Auch ich hatte, mein Leben lang, das Glück, wegen Paludes mit Unbekannten Beziehungen zu knüpfen, manchmal kurze, oft zukunftslose, aber solche von funkelnder Schamlosigkeit. Alles über sich zu sagen – das Wesentliche zumindest dazu bedarf es nur weniger Worte –, auch alles vom anderen anzuhören. Vielleicht weil man einen Unbekannten mit dem kleinen Band von Gide in der Hand gesehen hat. Oder weil man in irgendein banales Gespräch, in dem es nur um unbedeutende Ereignisse ging, selbst wenn sie von planetarischer Dimension waren – denn was ist unbedeutender als die planetarische Bedeutungslosigkeit! –, den Anfang eines Satzes aus Paludes hat einfließen lassen. Und jemand, dem man bis zu jenem Augenblick diese geistige Eigenschaft nicht zugetraut hatte, beendete den angefangenen Satz. [...].
Ich habe bis jetzt immer der Unbekannte geschrieben, aber nicht weil das Maskulinum semiologisch gesehen beide Geschlechter umfassen kann, ohne daß es zu Mißverständnissen kommt. […].
Ich habe dieses Wort ganz einfach und auch mit Trauer deshalb im Maskulinum geschrieben, weil noch niemals eine Unbekannte vor mir und für mich auf den Reiz eines Satzes aus Paludes reagiert hat. Ich bedauere es sehr. Nicht nur weil die weibliche Gleichgültigkeit gegenüber Gides Erzählung, ihre offenkundige Unkenntnis des Buches mich betrübt. Sondern vor allem, weil ich mir sehnlich gewünscht hätte, eine schöne Unbekannte, […], verträumt, ihre Umgebung mißachtend, in die egoistische Verzückung des eigenen Zaubers versunken, wäre einmal, nur ein einziges Mal in meinem Leben unvorhergesehenerweise dem bizarren, irrwitzigen Gedanken an ein Abenteuer erlegen, wenn sie mich einige Worte aus Paludes hätte flüstern hören. Nicht mehr – nicht weniger.