Original Site (Moritzplatz) · Berlin 2025
seen from United States

seen from Russia

seen from Syria
seen from United States
seen from United Kingdom
seen from United Kingdom

seen from United States

seen from United States
seen from United States

seen from Spain
seen from Germany
seen from United Kingdom

seen from Russia
seen from United States

seen from Germany

seen from United Kingdom

seen from Germany

seen from Serbia

seen from United States

seen from Germany
Original Site (Moritzplatz) · Berlin 2025
Frühblüher
Nicht weit von hier, in einer Kneipe, Sass Karl, lauschend einer schrägen Geige. Vor sich wie immer ein Humpen Bier, Den er jeweils trank, mit grosser Gier.
So sass er hier, in guter Gesellschaft, Kannte jeden in dieser Gastwirtschaft, Alle Angestellten im Service, den Wirt auch, Sogar den Geigenspieler, dem er grad lauscht.
Und jedes Mal war's das gleiche Gekrächze Und jedes Mal regte sich Karl darüber auf. Doch wenn er dem dritten Bier entgegenlechzte, Da fiel es ihm gar nicht mehr auf.
Erst nur ein ganz kleines Summen, Anschwellend zu einem leisen Brummen, Plötzlich aber, aus vollem Halse, Beginnt er zu singen, der alte Hase.
Singt mit einer Stimme engelsgleich, Ganz zart und weich, Die bekannten Chansons von früher. Lässt den Winter enden, Frühblüher.
So beschenkt uns der alte Tunichtgut Auf seine ganz eigene Weise. Und was hat er gelitten auf seiner Reise, Die Freude jetzt zu leben, in so einer Glut.
Sie so mit uns zu teilen, Lädt ein, zu verweilen.
Pousada in Lisbon ©2016 blueskipper
stammheimer straße // köln riehl
this is a pub frontage in typical cologne post-war architecture of the kind that can still be found in many parts of the city. the neon lettering of a typical cologne brewery gives the rather plain façade its charm.
es präsentiert sich in typischer kölner nachkriegsarchitektur eine kneipenfront wie man sie in vielen stadtteilen so oder ähnlich noch häufig findet. der neonschriftzug einer typischen kölsch brauerei gibt der eher schlichten fassade ihren reiz.
Otto Griebel, Colibri-Bar, 1924. Pencil and watercolor on paper, 43.4 x 35 cm
leipzig 2023
Silbersack
Mamiya M645 / Lomo 800
Kleine Häuser (14): Die Markthalle kommt nicht wieder
Karl-Liebknecht-Straße 11, Berlin-Mitte, 2020 (im Lockdown)
Zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 wurden die gastronomischen Kapazitäten in der Hauptstadt der DDR planmäßig gesteigert. Das galt inbesondere für den Bereich um den Alexanderplatz. Wie die Zeitung Neue Zeit verkündete, war die Zahl der „Terrassenplätze“ in der Gegend um den Ost-Berliner Besuchermagneten von um 1.500 Plätze auf fast 3.600 gesteigert worden. In den Rathaus-Passagen etwa waren die Weinstube „Bodega“ entstanden, die Bierbar „Pilsator“ und das Eiscafé „Pinguin“. Im Nikolaiviertel lockte das Lokal „Zu den Arkaden“ mit „Schnellimbißangebot“ und eine „Gaststätte Pizza“. Unter den neu geschaffenen Lokalen war, wie die Neue Zeit berichtete, auch die „Marktschänke, die 80 Gästen vorwiegend im Vorgarten Platz bietet“.
2020
Der kleine Bau ruft nicht nur in seinem Namen, sondern auch in seiner architektonischen Gestaltung die Assoziation eines Marktstandes mit roter Markise auf, auch wenn diese in Wahrheit aus Blech besteht. Die Gestaltung war kein Zufall. Anknüpfen und Fortführen alter Berliner Traditionen war hier die Devise. Denn an eben dieser Stelle hatte einst die – natürlich viel größere – 1883–86 erbaute „Markthalle I“ gestanden. Nach Nordwesten war ihr die bis 1893 fertiggestellte „Markthalle Ia“ gefolgt. Der Bau dieser beiden großen kommunalen Markthallen war die Antwort der Stadt auf den steigenden Lebensmittelbedarf der wachsenden Metropole, aber auch auf die unhygienischen Zustände auf den Märkten unter freiem Himmel gewesen. Am heutigen Standort der Marktschänke hatten sich einst in der „Markthalle I“ die Buden der „Groß-Schlächter“ befunden. Beide Hallen waren – wie die Marktschänke – direkt an die Stadtbahnbögen angebaut und nutzten diese auch als Markt- und Lagerflächen.
2020
Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch waren die beschädigten Markthallen abgerissen worden. Was zunächst wohl kaum bedauert worden sein dürfte, erzeugte in der DDR der 1980er-Jahre Verlustschmerz. Zwar war als Ersatz für die alten Markthallen unter und hinter dem Scheibenhochhaus an der Karl-Liebknecht-Straße bis 1973 eine neue und moderne „Berliner Markthalle“ (heute „Kaufland“) entstanden (nach Entwurf des Architekten Gerhard Hölke).
Als die DDR noch an die Zukunft glaubte: Die „Berliner Markthalle“ am Alexanderplatz in einer Zeichnung von Hans-Peter Schmiedel, aus: Neues Deutschland, 6. Februar 1968
Nun jedoch, in den 1980er-Jahren, war auch in der DDR eine Zeit angebrochen, in der angesichts des gewaltigen Verlusts an Originalität, sei es im Bereich der Stadt, sei es auch im Bereich des Alltagslebens, versucht wurde, durchaus nostalgisch die Erinnerung an das Alte wiederzubeleben. Die Zeit der würfelförmigen, dezidiert modernen Großgaststätten mit kosmopolitischen Namen wie „Restaurant Moskau“ war abgelaufen, nun suchte man auch im Zentrum der DDR nach Orten, die heimelig, gemütlich und traditionsbewusst wirken sollten. Eine symbolische Chiffre wie die Marktstand-Markise und der Name „Marktschänke“ reichten schon, an eine tatsächliche Wiederbelebung der Märkte als einzigen Orten der täglichen Versorgung war nicht gedacht. Die Alltagsrealität war und blieb der „Konsum“-Supermarkt.
2019
2019
Dennoch schwebte die Marktschänke symbolisch damals weitaus weniger im luftleeren Raum als heute: In der fußgängerzonenartigen Fläche vor dem kleinen Haus fand damals tatsächlich täglich (außer Sonntag) ein Markt statt. Der Direktor der benachbarten großen „Berliner Markthalle“, Harry Hartmann, der offenbar auch für diesen Freiluft-Markt zuständig war, erzählte im April 1987 in der Berliner Zeitung darüber. Er soll demzufolge die kaum glaubliche Zahl von 60 Ständen umfasst haben. Weiter erzählte Hartmann: „Aus dem Spreewald kommen Faßgurken und Sauerkraut. Frische Puffer und Pommes frites wird es geben, aber auch Zuckerwatte und frische Eier aus Bernau.“ Damals begann also auch in der DDR eine bis heute andauernde Ära: In Nischen wird das „Handgemachte“ und „Authentische“ halb bewahrt, halb inszeniert. An solchen Orten können sich die Großstädter von der doch recht durchtechnisierten Realität ablenken, wenn sie das möchten. Der Freiluftmarkt um die „Marktschänke“ jedoch hat sich nicht gehalten, und aus der „Berliner Markthalle“ von 1968 ist eine große, aber auch ziemlich normale „Kaufland“-Filiale geworden. Aber die „Marktschänke“ hat sich als Lokal an diesem Ort behauptet und ist ein Denkmal für den Wandel der Gastronomie und der Stadtbespielung in den 1980er-Jahren.
Literatur
„Die Markthalle kommt wieder“, in: Neues Deutschland, 6. Februar 1968, S. 8 „Gurken aus dem Spreewald und Eier aus Bernau“, in: Berliner Zeitung, 7. April 1987, S. 8