das geschenk des meeres
roman von julia r. kelly
erschienen 2025
im mareverlag
isbn: 978-3-86648-748-2
(von tobias bruns)
dorothy kommt ende des 19. jahrhunderts als dorflehrerin in das kleine schottische küstendorf skerry. ihrem selbstverständnis des berufes entsprechend verhält sie sich distanziert zu den menschen im dorf und macht doch bekanntschaften - unter anderem die des fischers joseph. das ganze dorf merkte, irgendetwas war da zwischen den beiden und doch war es eine fast unmögliche beziehung und natürlich kam es dann dramatisch anders. dorothy heiratete jemand anderes, joseph blieb nicht übrig als es zu akzeptieren und die lehrerin wurde mutter. doch eines nachts verschwand ihr geliebter junge am strand. jahre später, im winter 1900 entdeckt joseph ein leblosen glücklicherweise nicht toten kinderkörper. er bringt das kind ins dorf und die leute staunen nicht schlecht, denn der junge, der wohl so alt ist wie dorothys sohn als er verschwand, sieht diesem auch noch verblüffend ähnlich. der pfarrer des dorfes beschließt unter den argwöhnischen augen der dorfbewohner, dass kind in die obhut der lehrerin zu geben, bis die eltern ausfindig gemacht würden. es ist nicht leicht für dorothy, nicht leicht für joseph, der mit dem kind auch eine beziehung aufbaut, denn alles was damals passierte kommt wieder hoch, bei den beiden und im dorf, denn alle fragen sich bis heute, was damals wirklich passierte, und was zwischen joseph und dorothy passierte. doch dorothy fängt an sich einzubilden, der angeschwemmte junge könnte doch ihr eigener sein, endlich zurückgegeben vom meer...
mare mal wieder... die zum namen des verlages gibt es scheinbar wie sand am meer, und hier liegt eine dramatische geschichte vor, die sich zur letzten jahrhundertwende zugetragen hat, einer zeit in der alles sehr konservativ zuging - zumal in einem kleinen dorf, in dem jeder über jedem bescheid weiß oder meint zu wissen. und so ist es dann auch hier diesen umständen zu "verdanken", dass eine wahre, vor der gemeinschaft offene beziehung zwischen dorothy und joseph nicht möglich war, doch irgendwie muss sie sich doch irgendwie einen weg bahnen. julia r. kelly schreibt auf eine weise, dass man zwar einerseits die hauptfiguren persönlich begleitet, und andererseits teil der dorfgemeinschaft wird, der neugierig wissen will, was war da jetzt eigentlich zwischen den beiden offensichtlich verliebten, was war da jetzt eigentlich mit dem verschwundenen sohn und was ist mit dem kleinen jungen in der obhut von dorothy? ich frage mich, ob es langatmigkeit im erzählen ist oder ungeduld endlich antworten zu bekommen, wenn man beim lesen stellenweise das gefühl hat, es ginge nicht voran. aus diesem grund bin ich etwas zwiegespalten, was diesen roman angeht. eins ist deutlich, autorin kelly weiß die inneren kämpfe ihrer protagonisten zum leben im kopf des lesers zu erwecken.












