Ich hatte gestern eine "Ha!"- Begegnung.. mit dem Tod.
Wenn auch (Gott sei Dank) nicht mit meinem.
Folgendes hat sich zugetragen:
"Es war zunächst ein Abend wie jeder andere.
Die Kinder hatten sich semi- freiwillig in ihre Betten verzogen und der sonst- Held stand unter Dusche, sodass es sich zutrug das ich allein und ungeschützt die Küche betrat.
Es war bereits dunkel draußen.
Ich knipste das Licht an.
Im Innern begann es sich unmittelbar in den Fensterscheiben zu spiegeln.
Aber nur dort, wo die Jalousie aufgrund der Wärme heruntergelassen ward,gab es durch ihren Kontrast die Sicht auf eine Vielzahl tanzender Insekten frei, welche sicherlich ihre Gefangenschaft zwischen Fenster und Rollo nicht verstanden und wie paralysiert "die Sonne" suchten.. und doch nicht fanden.
Zu spät bemerkte ich das kleinere Fenster daneben, welches noch auf Kipp stand und ohne den Schutz einer Jalousie ,den Blick auf die Schwärze der Nacht freigab.
Meine Gedanken überschlugen sich.
Die Entfernung zum Fenster war nicht groß, aber würde die Zeit reichen?
Die Festung war ungeschützt!
Die Armee der Finsternis lauerte da draußen und verwandelte den einstigen Tanz an den Scheiben zur Angriffs- Formation.
Wie hatte ich das nur verkennen können?!
Schweiß bildete sich auf meiner Haut. Ich eilte zum Fenster,doch auf halber Strecke blieb ich stehen.
Der Feind hatte bereits den Einlass gefunden.. und seinen stärksten Krieger gesandt.
Die gefürchtete Samurai- Motte.
Seine Flügelspannweite muss 3x3 Meter betragen haben.
Ich erkenne Samurais sofort- habe als Kind sämtliche Kung-Fu Filme gesehen.
Inklusive "die 36 Kammern der Shaolin"
Der Angriff erfolgte präzise bei gleichzeitiger Anmut, welche ich sicherlich in einer anderen Situation bewundert hätte- jetzt aber, ging es um das nackte Überleben.
Einzig ein Küchenhandtuch, das jemand achtlos auf dem Tisch abgelegt hatte,diente mir als Schwert, Schutzschild oder -schlechtenfalls- als weiße Fahne der Geschlagenheit.
Aber ich wollte nicht kampflos aufgeben.
Mit der Anmut einer leicht übergewichtigen Katze, nutzte ich die kurze Pause des Samurai am Fliesen-spiegel,pirschte mich heran... und flitschte mit dem Handtuch Richtung Todes- Motte.
Ich hatte das bisher nur in College- Filmen gesehen .
Und dort waren die Handtücher stets feucht,akkurat gezwirbelt und mit einem lauten Knall auf einem Footballspieler-Hintern platziert worden, also einer viel größeren Aufschlagsfläche als die, die mir zur Verfügung stand.
Mein mangelndes Körpergefühl machte mir Sorgen. Schließlich bin ich der Typus Mensch, der sich auf die Stirn haut wenns am Arm juckt.
Auch hatte ich nicht die Zeit und die Fähigkeit vorher zu zwirbeln.
Aber mir blieb weder die Zeit noch die Raffinesse , einen besseren Plan zu entwickeln.
Schließlich stand das Wohl der ganzen Familie auf dem Spiel.
Der "Samurai" segelte direkt und ironischerweise auf eine ebenfalls achtlos abgelegte Handschaufel, auf die er anschließend reglos liegenblieb.
Mit nur einem einzigen- behauptet gekonnten Schlag , mit nur dem Zipfel des Handtuchs- habe ich sie erwischt!
Ich rief laut "Ha!" und tanzte- die Gebärde für "Sieg" - um Motten-Samurais gehörloser Armee da draußen zu vermitteln, besser nicht reinzukommen, denn hier wartete der sichere Flitscher-Tot auf sie.
Zur Verdeutlichung meiner Aussage machte ich aber dann doch noch schnell auch das Fenster endlich zu.
Und überhaupt kein Publikum.
Von den Insekten draußen mal abgesehen.
Mit stolz geschwängerter Brust ging ich ins Schlafzimmer.
Der Elite- Soldat war erschöpft vom Kampfe und verlangte nach der Kühle seines Lagers.
Ich richtete den Säulen-Ventilator aus und segelte höhenflug- bedingt beschwingt aufs Bett.
Nach 3 Minuten merkte ich, das ich den Ventilator falsch herum gestellt hatte und er von mir weg pustete..
Gott sei Dank auch ohne Publikum.
Das bin nämlich leider auch ich. "