Irgendein Algorithmus hat eine ganze Reihe meiner Bilder als “BEDENKLICH” markiert und ich habe keine Ahnung wieso. Das ist völlig belangloses Zeug und verletzt nicht im entferntesten irgendwelche Guidelines. Aber in meiner Personalakte bei tumblr steht jetzt in der Spalte “Bedenkliche Inhalte” ein “JA”. Selbst wenn ich erfolgreich widerspreche wird der Eintrag wahrscheinlich nicht gelöscht, es kommt dann nur ein Feld dazu, in dem der Widerspruch festgehalten wird. Noch eine Information über mich.
Spätestens seit der Wahl in USA weiß ich, dass solche Daten nicht nur gesammelt werden. Sie werden analysiert, verknüpft, aufbereitet und an interessierte Firmen weiterverkauft.
Und jetzt stelle ich mir vor, dass ich wieder Ende zwanzig bin und es endlich bis zum Vorstellungsgespräch geschafft habe. Alles läuft prima, der erste Job ist mir so gut wie sicher.
“Was machen Sie eigentlich so privat? Irgendwelche Hobbies?”
“Ich fotografiere leidenschaftlich gerne.”
“Posten Sie Ihre Fotos auch auf Facebook oder Instagram?”
“Ich habe einen Account bei Tumblr.”
“Tumblr. Da habe ich auch schon was von gehört. Die hatten doch Ende 2018 diese Säuberungsaktion.”
Ich erzähle dann, was das für ein Schwachsinn war, dass völlig harmlose Fotos markiert wurden und bei mir auch alles wieder zurückgenommen wurde.
Aber das interessiert schon gar nicht mehr.
In meinem von einer Analyse-Firma erstellten Profil steht, dass ich bedenkliche Inhalte im Internet in einem öffentlich zugänglichen Bereich zur Verfügung gestellt und verbreitet habe.
Außerdem widerspreche ich bei einmal getroffenen Entscheidungen hartnäckig.
Das Gespräch plätschert noch ein paar Minuten dahin und endet dann mit den Worten: “Wir melden uns dann bei Ihnen.”
Unrealistisch? Vielleicht!
Unmöglich? Sicherlich nicht!