Bei Organismen mit Gehirnen findet die Entscheidungsfindung auf mehreren verschiedenen Ebenen statt. [...]
Charles Darwin hat dargelegt, dass Emotionen Entscheidungshilfen sind, die sich durch natürliche Selektion entwickelt haben und dem Überleben des Organismus dienen. [...] Die grundlegenden Emotionen [...] prädisponieren uns zu bestimmten Reaktionen und senden die chemischen Signale aus, die unseren Körper zu Zuflucht oder Fokussierung, Eingriff oder Zärtlichkeit veranlassen. [...]
Die Fähigkeit, die wir häufig als Verstand bezeichnen, ist eine von vielen biologischen Entscheidungshilfen. Sie ist an wichtigen Entscheidungen beteiligt, wenn das Gehirn groß genug ist, wenn viel Zeit zur Verfügung steht und wenn andere Systeme ausfallen und keine klaren Antworten liefern können. [...]
Die Funktion des Bewusstseins scheint eine Verfassung stark fokussierter Aufmerksamkeit zu sein, die vom Gehirn wie eine höhere Gerichtsinstanz angerufen wird, wenn neue, schwierige und wichtige Entscheidungen anstehen. Daraus folgt, das Bewusstsein unterschiedlichen Abstufungen der vielen Organismen anzutreffen ist. [...]
Fügen wir zu den Entscheidungssystemen noch das Gedächtnis hinzu, dann haben wir die vollständigen Grundlagen für komplexes Lernen sowie die Fähigkeit, die Ergebnisse früherer Entscheidungen einzuspeichern, und auf der Grundlage dieser Aufzeichnungen in Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen.
David Christian: Big History. Die Geschichte der Welt - vom Urknall bis zur Zukunft der Menschheit. München 2018, S.165 f.