Tag 484 / Die Sonnencreme 30 Minuten vor dem Sonnenbad auftragen
Zwei Menschen haben mich unabhängig voneinander an die Existenz des Liedes "Everybody's Free (To Wear Sunscreen)" erinnert, bzw. beide haben unabhängig voneinander mir gegenüber die deutsche Version dieses Liedes, nämlich "Sonnenschutz, benutzen Sie Sonnencreme", erwähnt.
Und mal abgesehen davon, dass ich bereits bevor ich 40 bin realisiere wie schön und schlank ich in meiner Jugend war und das damals nicht wahrnehmen konnte, abgesehen von der Bestätigung, dass viel Haarefärben, Dauerwellen, Haarspray, -lack, -schaum eine Pracht wirklich fisel-fusel-dünn machen können, abgesehen von all diesen guten Hinweisen in den Liedern und abgesehen von der in mir immer bleibenden Frage "Macht Berlin mich hart? Muss ich hier weg, bevor ich kalt, abgestumpft, verbissen werde?" ist doch die zentrale Botschaft, die Kernaussage des Musikstücks, Sonnencreme zu benutzen.
Und bei Sonnencreme geht es um eine Vorbeugung, eine Präventivmaßnahme, eine Handlung, die vollzogen wird, bevor die Handlungsursache eingetreten ist.
Es ging mir so dermaßen schlecht in dieser Woche, dass ich mich heute frage, wo und wann hätte ich vorbeugen können, meinen Selbstschutz aufbauen, meine Schutzhülle stärken, mich präventiv pflegen können.
Jeden Tag, ich hätte jeden Tag, im Heute, im Hier und Jetzt mein Ändern leben können.
Tag 237 / Ja, ich will
Tag 384 / Trost suchen
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Ich weiß, was mir gut tut, doch ich baue fast nie Mini-Inseln in meinen Tag. Nur, wenn es mir schlecht geht, darf ich mich ein bisschen verwöhnen. So funktioniert das aber nicht. So komme ich immer wieder und in letzter Zeit recht häufig in Zustände, wo an eine Entspannungsapp oder ein Mandala ausmalen nicht mehr zu denken ist. Zustände, die im Hochanspannungsbereich liegen.
Der Pfleger, mit dem ich Mittwoch fast zehn Minuten telefonierte, dieser Pfleger, der auf der Station 96a arbeitet und tagtäglich mit der Anwendung gesunder Strategien zur Gefühlsmodulation zu tun hat, mit dem Erlernen von Skills, mit der Erarbeitung individueller Skillsketten, dieser Pfleger hat es mir ziemlich deutlich vor Augen geführt, was mir zusätzlich zu meiner tagtäglichen Schutzhüllenstärkung fehlt.
Ich mache das vielleicht tatsächlich gut mit meiner Abstinenz.
Ich bin vielleicht sogar tatsächlich ein best practice Beispiel für die Abstinenzentscheidung, für die gelebte DBT-Entscheidung für einen neuen Weg.
Ich sorge wohl auch gut für mich, unter anderem, indem ich mir Hilfe hole.
Ich gestalte meine Wochen ohne fixe Tagesabläufe, ohne strukturgebende Elemente von außen recht gut und komme wohl besser mit der Arbeits- und Maßnahmenlosigkeit klar als viele andere.
Aber ich bin noch nicht gut genug.
Ich gehe wider besseren Wissens oft raus in die pralle Sonne, ohne eingecremt zu sein, ohne Kopfbedeckung. Ich denke trotz allem immer noch oft "Augen zu und durch", "Zähne zusammenbeißen", "los, weitermachen".
Selbstvorwürfe jedoch schmälern weder Suchtdruck, emotionale Ausnahme- und Hochanspannungszustände, noch Sonnenbrand.