Ich betrete meine Wohnung in Deutschland. Ich bin von meiner Meinung und meiner Entscheidung fest entschlossen. Jedoch fliegt versteckt in meinem Kopf der Gedanke, dass das nicht richtig sei, dass ich ein schlechter Mensch bin nur weil ich meinen eigenen Weg gehen will, dass ich egoistisch bin und andere Verletze. Meine feste Entschlossenheit fängt langsam an zu bröseln und meine Anspannung steigt. Meine Anspannung ist relativ schon hoch durch die lange Autofahrt. Als ich wieder in der Wohnung stehe prasseln alle Gefühle auf mich ein. Ich bin überfordert, innerlich will ich wieder weg, ich will nachhause. Ich will wieder alleine sein. Ich habe mit Freunden, Eltern und meiner Therapeutin gesprochen. Alle geben sie mir die Unterstützung, welche ich brauche. Ich will meinen eigenen Weg gehen. Daran ist nichts falsch. Rein gar nichts!
Ich weiß nicht wie ich mit benehmen soll. Alles was ich in den letzten zwei Monaten in meiner Therapie gelernt habe und schon einige Mal umsetzen konnte, kam mir auf einmal so weit weg und schwer vor. Ich hatte schon einige Situationen in Wien, welche anstrengend und schwierig für mich war. Aber das alles war nichts im Vergleich zu hier und jetzt. Von außen vielleicht nicht zu sehen aber innerlich war ich in einem extrem Zustand. Körperlich müde von der Fahrt und psychisch an einer meiner Grenzen. Ich will die ganze Zeit schreien, alles rauslassen. Darf ich aber nicht. Es wäre nicht hilfreich.
Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, es würde die Tage noch schwieriger und schlimmer werden als es jetzt schon war. Und in all der Negativität steckt doch ein Fünkchen Gutes drinnen. Ich lernte mich wieder ein Stückchen besser kennen. Erkannte, wie hoch meine Anspannung werden kann, welche Skills mir mehr helfen und welche weniger, welche Anteile in mir stecken und wie ich mit diesen umgehen kann. Und dass ich nicht alleine bin. Außerdem das ich stark genug sei, mich dem Drang mich zu verletzen zu widersetzen!