Romantik im Gloss ertränken
Die meisten dieser wunderbaren Texte habe ich während einer Barschicht geschrieben. Dadurch wurde das Thema dann häufig Barlastig: Offensichtlich habe ich mich vom Aufenthaltsort beeindrucken lassen.
Aus Gründen der experimentellen Empirie sollte ich versuchen, ein paar Kolumnen in der Badewanne zu schreiben. Vielleicht produziere ich dann Kolumnen, die ein aquatisches Publikum ansprächen. Schade nur, das Papier und Wasser sich so schlecht vertragen.
Bleiben wir lieber bei der Barthematik. Früher habe ich am Sonntag nicht gearbeitet, dafür jeden Freitag und Samstag. Gearbeitet und Gesoffen muss ich sagen. Am Sonntag bin ich dann ziemlich fertig aufgestanden und habe mir im Bahnhof von meinem Trinkgeld Lipgloss gekauft (oder etwas ähnlich Sinnvolles) und bin noch eine Weile verwirrt in der Gegend rumgelungert. Üblicherweise mit den Augenringen zwischen den Knien eingeklemmt und unterwürfiger Schulterhaltung.
Dann bin ich in die Bar (in der ich ja ohnehin schon arbeite) um weiter zu trinken und Kreuzworträtsel zu lösen. Was jetzt nicht besonders gesund klingt war es auch nicht. Aber es hatte durchaus eine Romantik und damit einen Reiz. Ich trug zu der Zeit auch ein flatterndes Herzen in der Brust – mein normaler Puls war mir aufgrund einer unglücklichen Liebschaft abhanden gekommen. Jetzt geht es mir und meinem Tagesrhythmus bedeutend besser, ich habe viel weniger Lippenprodukte und manchmal muss ich am Sonntag arbeiten. Das Herz hat sich entspannt und mein Ego sich erholt. Um mir meine Romantik zu holen, veröffentliche ich heutzutage Kolumnen auf Tumblr (schreie also gewissermassen ins kalte Universum). Das hat eine Tragik, das hat einen Reiz. Auf diese Art spare ich mir einen Mann, damit das kompulsive Kaufen von Lippenprodukten und damit habe ich mehr Geld für Ohrringe.
Das Wichtigste im Leben ist es, eine nachhaltige Form von Romantik für sich zu finden.
Gruss & Kuss













