Was ein weiser Mann vor 500 Jahren zur Nahostpolitik einschließlich Syrien und Afghanistan gesagt hätte
Ausschnitt aus Thomas Morus „Utopia“ neu gelesen von Klaus Lelek – erschreckende Parallelen zur Gegenwart – auch in Hinblick auf die Flüchtlingsdebatte und die Übergriffe in Köln
…Aber als sie endlich am Ziel waren (das Land erobert hatten), sahen sie , dass das Behaltenkönnen für sie eine nicht weniger beschwerliche Sache sei, als das Erobern gewesen war: immer wieder, wie Unkraut emporschießt, gab es bald im Inneren Rebellion, bald von außen einen Raubzug gegen die Unterjochten, und beständig galt es, entweder für sie oder gegen sie zu fechten; nie war es möglich, das ganze Heer zu entlassen; dabei verarmte man selbst, das Geld floss ins Ausland, das Blut bespritzte man für ein Ruhmeskränzchen auf eines anderen Haupt, und daheim herrschte ein Friede, in dem man seines Lebens nicht mehr sicher war: der Krieg hatte die Leute verroht, hatte in ihnen die Raubtiere geweckt, hatte sie das unbedenkliche Morden gelehrt, und die Gesetze waren zum Gespött geworden, da der König, von der Sorge um zwei Reiche hin – und hergezerrt, auf keines recht Acht geben konnte.
Wie sie nun sahen, dass sonst dieser Jammer kein Ende nehme, fassten sie (die Utopier) einen Entschluss und stellten ihren König in aller Freundlichkeit vor die Wahl, welches Reich er behalten wolle; denn das er beide behalte, sei unmöglich: ihrer seien zu viele, um von einem halbierten König regiert zu werden – es würde ja auch niemand seine Freude daran haben, sich mit einem anderen einen einzigen Maultiertreiber teilen zu müssen.
So sah sich der gute König gezwungen, sein neues Reich seinem Freunde abzutreten – der wurde denn auch bald nachher verjagt – und sich mit dem alten (Reich) zu begnügen.
Dann zeige ich, dass alle diese kriegerischen Pläne, die unseres Königs wegen so manches Volk um seinen Frieden bringen müssten, selbst bei einigem Glück doch zu nichts führen würde, da seine Kasse geleert und sein Volk ruiniert wäre. Er möge darum das Land seiner Ahnen heben und verschönern, wie er nur könne, und es zur herrlichen Blüte bringen; er möge sein Volk lieben, auf das es auch ihn liebe; er möge mitten unter ihnen weilen und es milde regieren und solle die anderen Reiche in Ruhe lassen, da das eine, das ihm zugefallen sei, mehr als genug Ausdehnung habe. Diese Rede – wenn ich sie hielte – was meist du, mein Morus, wie würden sie (Die Herrscher) die wohl aufnehmen?“..
Regierungskritiker und unbequeme Mahner hatten es schon vor 500 Jahren schwer. Thomas Morus wurde 1535 hingerichtet.