eine Gebrauchsanweisung
für den mühsamen Weg der Träne
die Wange hinauf
zurück ins Auge
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eine Gebrauchsanweisung
für den mühsamen Weg der Träne
die Wange hinauf
zurück ins Auge
gebrauchsanweisung
dieser moment ist dem leben gewidmet denke ich und ich suche die gebrauchsanweisung und suche sie und weiß nicht wie es weitergeht ich weiß es nicht
Sparmaßnahmen oder schöne neue Warenwelt
Laut Statistik hat einer von sie’m schon mal mit seinem Toaster geschrien, Oder was immer man sich grad angeschafft, Nur weil man die Gebrauchsanweisung nicht gerafft! In meiner Jugend unter Kanzler Schmidt, als man das Geld noch mit Sicheln von Halmen schnitt - da gab’s sowas nit! Da saß, wenn man per Post bestellt’, Ein Männlein mit Brille (bloß Kassengestell) mit im Karton und wartete schon. Grau war sein Kittel, ein ganz ein Leiser: Das war der persönliche Gebrauchsanweiser! Diskret blieb er in der Verpackung sitzen bis er merkte: Jetzt sind sie am Schwitzen! Dann trat er auf, war in seinem Element - machte den Damen ein Kompliment - und erklärte, womit und wofür, jedenfalls: Hier war ein Knopf, und dort eine Tür Und nach nicht 5 Minuten schon machte das Gerät den ersten Ton. Flugs nahm der Mann den großen Karton, macht einen Diener und eilte davon. Nahm nicht mal Trinkgeld nahm er, trotz Hungerlohn!
Bis ein Cleverle mit dem Vorschlag kam, dass jener bebrillte , kleine Mann zu teuer war. Und über’s Jahr ward der Gebrauchsanweiser durch eine Anweisung ersetzt. Na und so ist es jetzt: Ein paar Zeilen und winzig klein, und nur zwei Knöpfe. Wie: Das soll alles sein? Der Mensch steht vor Technik und ist ganz allein, weiß nicht wo aus, und weiß nicht wo ein. Und täglich, im schwedendesigntem Appartemang, steht einer und schreit sich heiser: „Ein Königreich für einen Mann im Karton: Ich will meinen persönlichen Gebrauchsanweiser!“
Wie? Ihr meint das sei frei erfunden? Und Hotline und Jutjup und mündige Kunden, und den hätt man gehört, so’n Schrei! Ha! Denkste! Wir haben doch alle Doppelfenster?!
2009–2017
Das Geheimnis der bekloppten Mikrowelle
Wegen beschädigter Verpackung und fehlender Gebrauchsanweisung kostet die neue Mikrowelle nur etwa die Hälfte des regulären Preises. Wer braucht schon Gebrauchsanweisungen, denke ich beim Kauf, die les ich ja eh nie! Ein Schnäppchen, ha!
Die Mikrowelle aber, sie stellt sich als wirklich nicht benutzerfreundlich heraus. Will man die Garzeit einstellen, muss man einen Knopf drücken, gedrückt halten und drehen. Und selbst dann ist das Einstellen der Garzeit noch wackelig und ungenau. Aber naja, man gewöhnt sich ja an alles, irgendwie.
Einmal ist Kathrin Passig zu Besuch und versucht, in der Mikrowelle ihr Getränk zu erhitzen. Sie ist natürlich nicht an die tägliche Knopfdemütigung gewöhnt. Deshalb rollt sie sehr mit den Augen, als ich versuche, ihr die in Jahren erarbeitete Einstelltechnik zu vermitteln – zurecht, denn es ist wirklich bekloppt, ganz besonders, wenn man nicht schon durch Jahre der Übung und Demütigung weiß, wie zu drücken sey.
Im achten Jahr des Zusammenlebens mit der Mikrowelle hebe ich mal wieder das Gerät hoch, damit darunter gewischt werden kann. Irgendwie komme ich dabei mehrfach an einen unscheinbaren Knopf, der bislang immer eine andere Funktion erfüllt hatte. Es stellt sich aber heraus: drückt man den Knopf mehrfach, erhöht sich auf sehr einfache und verlässliche, vor allem aber präzise Weise in 10-Sekunden-Intervallen die Garzeit. Ich bin hin und her gerissen: ein Teil von mir will es Kathrin sofort erzählen, der andere denkt, es ist besser, wenn sie es nie erfährt.
Ich nehme mir vor, ab jetzt nur noch Geräte mit Gebrauchsanweisung zu kaufen, und diese dann eventuell sogar zu lesen. Oder wenigstens mal alle Knöpfe einige Male zu drücken, ich meine, was kann schon schiefgehen?
(Mia Culpa)
Was nebenan passiert
Gebrauchsanweisung für Nachbarn von Wladimir Kaminer und Martin Hyun Schon Friedrich Schiller ließ seinen Wilhelm Tell sagen: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“. Nachbarn haben es echt schwer. Mal sind sie die besten Kumpels und bei jeder Feier dabei, mal sind sie der Grund, warum eben diese Feier vorzeitig beendet werden muss. Es gibt aber…
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5. bis 9. November 2023
Schreiben Sie eine Anleitung
Am Montag packe ich die im traurigen Baumarkt gekaufte Rohrreinigungsspirale aus und versuche sie zu verstehen. Es ist eine Kurbel dran mit einem großen "In diese Richtung kurbeln"-Pfeil.
Ich deute das so, dass man mit der Kurbel die Spirale aus dem Gerät heraus- und wieder hineinkurbeln kann, denn so ist das bei allen mir bisher bekannten Geräten, in denen was aufgewickelt ist und die eine Kurbel haben. Außerdem deutet der "FORWARD / AVANCE"-Aufdruck stark darauf hin. Das Kurbeln führt aber zu nichts. Ich schraube das Gehäuse auf (immerhin geht das, überraschend bei so einem billigen Gerät) und stelle fest, dass die Spirale im Inneren auf nichts aufgewickelt und nicht einmal mit dem Gehäuse verbunden ist. Sie liegt einfach lose darin herum.
Wir betrachten die Innereien und rätseln gemeinsam, ob wir nur etwas nicht verstehen oder ob man uns ein defektes Produkt verkauft hat.
Das Gehäuse trägt aufgeprägte Icons, das erste davon ist ein "Anleitung lesen"-Icon.
Es gibt aber gar keine Anleitung zum Gerät. Das bemängeln auch viele andere in der Kundenbewertungsrubrik auf der Website des Baumarkts. Sie fragen, ob diese Anleitung vielleicht irgendwo anders existiert und der Support sagt dann: "Zu diesem Produkt gibt es keine Anleitung! Hat Ihnen unsere Auskunft weitergeholfen?"
Die Theorie von Aleks: Es ist ein "Schreiben Sie eine Anleitung"-Icon.
Meine Theorie: Es ist ein "Lesen Sie vorher, oder vielleicht auch stattdessen, ein gutes Buch"-Icon.
Ich vermute, dieses Icon bei gleichzeitig fehlender Anleitung kommt daher, dass es ein türkisches Produkt ist, das aber in Großbritannien verkauft wird. Wahrscheinlich existiert unter einem anderen Markennamen eine türkischsprachige Anleitung.
Ich beginne mit der Stocherarbeit, indem ich die Spirale dann eben von Hand in den Wandanschluss unter dem Waschbecken schiebe. Ein kurzes Stück passt hinein, aber dann geht es nicht mehr weiter, auch nicht nach viel Schieben und Ziehen.
Ich denke noch einmal über die Bauform des Geräts nach und entwickle eine Theorie. Um diese Theorie auszuprobieren, muss ich aber erst die Spirale zurück ins Gehäuse stecken und das Gehäuse zuschrauben. Im Lauf der nächsten halben Stunde finde ich heraus, dass man dazu nicht die Spirale aufrollen und ins Gehäuse stecken kann, denn dann springt sie beim Zuschraubversuch wieder heraus wie eine Katze aus dem Katzentransportbehälter (ein Vergleich, den ich zuletzt in einem Text über Frauenkondome verwendet habe, und der Vorgang war auch nicht ganz unähnlich). Man muss das Gehäuse leer zuschrauben. Dann lässt sich die Spirale zwar immer noch nicht wieder hineinstopfen, aber weil ich aus Ungeduld nur zwei der vier Schrauben wieder festgeschraubt habe, kann ich jetzt mit zwei Fingern ins Gehäuse fassen und dem Ende der Spirale mitteilen, dass es sich seitwärts an die Wand zu schmiegen hat.
Dann lässt sich die Spirale wieder ins Gehäuse schieben und ich kann meine Theorie ausprobieren. Sie lautet: Die Kurbel sieht zwar so aus, als diente sie einer Auf- und Abrollung, in Wirklichkeit ist sie dafür aber überhaupt nicht da. Sie dreht nur die Spirale um ihre Längsachse. Dazu muss man, nachdem man das Ende der Spirale an die Verstopfung manövriert hat, eine kleine Schraube an der Stelle festziehen, an der die Spirale das Gehäuse verlässt. Dieses Schräubchen stellt die Verbindung zwischen Spirale und Gehäuse her, und jetzt greift die Kurbel.
Leider war meine "Kempinger Rohrreinigung Berlin"-YouTube-Erfahrung keine große Hilfe beim Gesamtvorgang, weil man dort viel größeres Profiwerkzeug verwendet, das zwar dem gleichen Prinzip folgt, aber eben doch nicht ganz. Wenn das Rohr und das Werkzeug größer sind, braucht man nur zwei Hände und keine Handkurbel. Wenn man so ein Handkurbelgerät besitzt wie wir, braucht man eigentlich drei Hände: Mit einer schiebt man die Spirale voran, mit der zweiten hält man das Kurbelgerät und mit der dritten dreht man die Kurbel. Ich behelfe mich, indem ich das Gerät wie meine Vorfahren mit den Hinterpfoten festhalte. So dauert es nur noch ein paar Sekunden, dann geht es sofort.
Gehen heißt: Das Ende der Spirale kommt in vier Meter Entfernung draußen im Garten wieder aus dem Ende des Rohrlabyinths heraus.
Es heißt nicht: Das Wasser fließt wieder auf dem vorgesehenen Weg ab statt über das Dach des Anbaus der Wohnung unter uns. Oben eingefülltes Wasser kommt jetzt etwa zur Hälfte unten wieder heraus, die andere Hälfte läuft weiterhin über das Dach in die Dachrinne.
Am Dienstag stochert und kurbelt Aleks noch mal im Rohr, danach fließt nur noch ein Drittel des Wassers aufs Dach.
Am Donnerstag versuche ich es ein drittes Mal. Man muss das Ende der Spirale da hinschieben, wo man die Verstopfung vermutet oder wo man einen Widerstand spürt, und dann kräftig kurbeln. Jetzt kommt alles Wasser unten raus.
Ein eindeutiger Verstopfungsgrund fällt weder unten aus dem Rohr, noch bleibt einer in der Spirale hängen. Für die Zukunft nehme ich mir vor, nach dem Ausklopfen noch im Teesieb hängende Reste niemals mehr im Waschbecken auszuspülen, sondern sie trocknen zu lassen und dann noch mal über dem Komposteimer auszuklopfen. Fettige Bratpfannen werde ich vor dem Abspülen gründlich vom Hund auslecken lassen oder wenigstens mit Küchenpapier auswischen. Und wenn ein Gerät ein Anleitung-Lesen-Icon trägt, dann werde ich versuchen, vor der Inbetriebnahme eine Anleitung zu finden, auch wenn keine beigelegt ist. Bevor ich irgendwas aufschraube.
(Kathrin Passig)
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