Tag 497 / Und dann bin ich doch nicht mehr rausgegangen
Auf Mittwoch hatte ich einen Rückfalltraum. Da bin ich meiner Ex-Chefin hinterhergerannt und die wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Ob ich dabei oder danach getrunken habe, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls waren es Kurze. Und dann seh ich mich in dem Traum wie ich den roten AA-Chip, die Trockenheitsmünze für einen Monat in der Hand habe. Die gebe ich der einen, die in diesem Chip-Meeting momentan “Chair” ist. Ich gebe meine Münzen zurück und es hat mir kaum was ausgemacht. Fast zu locker habe ich das im Traum genommen. Und das wiederum hat mich ja morgens dann voll geschockt. Wie kann ich das nur so lässig, flapsig, leicht hinnehmen, dass ich wieder von vorne anfange? Dass ich all meine schönen bunten Münzen von vorne sammeln muss? Ist da in meinem Gehirn schon irgendein Schalter umgelegt, sodass mir mein Unterbewusstsein signalisieren will: “Ein Rückfall ist gar nicht so schlimm, Agatha. Kannst du ruhig mal machen.”
Seit Tag 481 ist mein Suchtdruck, sind meine Konsumgedanken, meine Trinkwünsche, meine Gedankenspiele als permanente Bassline, mal lauter, mal leiser, an jedem Tag präsent. Angewidert, angeekelt, genervt, neidisch, empört, … mit dieser nicht bis auf Null ausfadenden Suchtmittelsehnsucht verbunden ist auch, dass ich überall, wo mir Alkohol begegnet, wieder innerlich sehr stark reagiere. Und es begegnet mir so viel Bier. So viel Alkohol. So, so, so viel und sooooooo oft. Und es ist verdammt anstrengend. Das geht inzwischen über zwei Wochen. Ich weiß noch, es gab diese Tage, diese Abende, an denen ich mir sagen konnte: Ich bin befreit. Ich muss das nicht mehr tun. Ich muss da nicht sitzen und trinken. Oder es war mir so wunderbar egal. Es spielte an manchen, wenigen, aber realen Tagen und Abenden für mich keine Rolle, was die da trinken, was in ihren Gläsern und Flaschen und Mündern und Mägen, was in ihrem Hirn drin ist. Jetzt ist wieder eine anstrengende Phase, eine harte Zeit. Ich muss aufpassen, denke ich. Als ich in der Badewanne abtauchte, spürte ich, da länger liegen zu müssen und ließ das Meeting also sausen. Und während ich auf dem Sofa saß und es draußen langsam lauter wurde, beschloss ich, nicht mehr raus zu gehen, keine Milch, keine Eier, keinen Käse zu kaufen. Zu viele Konsumenten unterwegs. Zu anstrengend. Safety first.







