Mal ein ganz anderes Thema, was so an sich überhaupt nicht zu meinem restlichen Blog passt. Aber ich habe das Gefühl ich muss mal darüber schreiben, sonst platze ich noch.
Ich weiß bei meinen Eltern nicht mehr weiter. Zuvor: Ich bin Einzelkind. Wir streiten bei jedem einzelnen Abendessen. Schon seit Jahren. Warum beim Abendessen? Es ist die einzige Zeit am Tag, die ich mit meinen Eltern gemeinsam verbringe. Ich bin sicher nicht unschuldig an der Situation, aber mit meinen Eltern kann bzw. will ich auch nicht reden. Ich weiß nicht wie oft mir schon von ihnen gesagt wurde, dass ich frecher als Dreck auf dem Weg sei, dass ich emotionslos und kalt sei, dass sie selten ein dümmeres Kind als mich gesehen hätten, dass ich egoistisch und arrogant sei, dass ich ein Asi sei und ich angeblich mein Zimmer wie ein Messi zumüllen würde (ist übertrieben)... Und so weiter. Es hat sich alles so sehr gesteigert, um das zu erklären muss ich weit ausholen. Also, wo soll ich anfangen?
Es hat denke ich in Ende der Grundschule, Anfang der weiterführenden Schule angefangen. In dem Alter, in dem man so seine Grenzen austestet. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass meine Grenzen sehr eng liegen. (Kein Whatsapp/Instagram bis ich 15 war, keine Onlinespiele bis 16, Wlan nur 2 Stunden pro Tag, nur Gratisspiele fürs Handy. Oder kein Türen knallen, nicht gehen dürfen wenn es Streit gibt, schon gar nicht das Essen mitnehmen dürfen. Wenn ich nicht gehört habe, wurde mir meistens mein Handy, Nintendo oder mein Dachbodenzimmer für 2-3 Monate weggenommen.)
Mein Vater war zu der Zeit sehr im Stress und durch seine Arbeit nicht nur überarbeitet sondern auch sehr gereizt (Mir wird auch oft gesagt, dass ich definitiv mitschuld daran bin, dass seine Nerven kaputt sind). Und schon damals hat sich alles beim gemeinsamen Abendessen entladen. Ich weiß nicht mehr worum es ging, aber ich wurde sehr oft von meinem Vater an den Kopf geschlagen.
Ebenso wurde ich von meiner Mutter geohrfeigt. Ich will nicht abstreiten, dass ich frech war, aber nicht so frech, dass das berechtigt war. Auch wenn ich Besuch von Freundinnen hatte, habe ich mir einen Schlag eingefangen (was ich im Nachhinein von besagten Freundinnen erzählt bekommen habe; weswegen sie auch sehr viel Respekt vor meinem Vater haben/hatten. Auch meinten sie, dass es ihrer Meinung nach unverdient war, wie ich behandelt wurde. Aber das kann ich nicht beurteilen.) Mir wurde auch erst ein paar Jahre später bewusst, dass man so mit einem Kind nicht umgehen sollte. Und bei jedem weiteren Streit, der immer als Diskussion mit meiner Mutter beginnt, und dann zu einem Konflikt mit meinem Vater wird, habe ich mir glaube ich einen eigenen Schutz gebaut.
Früher war es so, dass ich immer an einem Punkt wenn mein Vater sich aufgeregt hat so Angst bekommen habe, geweint habe und nur noch weg wollte. Was auch mit Kommentaren wie "Du Heulsuse. Hör doch mal auf zu flennen wie ein kleines Kind!" bedacht wurde. Ebenso durfte ich wenn ich aus dem Raum gelaufen bin, keine Türen zuwerfen, sonst ist mein Vater mir nach gerannt, um mich noch einmal anzuschreien. Was mir auch sehr viel Angst gemacht hat.
Heute werde ich kälter je lauter mein Vater im Streit wird, und tue so als würde es mich nicht beeindrucken was er sagt. Es ist mein eigener Schutz für mich und das ist auch der Grund wieso meine Eltern mich oft in solchen Streits als emotionslos, kalt und arrogant betiteln. Das das nicht gut ist weiß ich, aber ich kann teilweise wirklich nichts mehr dagegen tun... Sobald ich dann aus dem Raum kann und mich niemand mehr sieht oder hört, breche ich aber weinend zusammen.
Ich habe mich immer mehr zurück gezogen, meine Eltern haben mich auch nie wirklich verstanden. Es gab auch eine Situation vor 2 Jahren im Dezember als es mir richtig schrecklich ging, ich mich sehr wertlos gefühlt habe und mir zusätzlich noch Probleme von anderen aufgehäuft habe denen ich lieben gerne helfen wollte, die mir gezeigt hat wie wenig Verständnis meine Eltern für mich haben. Ich habe mich zu der Zeit von meinen Freunden abgeschottet, mich selbst verletzt und hatte suizidale Gedanken. Meine Eltern haben es nicht bemerkt, aber das war mir damals auch lieb so. Die Leute, die mir letztendlich geholfen haben, waren alles Leute aus dem Internet. Sie waren für mich da, haben mich aufgebaut, haben sogar versucht meinen Kontakt zu meinen Reallife Freunden wieder herzustellen. Naja, letztendlich habe ich mich durch den Rückhalt so sicher gefühlt, dass ich es meinen Eltern gebeichtet habe. Aber ihre Reaktion war, dass ich furchtbar dumm sei, dass mein Handy ja meine Depression sei, dass alle Leute aus dem Internet schlecht sind, mir das eingeredet hätten und man mir am besten mein Handy und das Wlan wegnehmen sollte. Und ab da habe ich mich wirklich richtig unverstanden gefühlt. Meine Eltern wollten mir wirklich den Weg zu den Leuten, die mir geholfen haben, mir Rückhalt und Verständnis gegeben haben, abtrennen. Eine Woche später habe ich meine Mutter darum gebeten mal zu einem Psychologen zu dürfen, weil ich selbst herausfinden wollte wieso es mir so ging, aber sie hat meine Bitte so ins Lächerliche gezogen, dass ich kein zweites Mal gefragt habe.
Naja, ich habe mich mehr vor meinem Eltern/meiner Familie zurückgezogen. Meine Omas beschweren sich immer noch darüber, dass ich sie doch mal besuchen soll, aber ich... ich habe kein "Familiengefühl" mehr. Ich verstehe nicht wieso ich sie besuchen sollte... Es hat keinen wirklichen Sinn für mich :/ Bzw. und so leid es mir tut: Ich will es nicht.
Einmal habe ich meine "ganze" Familie enttäuscht als ich meinen 15. Geburtstag nicht feiern wollte. Meine Mutter hat mir gedroht, dass ich ja keine Geschenke bekommen würde, tue ich es nicht. Aber Geschenke sind kein guter Grund für mich. Wer mir an meinem Geburtstag etwas schenken will, darf das lieben gerne, aber wer der Meinung ist, dass er mir nichts schenken möchte nur weil ich nicht feiern möchte, dessen Geschenke will ich gar nicht haben. Ich habe diesen Tag nach der Schule ganz gemütlich alleine zuhause verbracht. Mein damaliger bester Freund hatte mir Kekse geschenkt, und mein Opa (der das ganze Drama was meine Eltern und Omas gemacht haben nicht verstanden hat) hatte mir auch ein kleines Geschenk vorbei gebracht, was mich sehr gefreut hat. Aber naja, laut meinen Eltern war ja dann meine "ganze" Familie gekränkt und ich war ja so eine Enttäuschung. Abends hat meine Mutter mich noch ganz gehässig gefragt ob mein Tag denn auch ja so schön war wie ich ihn mir vorgestellt hatte.
Aber obwohl ich mich gerne so in mein Zimmer und von meinen Eltern zurückziehe, habe ich tatsächlich immer den Drang sie doch ein wenig an meinem Leben teilhaben zu lassen... Ich erzähle bei jedem Abendessen was ich so gemacht habe den Tag über. Aber ich stoße nur selten auf Interesse dafür, meistens auf Unverständnis. Das wird aber dann auch schnell unter den Tisch gekehrt und meine Eltern fangen an aufzuzählen was sie an mir stört und was ich ändern soll. Daraufhin entsteht dann immer Streit..
Sie beschweren sich darüber das ich mich aus dem Familienleben raushalten möchte und klagen darüber, dass ich am liebsten Zeit alleine auf meinem Dachboden verbringe. Das ist soweit auch alles richtig. Ich möchte keine Zeit mit meinen Eltern verbringen. Sie verstehen mich nicht, wir haben nichts gemeinsam, mein Vater zockt den ganzen Tag seit er aus seiner Reha wieder da ist und mit meiner Mutter kann ich mich auch nicht unterhalten. Wir zeigen aber auch beide kein wirklichen Interesse daran..
Ich habe keine schönen Erinnerungen mit meinen Eltern. Ich erinnere mich nur an Angst, Trauer, Zwang, Wut... Ich bemerke, dass ich sie auch nicht mehr wirklich als meine Eltern ansehe, als jemanden der mir etwas beibringen kann oder der für mich da ist/auf mich aufpasst. Ich verstehe nicht wieso ich noch gerne hier wohnen sollte...
Ich könnte jetzt auch noch von dem Drama mit meinen beiden Zimmern erzählen. Zuerst: Ich hasse es zwei Zimmer zu haben. Früher war mein Dachbodenzimmer eher mein "Spielzimmer" und ich habe in der Wohnung unten noch ein kleineres Kinderzimmer. Immer wenn es Streit gibt/gab wird mir gedroht, dass mein Dachbodenzimmer zugesperrt wird. Ich hatte nie dem Eindruck als gehört es wirklich mir, ich habe immer wieder diese Angst das es mir genommen wird, wie bei meinem Handy und anderen Dingen auch. Ich will mein Kinderzimmer unten nicht mehr. Es ist mir zu klein, es ist wenig Platz, es gefällt mir nicht mehr. Aber ich darf während der Schulzeit partout nicht in meinem Dachbodenzimmer schlafen. Also muss ich es immer so machen, dass ich jeden Freitag meinen Laptop, Decke, Kissen, Kabel, Handy, Schulsachen, Kleidung und so weiter mit nach oben nehme, nur um dann Sonntag abends wieder alles herunter tragen zu müssen. Es ist nicht nur nervig sondern auch verdammt dumm. Aber ich muss es ja tun, weil mein Vater hier ja die Macht hat. Es stört mich sehr. Sein einziger Grund, wieso er mich nicht immer auf dem Dachboden schlafen lässt, ist, dass er mich besser kontrollieren kann. Und ich kann nichts gegen diesen "Kontrollzwang" machen.
Der Zwang durch meine Eltern hat sich auch so weit gesteigert, dass ich schon instinktiv Dinge nicht machen möchte. Ein gutes Beispiel ist: Kochen. Ich würde gerne kochen lernen. Aber bei jemandem den ich mag, also nicht bei meiner Mutter. Aber ich weiß auch das sobald ich kochen lerne, ich hier zuhause für meine Eltern und mich kochen muss. Und ich kann es mir nicht wirklich erklären, aber ich will absolut nicht für meine Eltern kochen. Es ist sehr schwer zu erklären, es ist nicht nur ein "Ich will das nicht." , sondern schon eine wirklich starker Drang, nicht für die beiden zu kochen. Ich will nicht ausgenutzt werden, und ich weiß, dass würden sie. Es würde auf mich abgewälzt werden. Ich würde wieder zu etwas gezwungen werden und irgendwie lässt mein Kopf das nicht zu. Wenn ich kochen lernen würde, würde/will ich hier zuhause nur für mich selbst kochen. Ich glaube viele würden das Egoismus nennen, aber es ist nicht so dass ich prinzipiell nur für mich alleine kochen will und niemals für jemand anderen. Ich will/kann nur nicht für meine Eltern kochen. Es geht in meinem Kopf schon nicht. Ich kann das schlecht erklären.
Wieso der Zwang für mich so schlimm ist, möchte ich auch noch erklären. Ich wurde als Kind immer zu viel gezwungen, vor allem weil ich sehr zurückhaltend/ängstlich war. Zum Beispiel im Urlaub wenn es hieß "Freunde dich doch mal mit dem Nachbars Kind an!"
Oder "Frag mal nach wo Toiletten sind, wir gehen schonmal vor." Ich hatte unfassbar viel Angst vor so etwas. Wurde aber trotzdem dazu gezwungen. Es war für mich die Hölle auch mit 12-13 Jahren noch. Ein andere gutes Beispiel war der 80. Geburtstag von entfernter Verwandschaft. Ich mag solche großen Veranstaltungen überhaupt nicht, aber meine Eltern meinten zu mir "Du gehst jetzt mal den suchen, der Geburtstag hat und gratulierst ihm." und sie haben mich als erstes durch die Tür gedrückt. Für extrovertierte Menschen dürfte das kein Problem sein, aber für jemanden wie mich war es so unfassbar schlimm, und ein wenig traumatisierend, dass ich selbst bei der Erinnerung daran noch Tränen in die Augen bekomme.
Ich habe, wie man hier deutlich lesen kann, kein gutes Verhältnis mehr zu meinen Eltern. Ich könnte hier noch viel mehr erzählen, aber nichts gutes. Mein Problem ist nur, dass die Situation wie sie jetzt ist, nicht wirklich tragbar ist für mich, aber das wir so feststecken, dass sich nichts ändern lässt. Ebenso habe ich momentan nicht die Möglichkeit von meinen Eltern irgendwie wegzukommen. (Meine Verwandten sind auch alle auf der Seite meiner Eltern.)
Zum Schluss muss ich aber noch sagen, meine Eltern haben es nicht leicht. Mein Vater hat durch seine stressige Arbeit Depressionen, sowieso noch andere Krankheiten, er ist erst vor kurzem aus der Reha wieder gekommen und meine Mutter hatte mehr als einmal schon Angst, dass er stirbt. Leider lässt es mich nicht so kalt wie ich es gerne hätte. Vielleicht bin ich ja auch mitschuld daran, dass seine Nerven so kaputt sind. Naja, es ist nicht einfach, aber ich stelle trotzdem fest, dass die Situation hier zuhause nicht mehr tragbar für mich ist. Aber ich kann nichts ändern. Bzw. weiß ich überhaupt nicht was ich machen kann außer ertragen und abwarten.
Ich bemerke gerade, dass dieser Eintrag viel zu lang ist, und ich glaube kaum das es verständlich ist was ich hier versuche zu beschreiben. Aber es ist schön es einfach mal aufschreiben zu können. Es tut wirklich gut. Manchmal denke ich immer noch, wie einfach und simpel ich doch alles beenden könnte... Aber zum Glück gibt es Menschen für die es sich lohnt Dinge durchzustehen. Ihr wisst gar nicht wie sehr ihr mir helft.