Tag 311 / “They tried to make me go to rehab”
September 2006
Meine Therapeutin empfiehlt mir, nach dem Abschluss des Studiums in eine Klinik zu gehen. Sechs bis acht Wochen, vielleicht länger. Schwerpunkt Psychosomatik und Essstörungen.
"And I said 'no'."
März 2014
Da ich finde, dass ich zu oft zu viel Alkohol trinke, möchte ich ambulant entgiften. Ob ich mir vorgenommen hatte, bis Sommer 2014 oder bis Ende des Jahres nichts mehr zu trinken, weiß ich nicht mehr. Am vierten Tag der ambulanten Entgiftung habe ich wieder getrunken. Ich glaube, in dieser Klinik wurde das erste Mal das Wort "Entwöhnungstherapie" an mich herangetragen.
“They tried to make me go to rehab
but I said 'no'."
"I don't ever want to drink again
I just, ooh I just need a friend"
Mai 2014
Ich gehe jetzt regelmäßig zur Suchtberatungsstelle und absolviere das "Ambulante Einzelprogramm zum kontrollierten Trinken (EkT)". Ich bin bereit, mich mit meinem schädlichen Konsumverhalten auseinanderzusetzen, aber ich bin nicht bereit, es komplett einzustellen.
Die Suchtberaterin erwähnt in den Einzelgesprächen immer mal wieder Worte wie "Entwöhnung", "Langzeittherapie", "Reha", "Abstinenz".
“They tried to make me go to rehab
but I said 'no'."
"Just try to make me go to rehab
But I won't go, go, go"
August 2014
Ich gehe freiwillig in ein Krankenhaus, um stationär zu entgiften. Im Juni und Juli machte es nicht den Eindruck, als ob ich meinen Alkoholkonsum kontrollieren kann.
Meiner Ärztin, meiner Mutter, der Suchtberaterin sage ich, bevor ich das Krankenhaus betreten habe, dass ich bis Ende 2014 abstinent bleiben möchte. Diese Entscheidung verwerfe im Laufe der ersten Woche der Entgiftung.
In meinem Notizbuch steht: "Klar, vielleicht bescheiss ich mich selbst, wenn ich die ganze Zeit denke, wenn du raus bist, trinkste wieder was." Und: "Ich möchte nicht, dass Alkohol ein lebenslanges Problem für mich ist."
In meinem Entlassungsbericht steht: "Zur Durchführung einer stationären Entwöhnungstherapie konnte sich Frau Agatha derzeit nicht entschließen. Sie hatte große Sorge, dass Leerlaufzeiten im Lebenslauf ihr von zukünftigen Arbeitgebern negativ ausgelegt würden. Eine anschließende Entwöhnungstherapie wurde Frau Agatha sehr empfohlen zumal sich im Laufe des stationären Aufenthalts ein deutlicher Ambivalenzkonflikt bemerkbar machte. Sie war sich nicht mehr sicher, ob sie tatsächlich unserer dringenden Empfehlung einer kompletten Abstinenz folgen oder doch wieder kontrolliertes Trinken versuchen würde."
“They tried to make me go to rehab
but I said 'no'."
"I ain't got seventy days
'Cause there's nothing, there's nothing you can teach me"
Oktober 2014
In meinem Notizbuch steht der Name einer Klinik für die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen (Suchtklinik, Rehaklinik) "Römhild". Mehr habe ich nicht dazu geschrieben. Ich trinke weiter - mal mehr, mal weniger kontrolliert.
Suchtberaterin, Ärztin, Mutter..., dass ich vielleicht doch eine Reha machen sollte, wird mir immer mal wieder gesagt.
“They tried to make me go to rehab
but I said 'no'."
"Yes I've been black but when I come back
You'll know, know, know
I ain't got the time"
Dezember 2014
Ich gehe inzwischen alle ein bis zwei Wochen zu den Anonymen Alkoholikern. Dass ich noch nicht aufhören konnte, zu saufen, brauche ich da niemandem zu sagen.
Manchmal berichten Männer und Frauen dort von ihren Rehas, Langzeittherapien, Entwöhnungstherapien. Auch, dass einige trotzdem danach wieder trinken mussten.
Ich suche im Internet nach Tageskliniken und ambulanter Reha.
Die Krankenkasse schickt mir eine Aufforderung zur Reha.
“They tried to make me go to rehab"
and I said 'maybe'.
Januar 2015
Ich habe eine Woche oder zehn Tage, vielleicht auch 14, jeden Abend getrunken. Ich werte das als Rückfall ins alte Konsummuster - täglich Alkohol - wie ich es vor dem kontrollierten Trinken, vor der stationären Entgiftung betrieben hatte.
Ich vereinbare einen Gesprächstermin in einer Suchtklinik.
“They tried to make me go to rehab"
and I said 'maybe'.
Februar 2015
Ich gehe weiter ab und zu zur Selbsthilfegruppe. Ich trinke immer noch. Am Monatsende habe ich ein Vorgespräch für die ambulante Reha (Entwöhnungstherapie). Vor dem Termin hatte ich noch die Hoffnung, eine psychosomatische Reha dort machen zu können. Aber Sucht hat immer Vorrang.
Ärztin, Suchtberaterin und ich füllen die Antragspapiere aus.
“They tried to make me go to rehab"
and I said 'yes'.
März 2015
Ich besuche einmal wöchentlich die Vorbereitungsgruppe für die ambulante Sucht-Reha. Alle Teilnehmer sagen, sie seien clean und / oder trocken. Bei jedem Termin in der Einrichtung findet eine Atemalkoholkontrolle statt. Ich beschließe, mit dem Aufhören anzufangen.
“They tried to make me go to rehab"
and I said 'yes'.
April 2015
Ich bin seit knapp einem Monat trocken und bitte um Umwandlung von ambulanter auf stationäre Entwöhnungstherapie.
“They tried to make me go to rehab"
and I said 'yes, but'...
Juni 2015
In der Rehabilitationsklinik zur 13-wöchigen Langzeittherapie für Abhängigkeitserkrankungen, die auf dem Bewilligungsbescheid steht, würde ich in einem Doppelzimmer untergebracht werden. Ich möchte aber nur in ein Einzelzimmer und bitte erneut um Umwandlung.
“They tried to make me go to rehab"
and I said 'yes, but'...
August 2015
Aus Sicht der Behandler trete ich die stationäre Entwöhnungstherapie in der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen mit "mäßiger Eigenmotivation" an.
“They tried to make me go to rehab"
and I said 'yes, fuck'...
Dezember 2015
Ich schließe die stationäre Reha rückfallfrei ab. Der Sporttherapeut erwähnt zum Abschied eine 40:60-Quote. Weniger als die Hälfte der stationär entwöhnten Suchtkranken sind langfristig abstinent. In meinem Entlassungsbericht wird mir eine "vorsichtig positive Gesamtprognose bezüglich der Suchterkrankung" attestiert.
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Amy Winehouse
Rehab
http://www.dailymotion.com/video/x29tvl_amy-winehouse-rehab_music