Deswegen sage ich: Nicht nur Cannabis freigeben. Den Schaden, den unsere jetzige Drogenpolitik verursacht, kann durch keine andere Regelung noch größer werden!
Bei Ihren Wahlergebnissen in Mitte fällt auf, dass Sie besonders in den teueren, besser verdienenden Wahlkreisen gepunktet haben. Denken Sie, dass die Grünen auf dem Weg sind, eine zweite FDP zu werden - eine ökologische Partei der Besserverdienenden?
Richtig ist, dass unserer Wählerinnen und Wähler eine überdurchschnittliche Bildung haben. Da muss man sich nicht für schämen. Auf der anderen Seite führt das aber zu einer Verengung der Sichtweise: Dass im Bereich der Sozialpolitik den Grünen so wenig zugetraut wird finde ich traurig. Mich treibt die Soziale Frage genau so um wie der Klimawandel oder die Energiewende.
Wir müssen Politik machen, die den Kontakt zum Durchschnittsmenschen nicht verliert. Deswegen ist für mich Ordnung im Öffentlichen Raum auch so ein wichtiges Thema. Jemand, der ein Dachgeschoss hat und dreimal im Jahr in Urlaub fliegt, für den ist die Situation im Tiergarten weniger wichtig als für jemanden, dessen einzige Grünfläche das ist!
Man muss also der Gefahr widerstehen, so abgehoben auf die Welt runter zu blicken. Wir müssen auch Politik machen für Menschen, die mit den Grünen nichts am Hut haben.
Wenn Sie auf den Wahlkampf zurückblicken – was denken Sie mit welchen Themen Sie angekommen sind?
Wir haben ja verloren! In Berlin 15 komma Pi-Pa-Po Prozent zu holen ist eine Klatsche! In Baden-Württemberg haben wir 30% und in Berlin 15%? Komische Welt. Ich glaube, manche Themen sind nicht richtig herausgestellt worden. Man hätte viel mehr sagen können „Wir sind die Fahrrad-Partei“ - das glaubt einem jeder und das ist Politik, wo auch in 5 Jahren was geht.
Dass wir die Große Koalition abwählen wollen haben wir zu stark betont - und zu wenig gezeigt, was unser Bild von der Stadt ist. Auch das Thema Flüchtlinge: Nur 'Willkommen' zu sagen und ein offenes Land sein zu wollen – finde ich, reicht nicht. Aber hinterher ist man immer klüger.
Sie haben die letzten Frage vorweg genommen: Was erwartet uns in Sachen Fahrrad-Reform?
Mit wenig Aufwand kann man da einige Fortschritte machen. Radspuren, Ampelschaltungen – das geht alles. Aber der Mentalitätswechsel wird schwierig: Statt alles zu machen - Autoverkehr, ÖPNV und Radfahren – an manchen Stellen das Fahrrad zur Nummer Eins zu machen. Dann erst haben Sie einen echten Qualitätssprung - auch wenn das für Autofahrer schrecklich und für Radfahrer das Paradies ist. Dann kriegen Sie das hin, was in anderen Städten passiert ist. Etwa Madrid - die haben die Zeichen der Zeit erkannt. Ich glaube, Berlin hinkt weiter zurück, als wir das so mitkriegen - weil wir Berlin ja immer für viel progressiver halten, als es wirklich ist.
Das ist doch ein schönes Schlusswort. Herr von Dassel, vielen Dank für das Gespräch!
Down by the railway siding In our secret world, we were colliding In all the places we were hiding love What was it we were thinking of?
Peter Gabriel, Secret World: US, 1992
White house staff watching Obama welcome Donald Trump as president.
Yesterday was my birthday - now I finally feel old enough for this stuff #rpg #penandpaper #cthulhu #hplovecraft #thecallofcthulhu #whyvotethelesserevil #gamemaster #d100 #rlyeh #arkham #thedunwichhorror #innsmouth #deepones #thekinginyellow #reanimator #necronomicon #thecolouroutofspace #yogsothoth #shubniggurath #nyalarthotep #azathoth #aktlukrtluuuuiiooiiooooolaaaaaahahaaahahahaaahahahaaa http://ift.tt/2eNto8C
Peter Gabriel: The Veil (”Der Schleier”)
Einer spontanen Laune folgen spazierten meine bessere Hälfte & ich gestern Abend zum Potsdamer Platz, um uns Oliver Stones neuen Film “Snowden” anzusehen. Vernunft hatte gesiegt - zunächst stand uns der Sinn nach Trash, und wir wollten unser sauer verdientes Geld in “Suicide Squad” investieren, ein Akt puren cineastischen Mitleids.
12 Stunden später: Die integrierten Webcams all unserer Geräte sind mit Panzerband überklebt.
Ich kannte natürlich Laura Poitras “Citizenfour” und hatte seinerzeit alle Artikel von Glenn Greenwald verschlungen. Insofern hatte ich Sorgen, dass Stones Beitrag zu der Debatte an Redundanz und chronischem “TOO SOON!” leiden würde. Weit gefehlt. Stone wird vielleicht älter und entspannter in seiner Herangehensweise an Filme - aber fuck versteht dieser Mann es eine finstere Wahrheit rein visuell zu vermitteln!
Der Abspann rollte schließlich an, aber niemand im dunklen Saal rührte sich. Eine beklemmende Montage setzte über die Credits ein, und obiges Lied fängt an. “Hihihi,” grinste ich, “Peter Gabriel?! Unverhofft kommt oft!”
The Children of the Grapes #southoffrance http://ift.tt/2cXsRkw
The Way of the Future #urbex #abandonedberlin #blackandwhite #fallingapart #ruins #industrialdecay #urbanexploration #collapse http://ift.tt/2buABvr
Klaus Lederer, Spitzenkandidat für Die Linke Berlin // Ungekürztes Interview
Freunde des Lesezirkels und jeder mit einem offenen Arzt- oder Friseurtermin können sich in dieser Woche mein aktuelles Interview mit Klaus Lederer, Spitzenkandidat Die Linke Berlin, zu Gemüte führen, im allseits beliebten FORUM - Wochenmagazin.
Da ich, als Fan der Transparenz, aber auf die Veröffentlichung möglichst ungekürzter Inhalte stehe, möchte ich im folgenden das mehr oder weniger vollständige Transkript der Unterhaltung posten.
Lederer hat sich ein paar Freunde gemacht - unter meinen Freunden, die in diesen Tagen ihre Wahlberechtigungen in den Briefkasten finden. Grüne und SPD, so argumentieren sie, würden beide potentiell mit der CDU koalieren. Die Linke hingegen kann mit allem koalieren außer der CDU... was sie interessant macht in einer Stadt, die dringend einen Sündenbock benötigt.
Wenn man den Umfragen Glauben schenken darf, trennt Sie nur noch eine Hand voll Prozentpunkte von der SPD. Glauben Sie, dass Berlin bald eine Regierung nach Thüringer Vorbild haben könnte?
Ich bin keiner, der an Umfragen glaubt. Dafür habe ich im Laufe der letzten Jahre zu viel Auf und Ab erlebt – und immerhin sind es noch einige Wochen, in denen eine Menge passieren kann. Tatsache ist aber, dass Die Linke in der Lage ist, in einem großen Maße Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen, das wir in den zehn Jahren unserer Regierungsbeteiligung einst verloren haben. Das zeigt, dass wir die richtigen Themen auf die Tagesordnung setzen und dass man uns das abnimmt.
The beauty of being #dumb. http://ift.tt/2b2gjvO
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