Die nächste Mutter Maria
–Deine Mutter ist doch keine Hure, also behalt die Zigarettenstummel bei dir!–
Ein denkwürdiges Phänomen in dem individuellen, aber auch kollektiven Verhalten, ist das „verständige (oder verständliche) Beschweren“. Dabei sehen die Augen auf den Wegesrand und erblicken etwas Müll, wonach der (zugehörige) Verstand sich beschwert, es handele sich „ja nicht“ um seinen Müll. Während also das Individuum oder das Kollektiv im Vorbeigehen ihren eigenen Müll in „Assoziation“ verkennt, vertuscht sie die wahre Begebenheit; wonach ihr als Empörung erscheint – da sie selbst bislang empört war, also ihren Müll in dem sichtbaren Müll zugegeben hat* -, wenn sie ein Individuum oder ein Kollektiv (die „Feinde“) dabei erwischt, den Müll aufzuheben (die eigene Frustration am Kollektiv und individuelle Ignoranz gegenüber der „Prüfung“ aufdeckend), über das sie sich gerne aufgeregt hat. Ein anderes Beispiel hierfür, was den treffenden Ausdruck „Verdacht“ trägt, impliziert jenen Neid (invidia), jemand könnte mehr, als man selbst (vor dem Allmächtigen), Glück in guten Taten empfinden. Diese Dynamik endigt dann zumeist in solch zwanghaften – um nicht zu sagen „verwogenen“ – Wortschöpfungen (Ausreden), wie „Sozialstunde“. Und als wäre es nicht genug, seinem Nächsten nicht zuzutrauen, sozial „zu sein“, bestärkt man ihn zudem im eigens-verdrängten Hass (eigentlich Angst), an dem man selbst nicht weiter zweifeln will. Es ist die düstere Frage in dem Schaudern über einen selbst, ob man faul oder fleißig ist. Es ist die ewige Frage, ob es Kinder aus schlechteren oder besseren Verhältnissen (als den eigenen) gibt. Völlig übergangen wird sodann die unsinnige Furcht, andere Menschengruppen, könnten in ihrem pharmakologischen Verständnis (ihrer Region) oder in ihrem monetären Bewusstwerden, eben jene Lebenshaltung einnehmen, von der es nicht „angesehen“ ist, sie an sich selbst aufzudecken (selbstreflektierendes Verhalten). Worin sich Christen am ärgsten vergehen, ist der Glaube, jener „Erzug“, jene Angst vor sich selbst (Unwissenheit) der Exekutive trüge dazu bei, in ihrem voreiligen und vermessenen Verurteilen der Entwicklung, die unergründliche Tiefe der Umstände aufzudecken. Was geschieht, ist nichts weiter als die Bestätigung der Angst des Verurteilten und die Übertragung des Hasses vom „Verurteiler“ auf den Verurteilten. So wird der Verurteilte doppelt verschlechtert, indem der Hass der Christen, über den Weg der „Handlanger“, zweifach, sich selbst nicht verstehend, zuerst die Furcht vor der Entwicklung (Ungeduld) oder dem Neuen (respektive dem Schüler) missversteht und dann den Hass (auf alle) im anderen Subjekt auslebt. Dass das Neue sich jedoch mit Neuem (Erinnerung) und das Fremde sich mit Fremdem auseinandersetzt ist kein Grund zu fürchten, auch nicht – wenn überhaupt – zu schämen, höchstens zu bereuen, weil man die eigene Fähigkeit zur Rationalität so heruntergebrochen hat, im anderen nicht ein Ähnliches erkennen zu können. Aus dieser Betrachtung folgert sich, warum Empathie (Mitleid/Hoffnung) oder sinnloser Hass, einen ins Zweifeln bringt: man wundert sich, im ewigen Teufelskreis der Verachtung, ob es nun tatsächlich Kinder aus besseren (invidia) oder schlechteren (ira generell) Verhältnissen gibt. Für manche der paradoxe Auslöser, in der Faulheit, diesem Zweifel an der Welt nachzusinnen, zu verharren und immer wieder zu fragen, was man jetzt sei, ein aus besserer Herkunft stammender Mensch oder aus schlechterer. Die Christen kommen auf die suizidale Idee, sich am Machtmissbrauch der Exekutive (bzw. ihrer Verwirrung an den Fäden des Auftrags) oder Judikative erfreuen zu dürfen (scheinbarer Gewinn!). Währenddessen wütet die scheinbare Macht (ängstlich), verbreitet Angst und lässt die realen Verluste auf der eigenen Seite zunehmen. Der („bürokratisierte“) Machtmissbrauch schlägt also, ob so oder so geartet, fehl, und unzählige neue Eltern und Kinder entstehen aus dem Gefühl der Richtigkeit gegenüber einer autoritären Angst, welche allesamt aus dieser Einstellung lernen, Hass auf die Welt und Hass gegenüber allen, sei das „zu konditionierende Ideal“. Jener Widerstand der sich gegen solches „kollektive Geschwätz“ auflehnt, Zeichen einer Besserung also, wird im gleiche Zug in seiner Intelligenz verkannt, außer „echte Christen“ greifen ein, in der Aufklärung weitaus harmloserer Ursächlichkeit, die in Folge, verheerende Auswirkungen hatte. Wohl gilt, dem Anfang nicht soweit nachspüren zu wollen, bis die Scham als Gegenwirkung, eine weitere Schuld auf sich lädt, um die Wahrheit zu überspielen, in der ein Missverständnis der Unschuld, zu einer Lüge und schlussendlich zum Vorfall der Sünde geführt hat.
„[…] Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ (Joh 8:7)
Vertrauen, Vergebung, Nächstenliebe und weniger Schuldzuweisung klären dann jenen Grund, der dahingehen ausarten kann, ganze Menschengruppen auszulöschen oder Individuen, aufgrund von (scheinbaren) „Offensichtlichkeiten“ zu diminuieren. Hass ist schwache Liebe und Hass, der seine Liebe verdeckt und gehasst wird, der erzeugt nur echten Hass, in noch größerem Irregehen! Ein „echter“ Christ begreift nämlich, was unzählige Ungläubige (gelegentlich auch: vom Glauben abgefallene) versäumt haben, in ihrer Strategie der Strafe und des „Erzugs“, wie andere Religionen ebenso, genauso wie gewisse Kulturen (mit Errungenschaften in der Menschlichkeit): liberum arbitrium – die Fähigkeit zum Schönen ist schon in „den Verurteilten“, man muss nur gelegentlich die Natur des Schams darlegen, um es „aufzuzeigen“, wie es in Goethes Faust Teil 2 (selbsterklärend) geschieht:
(Des Gegenkaisers Zelt)
„[…]
Habebald:
Und so genug! und eile doch!
Sie steht auf.
O weh, die Schürze hat ein Loch!
Wohin du gehst und wo du stehst,
Verschwenderisch die Schätze säst.
[…]“
*In etwa: “Der Müll der da liegt, mein Hass gegen Menschen und gegen alle Menschen „hat Recht“, darum gehe ich daran vorbei und bin weiterhin „erinnernd“ oder „noch mehr“ frustriert.“
Bild: Narziss (Gyula Benczúr, 1881, Ungarische Nationalgalerie, Budapest)
Lesen Sie nicht, Sie können nicht verstehen!














