Lyrik ist die kunstvolle Verfeinerung des Schluchzens.
Nicholson Baker: “Der Anthologist”, S.63
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Lyrik ist die kunstvolle Verfeinerung des Schluchzens.
Nicholson Baker: “Der Anthologist”, S.63
Ein Brief von dir
Ich hätt' so gern einen Brief von dir
blaue Tinte auf rauem Papier
Den könnt' ich jetzt lesen
Mit schluchzendem Mund
Fänd der Kummer dort seinen Grund
Es ist in Ihnen ein Schluchzen, dessen Grund Sie nicht kennen.
Marguerite Duras: “Die Krankheit Tod”, S.33
Ich soll, wie man mir später sagte, ungewöhnlich wenig Lärm gemacht haben, woraus man schloß, daß ich entweder bald eingehen, oder daß ich, falls es mir gelingt, die erste kritische Zeit zu überleben, sehr dressurfähig sein werde. Ich überlebte diese Zeit. Dumpfes Schluchzen, schmerzhaftes Flöhesuchen, müdes Lecken einer Kokosnuß, Beklopfen der Kistenwand mit dem Schädel, Zungenblecken, wenn mir jemand nahekam, — das waren meine ersten Beschäftigungen in dem neuen Leben. In alledem aber doch nur das eine Gefühl: kein Ausweg. Ich kann natürlich das damals affenmäßig Gefühlte heute nur mit Menschenworten nachzeichnen und verzeichne es infolgedessen, aber wenn ich auch die alte Affenwahrheit nicht mehr erreichen kann, wenigstens in der Richtung meiner Schilderung liegt sie, daran ist kein Zweifel.
Kafka, Franz (2003): Ein Bericht für eine Akademie und andere Texte zum Rotpeter-Thema. In ders.: Die Erzählungen und andere ausgewählte Prosa. Herausgegeben von Roger Hermes. S. 325. Frankfurt am Main: S. Fischer.
Sanft ist sie, diese Winterstille. Sanft und wunderschön und kalt. Wie fallender Schnee. Und ich zerreiße sie. Mein Atem ist laut, meine Hände zittrig und mein Schluchzen hässlich und krächzend.
(Aus.: Winterstille)