Volume 20 omake - Emma sees the younger House 3 kids again

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Volume 20 omake - Emma sees the younger House 3 kids again
Buch: Der Fächer des Lebens
Herausgegeben und übersetzt Monika Huchel
Illustrationen Irmild und Hilmar Proft
Damdin, der Musikant
Damdin war der Sohn eines armen Araten. Als er herangewachsen war, sagte sein Vater zu ihm: „Nichts Rechtes verstehst du zu machen. Verlaß die väterliche Jurte und lerne unter fremden Menschen, wie man leben muß.“
Damdin ging fort, drei Jahre waren verflossen, im vierten kehrte er heim. Der Vater fragte ihn: „Was hast du gelernt? Erzähle!“
„Ich habe die zweisaitige Geige spielen gelernt“, antwortete Damdin. Da erzürnte der Vater sich sehr und sprach: „Anderer Väter Söhne verstehen, das Vieh zu weiden, die Pferde zuzureiten, doch du kannst nur die zweisaitige Geige spielen. Welchen Nutzen brächte mir deine Kunst?“
Damdin erwiderte: „Wer meinem Spiel lauscht, dem fällt das Leben leichter, dessen Herz schlägt fröhlicher!“
„Für meine Wirtschaft aber hat dein Spiel keinen Nutzen“, sagte der Vater.
„Also geh und lerne etwas Nützliches.“
Wieder verließ Damdin die elterliche Jurte. Er ging und ging und kam ans Meer. AM Ufer setzte Damdin sich auf einen Stein und spielte auf seiner zweisaitigen Geige. Wie lange er spielte – ich weiß es nicht. Doch plötzlich sah er ein junges Mädchen in einem weißen Kleid aus dem Meer herauskommen. Es ging auf Damdin zu und sagte: „Mein Vater schickt mich zu dir. Dein Spiel hat ihm gefallen. Komm mit mir.“ Damdin sah das Mädchen an, da konnte er seine Augen nicht mehr von ihm wenden. Eine solche Schönheit war ihm auf Erden noch nie begegnet. Die Tochter des Wasser-Khans aber nahm ihn bei der Hand und sagte: „Komm schnell, mein Vater erwartet uns, er wird böse, wenn wir nicht bald gehen.“
Da ergriff Damdin des Mädchens Hand und sprach: „Laß uns gehen. Ich glaube dir, daß du mir nichts Böses tust.“ Das Mädchen hieß ihn die Augen schließen und zog ihn mit sich fort ins Meer. Nur kurze Zeit war vergangen, da sagte das Mädchen: „Mach die Augen auf!“
Damdin tat, wie sie ihm gesagt hatte. Vor ihm lag ein in vielen Farben schillernder gläserner Palast. Inmitten des Palastes saß der Kahn des Meeres auf einem grünen Teppich. Das Mädchen brachte Damdin zum Wasser-Kahn. „Dein Spiel hat mir sehr gefallen“, sagte der Herrscher des Meeres. „Spiel, was du kannst!“ Damdin spielte, und alle lauschten. Er spielte einen Tag, einen zweiten, am dritten Tag wurde er müde und legte sein Instrument aus den Händen. „Hundert Jahren könnte ich dir zuhören“, rief der Kahn des Meeres. „Ewig sollst du für mich spielen. Ich schenke dir einen Palast und einen Berg Edelsteine.“
„Laß mich gehen, Kahn!“ bat Damdin. „Ich brauche keinen Palast und keine Edelsteine. Ich will auf der Erde leben, wo ich geboren bin, ich will, daß dir Menschen sich an meinem Spiel erfreuen.“
„Nein, ich lasse dich nicht fort! Nur ich allein will dein Spiel hören“, rief der Wasser-Kahn.
Damdin drückte die zweisaitige Geige an seine Brust und sagte: „Dann laufe ich eben weg!“
Der Wasser-Kahn lachte und frage: „Wer soll dir denn den Weg auf die Erde zeigen? Keiner! Vergiß die Welt. Bis zu deinem Tod wirst du hier leben, dein Spiel soll einzig mich ergötzen.“ In der Nacht war Damdin allein. Er spielte ein trauriges Lied. Sein Herz war ihm so schwer, daß er weinen mußte. Plötzlich hörte er eine Mädchenstimme: „Sei nicht traurig, ich helfe dir.“
Vor ihm stand die Tochter des Wasser-Kahns.
„Schließ deine Augen, halte dich an meiner Hand fest. Ich bringe dich auf die Erde zurück.“ Damdin schloß die Augen und ging hinter der Tochter des Wasser-Kahns her.
Eine lange Zeit verging. Damdin merkte nicht, wie er ans Meer gelangte. „Lebe glücklich auf deiner Erde“, sagte das Mädchen zu ihm und fing an zu weinen.
„Warum weinst du?“ fragte Damdin.
„Es tut mir leid, mich von dir zu trennen“, antwortete das Mädchen. „Mein Leben lang möchte ich dich spielen hören.“
„Dann bleibe bei mir hier auf der Erde“, sagte Damdin. „Wir werden zusammen in einer Jurte wohnen, und du wirst meine liebe Frau.“
Sie gingen durch die Steppe und sahen: Da standen viele Jurten. Und eine Jurte, die am Brunnen stand, war leer. Damdin ließ sich mit seiner Frau in dieser Jurte nieder und begann, sich um die Wirtschaft zu kümmern. Allerorts war Damdin bald ein gern gesehener Gast. Wem ein Unglück zustieß, der bat Damdin in seine Jurte. Damdin begann zu spielen, und schon verflog der Kummer. Wem das Herz schwer war vor Gram, zu dem kehrte von Damdins Spiel die Fröhlichkeit zurück.
Einige Zeit war vergangen, da ritt der Kahn mit seinen Ziriki in die Steppe. Er war zum Jagen hierhergekommen und hatte schon zwei Wachteln erlegt. Er rief seinen höchsten Noion zu sich und befahl ihm: „Reite zur nächsten Jurte und brate mir die Wachteln.“
Der Noion begab sich geradewegs in die Jurte am Brunnen. In der Jurte brannte der Herd. Der Noion legte die Wachteln ins Feuer, blickte sich um und sah Damdins Frau. Sie war von so unerhörter Schönheit, daß er kein Auge von ihr lassen konnte. Nicht satt sehen konnte sich der Noion an ihr und vergaß darüber die Wachteln. Und als sie ihm plötzlich wieder einfielen, war von den Wachteln nur noch ein Häufchen Asche übrig.
Vor Entsetzen schrie der Noion:
„Was mache ich bloß? Der Kahn wird mich enthaupten lassen.“
„Hab keine Angst“, entgegnete Damdins Frau. „Zufällig habe ich auch zwei Wachteln. Gleich brate ich sie, und du bringst die dem Kahn.“
Wie sie gesagt hatte, so tat sie. Sie briet die Wachteln und gab sie dem Noion. Der Kahn begann, von den Wachteln zu essen, doch sie wurden nicht alle. Er rief seine tausend Ziriki und bewirtete sie. Doch auch den tausend Ziriki gelang es nicht, die beiden Wachteln zu verspeisen.
Da erriet der Kahn, daß es keine gewöhnlichen Wachteln waren, er ließ den Noion holen und sagte: „Sprich, woher hast du die Wachteln?“
Der erschrockene Noion erzählte dem Kahn alles: wie er die schöne Frau in der Jurte am Brunnen erblickt hatte und wie diese Schönheit ihm dann später ihre eigenen Wachteln gebraten hatte.
Da befahl ihm der Khan: „Geh noch einmal in die Jurte am Brunnen und bringe mir den Mann der schönen Frau!“
Als die Frau merkte, daß der Khan den Noion geschickt hatte, ihren Mann zu holen, sagte sie zu Damdin: „Der Khan wird dir befehlen, mich ihm zur Frau zu geben. Du aber sagst ihm, du gäbest mich nur her, wenn er dich zweimal in unserer Jurte suche und auch fände. Fände er dich aber nicht, so müsse er dir tausend Pferde schenken.“
Damdin ritt zum Khan, und der Khan fragte ihn: „Was für eine Schönheit wohnt da in deiner Jurte?“
„Meine Frau“, antwortete Damdin.
„Sie soll in meiner Jurte wohnen!“
„Einverstanden“, entgegnete Damdin. „Nur suche du mich zuerst zweimal in meiner Jurte. Findest du mich, geschieht, was du willst. Findest du mich aber nicht, schenkst du mir tausend Pferde.“
Welcher Schlauheit sollte es schon bedürfen, einen Menschen in einer Jurte zu finden! Ein Blinder kann ihn dort finden. Der Khan willigte also ein und schickte Damdin in die Jurte, damit er sich versteckte.
Damdin ritt nach Hause und sagte zu seiner Frau:
„Gleich kommt der Khan mich suchen. Wo verberge ich mich?“
Die Frau bewegte ihre rechte Hand, sprach ein Zauberwort, und Damdin verwandelte sich in einen kleinen Stößel. Die Frau schüttete Körner in einen Mörser, nahm den Stößel zur Hand und setzte sich nieder, um die Körner zu zerkleinern.
Der Khan kam in die Jurte gestürmt und suchte Damdin in allen Ecken. ER suchte und suchte und fand ihn nicht.
Endlich verließ der Khan die Jurte und rief beim Hinausgehene. „Ich habe dich nicht gefunden, jetzt suche du mich. Findest du mich nicht, habe ich gewonnen.“
Die Frau sagte zu Damdin: „Dieser Khan kennt auch alle Zauberwörter und verwandelt sich, in was er will.“
Damdin ging aus der Jurte heraus und suchte den Khan ringsumher, konnte ihn aber nicht finden. Plötzlich entdeckte er etwas: Am Brunnen war ein junges Bäumchen aufgeschossen. Damdin erriet sofort, was es mit dem Baum auf sich hatte. ER trat an den Brunnenrand und sagte laut: „Was für ein schlankes, schönes Bäumchen! Ich werde einen Stiel für mein Taschur daraus machen.“
Damdin nahm ein Beil, doch der Baum fing plötzlich an zu schreien. „Fälle mich nicht, ich bin der Khan!“
Und alsbald verwandelte sich das Bäumchen in den Khan zurück. „Ich habe dich gefunden, gib mir die tausend Pferde“, sagte Damdin. Der Khan war nicht einverstanden, sondern erwiderte: „Verstecke dich ein zweites Mal, jetzt werde ich dich bestimmt finden.“ Damdin ging in die Jurte, seine Frau verzauberte ihn in eine kleine Fliege. Die Fliege setzte sich dem Kahn auf die Mütze und verhielt sich still. Die ganze Jurte durchwühlte der Khan, er konnte Damdin nicht finden. Wieder verließ er die Jurte und schrie zornig: „Ich habe dich nicht gefunden. Nun suche du mich. Findest du mich nicht, habe ich gewonnen.“
Da sagte die Frau zu Damdin: „Bei Sonnenuntergang kommen hundert weiße Schafe zum See und eine schwarze Ziege. Die schwarze Ziege ist der Khan.“
Damdin ging zum See, setzte sich nieder und wartete. ER hörte die Schafe blöken, sie kamen zur Wasserstelle. Er blickte auf, allen voran ging die schwarze Ziege. Damdin packte die Ziege bei den Hörnern und rief: „Schon lange suche ich Ziegenfell für meine Schuhe. Gleich werde ich diese Ziege abstechen.“
DA heulte die Ziege auf: „Laß mich los, ich bin der Khan.“
Und wieder stand der Khan vor ihm.
„Ich habe dich gefunden“, sagte Damdin. „Gib mir endlich die tausend Pferde.“
Wieder war der Khan nicht einverstanden. Er sagte: „Erst laß uns noch mit unseren Pferden um die Wette reiten. Der, dessen Pferd einen Weg von drei Tagen in drei Stunden zurücklegt, hat gewonnen.“
Traurig ging Damdin nach Hause und fragte seine Frau:
„Was soll ich bloß machen? Der Khan hat Tausend von Pferden, schnell wie ein Wirbelwind. Ich habe nicht einmal ein Fohlen.“
Da sprach die Frau zu ihm:
„Bevor der Tod nicht kommt, stirbt man nicht. Ehe der Kummer nicht da ist, grämt man sich nicht. Laß uns ans Meer gehen.“
Sie gingen zusammen zum Ufer. Damdin spielte auf seiner zweisaitigen Geige. DA schaukelten auf dem Meer die Wellen, und über den Wogen erschien der Kopf des Wasser-Khans. Die Tochter sagte zu ihrem Vater: „Gib uns dein allerschnellstes Fohlen!“
„Ich gebe es euch“, antwortete der Herrscher des Meeres. „Nur muß dein Mann bis Sonnenuntergang für mich spielen.“
Den ganzen Tag lang spielte Damdin am Meeresufer. Und als der Himmel rosenfarben wurde, lief vom Grund des Meeres ein kleines achtbeiniges Fohlen herauf.
Damdin legte dem Fohlen das Zaumzeug an und führte es zur Jurte. Das Fohlen konnte kaum traben. Viele Beine hatte es zwar, aber eins verhakte sich immer wieder am anderen.
Traurig sagte Damdin zu seiner Frau:
„Das Fohlen kommt kaum vorwärts. Wie kann es sich da mit den Pferden des Khans messen?“
Und wieder entgegnete tröstend die Frau:
„Bevor der Tod nicht kommt, stirbt man nicht. Ehe der Kummer nicht da ist, grämt man sich nicht. Reite morgen früh auf dem Fohlen zu See, warte dort auf den Khan.“
Damdin ritt am Morgen zum See und erwartete den Khan. Der Khan kam auf einem feurigen Rappen, der mit den Beinen trommelte. Vor seinem Wiehern legte sich das Gras der Steppe flach hin. Der Khan sah das kleine achtbeinige Pferd und fing an zu lachen. Mit ihm lachten die neunhundertneunundneunzig Ziriki und reifen:
„Besser, auf einer Kuh zu reiten, als auf solch einer Spinne!“
Der Khan hörte auf zu lachen und sprach:
„Reite voraus und siehe dich vor, wenn ich dir nachjage!“
„Galoppiere selber voraus“, erwiderte Damdin, „und ich setze dir nach.“ Der Khan zog seinem Rappen eins mit der Nagaika über und ritt los. Damdin wartete, bis der Khan seiner Sicht entschwunden war und riß am Zügel. Schneller als ein Blitz hob sich das achtbeinige Pferd in die Luft und wurde fortgeweht wie ein Sandkorn im Orkan. Damdin ritt bis ans Ende der Steppe und dann wieder zurück zum See. Doch der Khan war nirgends zu sehen. Erst am Mittag kam er wieder zum See.
„Gibst du mir jetzt die tausend Pferde?“ fragte Damdin.
„Erst wenn du es schaffst, das Wasser in diesem See zum Kochen zu bringen, gebe ich sie dir“, antwortete der Khan. „Kannst du es aber nicht, siehst du deine Frau nie wieder.“
Damdin ging in seine Jurte und erzählte alles seiner Frau.
„Gehen wir ans Meer“, sagte sie zu ihm.
Wieder standen sie am Meeresufer. Damdin spielte auf seinem Instrument, da begann das Wasser am Ufer zu tosen, und der Kopf des Khans der Meere tauchte auf.
Die Tochter sprach zu ihrem Vater:
„Du bist Herr über alle Wasser. Befiehl morgen dem See zu sieden. Doch mache es so, daß mein Mann sich nicht verbrüht.“
Der Wasser-Khan sagte:
„Wer so auf der zweisaitigen Geige zu spielen versteh wie du, dem kann ich nichts abschlagen. Ich gebe dir zwei Steinchen, ein weißes und ein schwarzes. Wirfst du das weiße in den See, wird der See kochen. Legst du dir das schwarze auf die Wange, kann kein kochendes Wasser dir etwas anhaben.“
Damdin kam zum See. Der Khan erwartete ihn schon. Mit ihm die neunhundertneunundneunzig Ziriki auf ihren Rappen.
„Nun, was ist? Kannst du das Wasser im See zum Kochen bringen?“
Unbemerkt warf Damdin das Steinchen in den See, und sofort brodelte das Wasser auf und kochte. Der Khan merkte, daß er wieder verloren hatte und sagte:
„Wenn du nun noch durch den siedenden See schwimmst, bekommst du die tausend Pferde.“
Damdin legte sich das schwarze Steinchen auf die Wange und sprang ins Wasser. Er schwamm ans andere Ufer und kehrte nach kurzer Zeit unversehrt wieder zurück.
Alle Ziriki staunten sehr, und Damdin sprach zum Khan:
„Zweimal habe ich den See durchquert. Jetzt kannst du ihn wenigstens einmal durchschwimmen!“
Der Khan dachte bei sich: „Er ist ein Musikant, ich aber bin Khan. Sollte ich denn nicht können, was er kann? Sind meine Ziriki etwa schwächer als dieser Bettler?“
Der Khan befahl seinen sämtlichen Ziriki, von den Pferden abzusitzen und hinter ihm in den See zu springen, Die Ziriki gehorchten. Doch noch nicht zehn Stöße hatten sie geschwommen, da verbrühten alle und sanken auf den Grund.
Damdin blieb allein am Ufer zurück. Er zählte die Pferde des Khans, es waren genau tausend. ER setzte sich auf den Rappen des Khans und jagte mit der ganzen Pferdeschar zu seiner Jurte. Seit dieser Zeit lebten seine Frau und er ohne jeden Kummer.
Und Tag für Tag erquickte er die lauschenden Nachbarn mit seinem Spiel auf der zweisaitigen Geige.
(So klingt eine zweisaitige Geige)