In den Neunzigern (nicht nur)
Schöne Worte für Last-Minute-Worker
“Ich liebe Abgabetermine. Sie machen so schön Wusch, wenn sie vorbeiziehen.” soll Douglas Adams einmal gesagt haben. Tatsächlich braucht man bei aller Digitalität irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem das Werk in der Produktionsstätte angekommen ist. Autoren und Redakteure können sich das manchmal nicht vorstellen - so kommt es jedenfalls den Kollegen vor, die darauf warten, dass der Artikel, das Buch oder das sonstige Meisterwerk bei ihnen zur weiteren Bearbeitung endlich eintrifft.
Schließlich müssen auch digitale Dinge irgendwann mal zu Papier gebracht werden. Oder sonstwie physisch umgesetzt. Und das verlangt nach Terminplänen, die zu platzen drohen, wenn es zwischendrin zu Verspätungen kommt. Die Presswerke und Druckereien warten nicht nur darauf, dass der Schöpfer endlich “zu Potte kommt”, sondern haben noch andere Aufträge, die sie erledigen müssen, meist in einem eng getakteten Zeitplan.
In Verlagen oder Agenturen sind die Pappenheimer, die solchen Unbill verursachen, meist gut bekannt, trotzdem ist Rauswerfen oder Wechseln zu einem anderen (bei freien Mitarbeitern) meist keine Option. Statt dessen versucht man, mehr oder weniger gut auszugleichen, was zu spät kommt. Das führt zu Überstunden. Sowie entsprechender Wortwahl zur Beschreibung des unerfreulichen Vorgangs.
Wenn etwa die Master-CD für die Scheibe auf dem Cover oder zum Transport der Druckdaten (weil das in den 90ern bei der Datenmenge ewig gedauert hätte und zu teuer gewesen wäre) auf sich warten ließ, hieß das in einigen Agenturen “...in den Rucksack des Fahrradkuriers kompiliert”. Bei Zeitschriften wurde der mit heißer Nadel produzierte Artikel “...in die anlaufenden Druckmaschinen diktiert.” Das ist sogar zeitlos.
(Thomas Jungbluth)

















