Das ist ja ein Problem, was ich habe, nicht, was meine Mutter hat. Meine Mutter hat sich schon ganz gut von mir gelöst: Denn sie hat viele Aktivitäten, die sie lieber macht als bei mir zu sein. Ich würde sie gerne länger dabehalten. Ich hab auch gesagt, als ich Corona hatte, dass schade ist, dass sie fährt. Jetzt, wo es mir besser ging, könnten wir doch zusammen essengehen. Ich hab da diesen Wunsch nach einer freundschaftlichen Beziehung. Aber kaum ist sie da, will sie wieder weg.
Ich hab das Problem, nicht sie. Ich hab niemand anderes. Und ich darf auch keine Betreuung mehr beantragen, wenn ich jetzt diese Arbeit mache, weil es ich unterschrieben habe. Selbst, wenn das eine freiwillige Betreuung ist und keine gesetzliche, werde ich mich nicht mehr trauen, die zu beantragen. Ich kann jetzt für viel Geld irgendwelche Raum- und Wohnungsplaner, Kücheneinrichtungsleute bestellen. Vielleicht würde die Betreuung mir auch gar nicht helfen aus diesem Dilemma mit der chaotischen Wohnung.
Ich hab das Problem, nicht meine Mutter. Und vielleicht ist es gut, dass ich das erkenne. Und vielleicht möchte Gott auch, dass ich mal ziemlich weit wegziehe von ihr, damit ich endlich aus dieser Abhängigkeitsfalle rauskomme, damit ich nicht traurig bin, weil sie fährt, denn sie wird nicht fahren, weil sie gar nicht kommen wird.
Ich frag, ob sie heute Abend mal eine Stunde rausgehen kann. Und sie fragt: Wie es denn wäre, wenn sie ganz fahren würde. Und das ist, was mich traurig macht, was mich verletzt und was mich auch völlig aus der Bahn wirft, weil ich damit gar nicht gerechnet habe.
Sie sagt zu mir, ich soll ihr drei Tage vorher sagen, wenn sie kommen möge, damit sie sich darauf einrichtet. Und sie fragt mich jetzt einfach am selben Tag, wie es ist, wenn sie heute fährt.
Obwohl ich so wütend bin, kann das irgendwie noch, weiß ich nicht, warum ich das kontrollieren kann, warum ich noch nicht mal mit der Faust aufs Auto schlage oder gegen die Wand. Ich muss auch nicht eine Stunde lang heulen darüber.
Vielleicht ist es gut, dass sie so ist, sonst würde ich mich nie darum bemühen, eine andere Beziehung einzugehen. Ich kann ihr danken, dass sie so ist und mir wehtut und ihr sagen: Ich such mir andere Menschen, Mutti.
Du bist doof. Du bist unzuverlässig. Ich such mir jetzt andere Menschen. Du tust mir weh, weil die Schlussfolgerung, nur weil du so doof bist, ist die ganze Menschheit so doof, ist ja auch doof. Ich will alles von ihr. Ich will von ihr hören wie meine Haare wieder wachsen. Ich will von ihr hören wie ich schwanger werde. Ich will von ihr hören, wie das mit dem Job läuft. Ich bin so abhängig.
Die anderen finden sich, die trauen sich einfach. Das nennt sich Trauung. Sie trauen, sich eine Beziehung einzugehen und auf dem Klo zu sitzen und zu kacken, bevor der andere ins Badezimmer kommt. Die trauen sich, dass jemand anderes einen abholt nach der Darmspiegelung und nicht immer die Mutti.