April 2021
Selbsthilfe mit Piraten-WLAN in der Schule
Vor ungefähr einem halben Jahr berichtete die Lehrerin, dass aus dem Digitalpakt Schule Laptops für die Schülerinnen und Schüler beschafft werden sollten. Wann auch die Lehrkräfte Zugriff auf dienstlich zur Verfügung gestellte IT haben würden, war nicht abzusehen. Die Lehrerin gibt mir ein Update dazu:
“Ich unterrichte ja zur Zeit wegen der Corona-Notbetreuung nicht in meiner Klasse, sondern nur in den Abschlussklassen. Jetzt war neulich so ein Bohrmaschinenlärm in verschiedenen Klassenräumen, und ich hab mal in meinen Klassenraum geguckt. Und da ist jetzt ein Tresor an die Wand geschraubt, darin sind fünf Laptops, die wir an Schülerinnen und Schüler ausgeben können!
Außerdem haben wir ein neues interaktives Whiteboard bekommen, aber von einer anderen Marke als das alte. Ich hab mich mit dem zuständigen Lehrer verabredet, und der hat mir das gezeigt. Das ist ganz praktisch, ich kann nun drahtlos meinen Laptop mit dem interaktiven Whiteboard verbinden, so dass das, was auf meinem Laptop ist, auch auf dem Whiteboard angezeigt wird, und auch Stifteingaben von dem Whiteboard auf den Laptop übernommen werden.”
“Wie, du hast jetzt auch einen dienstlichen Laptop?”
“Nein, das ist weiterhin mein privater Laptop, den ich in der Schule benutze. Aber es ist angesagt, dass wir vielleicht nach den Sommerferien den versprochenen dienstlichen Laptop bekommen.”
“Wenn du deinen privaten Laptop benutzt, kommst du denn mit dem in der Schule ins Internet?”
“Ja, das ist kein Problem. Das WLAN bei uns in der Schule funktioniert zwar immer noch nicht, aber ich hab vor ein paar Monaten einen kleinen mobilen WLAN-Router gekauft:
Abbildung: Der kleine gelbe WLAN-Router (unten). Und eine Zitrone (Bioqualität) zum Größenvergleich, da ich keine Banane zur Hand habe
Ich brauch nur das Netzkabel vom interaktiven Whiteboard abzustecken und in den WLAN-Router zu stecken, dann hab ich WLAN im Klassenzimmer. Das ist wichtig, weil ich mit den Schülerinnen und Schülern ja in der Schule auch den Zugriff auf unser Moodle üben muss und die Aufgaben da angucken muss. Dafür benutzen die Schüler ihre Handys, aber sie haben ja nicht genug mobiles Datenvolumen, deshalb brauchen wir das WLAN aus dem Kästchen auch für die Schülerinnen und Schüler.”
“Also, das will ich richtig verstehen. Du hast privat einen WLAN-Router gekauft, steckst den an das Schulnetz an und machst damit dein eigenes kleines WLAN im Klassenzimmer für alle Schülerinnen und Schüler, wenn du es brauchst? Und die Schülerinnen und Schüler, die haben doch gar keine eigene Benutzerkennung für den Zugriff auf das Schulnetz? Die greifen dann alle mit dem gleichen Passwort auf das Internet zu, ohne eigene Benutzerkennung? Ist das denn ... erlaubt?”
“Naja, als unser IT-Verantwortlicher das das erste Mal gesehen hat, hat er ziemlich geschluckt. Aber mittlerweile machen die meisten Lehrer bei uns das so. Dieses WLAN-Kästchen hat 20 Euro oder so gekostet, ist jetzt nicht die Welt, und wir brauchen das halt.”
(Erzählt von einer Lehrerin, befragt und – leicht redaktionell bearbeitet – aufgeschrieben von Molinarius)


















