Bei rot darfst du gehen, bei grün darfst du gehen.
Randbemerkung: Santiagos Fußgängerampeln sind nicht zu beneiden. Sie arbeiten 24/7 und sind zusammen mit Zebrastreifen wahrscheinlich das am wenigsten respektierte Verkehrszeichen der chilensichen Hauptstadt.
Als braver deutscher Verkehrsteilnehmer hat man das System "Rot heißt halten, grün gehen" gänzlich verinnerlicht. Nun gut, vielleicht gilt das mit den braven Deutschen auch nicht immer. Man kennt ja die nächtlichen, völlig unbefahrenen Straßen. Kein Auto weit und breit. Meine persönliche Regelung aber war bislang: Überquere keine Straße bei rot, wenn ein Kind es sieht! Die Folgen meines Handelns auf mich, kann ich vielleicht einschätzen. Die Gesamtheit der Auswirkungenen auf andere und vor allem auf diejenigen, die diese Welt gerade erst kennen lernen, will man wohl kaum verantworten müssen.
Doch auf einmal scheint diese Regelung völlig unbrauchbar zu sein, wenn die Mütter und Väter mit ihren kleinen Kindern an der Hand selbst keine rote Ampel auslassen. Jugendliche schauen nicht einmal von ihren Handys auf, bevor sie bei Rot über die Straße gehen. Im hektischen Zentrum Santiagos, wo man immer schnell von A nach B zu kommen sucht, wo der öffentliche Nahverkehr eine Ellenbogengesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes hervorbringt, in eben diesem Zentrum ist Stehenbleiben nicht drin. Wer bremst, verliert. Man muss ja zum Meeting, schnell einen Snack abgreifen oder man traut sich einfach nicht einfach mal anzuhalten. Momos graue Herren haben hier ganze Arbeit geleistet. Wie heißt es da? "Gesparte Zeit ist doppelt Zeit!"