Ich werde (unter anderem) Technikversuchskaninchen
Die Geburt unseres zweiten Kindes steht an und da es ein geplanter Kaiserschnitt ist, habe ich tatsächlich Zeit und Ruhe, mir über die involvierte Krankenhaustechnik Gedanken zu machen – unter Wehen hatte das beim ersten Mal eher weniger Priorität. In diesem Fall ist es noch besonders interessant, da ich eine der ersten Patientinnen im neu eröffneten Kreisssaal des Krankenhauses sein werde. So neu, dass in den Fluren noch von Handwerkern die letzten Schrauben in die Wand gedreht werden und überall noch Werkzeug und Verpackungen herumstehen.
Auch das Computersystem des Trakts ist so neu, dass sich das Personal erst noch damit vertraut machen muss. Schon der Anruf am Abend zuvor, um den OP-Plan und damit die genaue Uhrzeit, zu der ich vor Ort sein muss, zu erfragen, stellte die diensthabende Hebamme deshalb vor eine Herausforderung. “Sie sind hier irgendwo drin, aber ich finde Sie gerade nicht!” Ähnliche Schwierigkeiten stellt jetzt meine Aufnahme in die digitale Patientenkartei dar, so dass mein Mann und ich noch im – natürlich ebenfalls brandneuen – Wartezimmer Platz nehmen dürfen.
Im Kreisssaal selbst beginnt eine lange Kette von Entschuldigungen des Klinikpersonals, die mit “wir öffnen heute ständig falsche Schubladen aber das sagt nicht über unsere sonstige Kompetenz aus, bitte sorgen Sie sich nicht!” zusammenzufassen sind. Auf dem Bildschirm, auf dem beim CTG die Herztöne des Babies erfasst werden, verirrt sich ab und zu ein fremder Mauszeiger. Auch der OP-Saal, in den ich bald verlegt werde, ist sehr Hightech und quasi noch unberührt – “Wie stellt man hier die Klimaanlage ein?” “Keine Ahnung!” Seltsame Vertrautheit in all der Klinikatmosphäre schafft ein Monitor, auf dem der Windows-10-Startbildschirm zu sehen ist. Wozu er dient, vergesse ich allerdings zu fragen.
“Sie sind heute so etwas wie unser Versuchskaninchen, ich hoffe das macht Ihnen nichts,” wird mir beim Verlassen des OP-Saales gesagt, denn wohl auch das Bett, in dem ich liege, und seine Mechanik sind ganz neu. Ich könnte erklären, dass mich das absolut nicht stört, sondern dass sie mit mir als Mitglied der Techniktagebuchredaktion kaum eine passendere Kandidatin hätten finden können, aber ich bin von dem neuen Familienmitglied in meinem Arm und der abklingenden Betäubung doch noch etwas zu eingenommen.