Meine Freundin nenne ich Sommervogel
Ich habe letztens versehentlich schlechte Realitäten wahr werden lassen. Eine Freundin von mir – ich nenne sie Summervögeli, was zu intim ist für euch, geliebte Leserschaft, weshalb wir sie hier Sommervogel nennen – hat sich nämlich wegen mir den Arm gebrochen. An dem Tag, an dem ich sie als Vogelknöchelchen bezeichnete (wegen ihrer schlanken Füße), mich darüber beschwerte, ihre Eltern nicht zu kennen (die ich dann im Krankenhaus antraf), und ein paar Geldsorgen teilte (die sich nun in Luft aufgelöst haben, da ich ihre Schichten übernehme) hat sich ihr Oberarm entzweit. Mir war vorab nicht bekannt gewesen, dass ich in der Lage bin, Saloppes zu sagen und Mühsames wahr werden zu lassen. Werde ich nun etwa aufpassen müssen, was ich an Stuss rauslasse? Ich hatte mal eine Reihe von prophetischen Träumen (jede Nacht in der Woche vor Halloween, man kann es kaum glauben). Jede Nacht dasselbe Muster an Geschehnissen, in der Nacht von Halloween wurde es dann wahr. Danach hatte ich diese Träume nie mehr.
Aber so was Dummes habe ich selbst noch nie gehört. Deshalb habe ich das dann ignoriert und erzähle es nur noch selten und auch nur, wenn’s grad passt. Ich möchte keinerlei solcher Fähigkeiten haben, ich glaube nicht daran, und wenn ich daran glauben würde, würde ich erwarten, bessere Fähigkeiten zu erhalten. Fliegen fände ich gut, am besten mit aufsehenerregenden Flügeln. Wären sie denen einer Schwalbe ähnlich, so könnte ich glücklich sein. Das wäre schick, charmant und lässig. Ich könnte in der Gegend rumfliegen ohne den Umweg über einen Flughafen, gut fürs Klima, gut für die Nerven. Schwalben sind ohnehin meine Lieblingstiere, es würde alles passen.
Ich würde darauf verzichten, mir ein Haus aus meinem Speichel zu bauen, und ich würde, glaube ich, auch die Insektenjagd bleiben lassen, aber ansonsten würde ich dann alles mit meinen neuen Freundinnen machen. Wir setzen uns auf die Strommasten und unterzwitschern uns über die aktuellen Nachrichten. Dann drehen wir Saltos, fliegen auf und ab, als gäbe es nichts Anderes zu tun. Natürlich hätte zumindest ich Anderes zu tun, aber ich hätte nichts Besseres zu tun. Die Schwalben haben ja auch völlig recht, es gibt keinen Grund, in Europa zu überwintern. Ich flöge mit dem Schwarm mit, fetze über die Sahara, um dann irgendwo am Strand meine Kolumne zu schreiben. Dann baller ich in die äthiopische Hochebene und vertreibe mir mit den gewanderten Schmetterlingen die Zeit, lasse mir von ihnen erzählen, wie es ist, ein kleines Flattertier zu sein und einem Sturm zu trotzen. Wenn die Magnolien blühen, komme ich wieder zurück. Bis dann sollte auch der Arm vom Sommervögelchen wieder geheilt sein, jetzt ist er noch kaputt und sie hat schlechte Laune. Ist aber auch nicht so schlimm, das legt sich schnell wieder und ist auch sehr verständlich. Sie kann immerhin wieder ihren Kopf berühren, was zwar nicht so aufregend ist wie den halben Planeten zu umrunden, aber man nimmt, was man kriegt.
Gruß & Kuss









