Schneller, höher, weiter! Hart, Härter, am Härtesten! Es geht immer krasser! Das suggeriert zur Zeit ein Teil der Branche. Im Internet findet man Videos von durchtrainierten Muster-Athleten die immer größer Gewichte hochwuchten, Akrobaten die an der Stange unglaubliches leisten und Bilder mit Sprüchen wie "Go hard or go Home" oder "No Pain No Gain". Keine Frage auch ich lasse mich immer wieder gern von solchen Sprüchen anheizen und motivieren. Ziele braucht man um weiter zukommen. Allerdings betrachte ich diese Sachen mit gesundem Menschenverstand und Vernunft. Auf derartige Motivationsvideos und Bilder gibt es zweierlei Reaktionen. Ohnehin schon sportliche und sehr ambitionierte Menschen interpretieren diese Art von Motivation auf eine extreme Art und denken Sie müssen Ihren Körper bis ins unermessliche fordern um in kurzer Zeit einen ähnlichen Trainingserfolg zu erzielen wie die Vorbilder in Videos und auf Bildern. Dabei wird oft überspielt das eine solche Leistung wie Sie bei den Crossfit Games oder in Calisthenics Videos nur durch gezieltes Training über viele Jahre mit sehr viel Disziplin aufgebaut werden kann. Mit dem richtigen Training kann zwar jeder Mensch einiges erreichen allerdings ist auch die Veranlagung maßgeblich am Trainingserfolg beteiligt. "Viel hilft viel" ist hier nicht der richtige Ansatz um schnelle Erfolge zu erzielen. Die zweite Reaktion ist meistens eine Art Abneigung. Viele Menschen, denen das funktionelle Training an und für sich gut tuen würde, schrecken diese Sprüche und Bilder ab. Mit Antworten wie "das schaff ich nicht" oder "das ist nichts für mich" winken viele ab und verpassen eine einzigartige Chance mit dem richtigen Trainer Ihr Ziel dann doch noch zu erreichen. Was hier beim Anblick dieser Bilder oft vergessen wird - noch kein Meister ist vom Himmel gefallen. Wir sehen immer krassere Übungen. Es geht immer krasser aber genauso kann man die Übungen auch entsprechend anpassen, dass auch ein Ottfried Fischer seinen individuellen Trainingsreiz gesetzt bekommt. "Go hard or go Home" oder "No Pain No Gain" bedeutet natürlich sich aus der Komfortzone zu bewegen. Aber mit Bedacht und nicht bis zur grenzenlosen physischen und psychischen Erschöpfung. Und dann gibt es da noch zwei Arten von Trainern die nicht wirklich zielführende Ansätze vermitteln. Typ I - Der Egozentriker Sieht sich selbst im Mittelpunkt und fühlt sich selbst in einem ständigen "Battle der Coaches". Es müssen immer krassere Übungen bewältigt werden. Kniebeugen mit der Langhantel auf einem Gymnastikball ist für diese Coaches keine Herausforderung. Ich meine es ist schon wichtig, denn als Coach hat man eine gewisse Vorbildfunktion und muss den gesunden Lifestyle auch verkörpern. Wobei ich mich fragen muss welchen tieferen Sinn derartige Übungen haben. Aber lassen wir Ihnen diese Freude. Gefährlich wird es nur dann wenn Sie probieren diese Techniken mit Ihren Klienten auszuprobieren. Typ II - Der gnadenlose Schleifer Trainingseinheiten sind so konzipiert, das kein Mensch mehr aufrecht die Trainingsstätte verlässt. Der Schleifer hat sein Ziel nur dann erreicht, wenn ALLE Kursteilnehmer auf allen Vieren robbend dahin vegetieren. Das kann man schon mal machen um seine Grenzen zu testen. Allerdings würde ich von derartigen Belastungen über einen längeren Zeitraum abraten. Hier wird der Körper auf eine Art und Weise beansprucht welche äußerst bedenklich für die physische Gesundheit ist. Nicht nur physisch lässt man Federn sondern auch das zentrale Nervensystem wird hier überstrapaziert. Dies kann auf Dauer zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Zudem ist die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol während einer solchen langanhaltenden Belastung so hoch das es den Trainingseffekt sehr stark minimiert. Jetzt werden sich manche Trainer fragen, wie man es schafft alle Fitnesslevel unter einen Hut zu bekommen - Hier ist die Antwort Regression und Progression. Gerade das funktionelle Training bietet eine Menge Möglichkeiten das Training dem Leistungsstand entsprechend anzupassen. So kann man jeden individuell mit einer dem Fitnesslevel entsprechenden Übung bedienen. Auch ich gehe mit meinen Kursteilnehmern gern an die Belastungsgrenze. Nur sollte zwischen BElastung und ÜBERlastung unterschieden werden. Auch Bewegungskonzepte wie bsw. Crossfit sind sehr anspruchsvoll. Allerdings wird hier bei einem 60-minütigen Crossfit Programm sehr viel wert auf Mobility/Beweglichkeit und Technik gelegt. Das eigentliche WOD (Workout Of The Day) dauert an sich zwischen 10 - 20 Minuten. In diesem Zeitraum kann man dem Körper sehr intensive Reize setzen ohne das zentrale Nervensystem und den Bewegungsapparat zu überlasten. (Vorausgesetzt man lässt das EGO Zuhause) Was ich mit meinem Eintrag heute vermitteln möchte ist, dass es um die Gesundheit und die Lebensqualität geht. Qualität ist immer besser wie Quantität! Wenn die Qualität leidet läuft was falsch! Dies sollte jedem Bewusst sein! Ich spreche hier nicht von Muskelkater sondern von ernstzunehmenden Verletzungen am Bewegungsapparat oder Überlastungssymptomen wie Entzündungen. Komfortzone verlassen bedeutet nicht den Körper in die totale Erschöpfung zu treiben sondern den schmalen Grad zwischen Belastung und Überlastung zu finden und dem Körper die richtigen Reize zu setzen die uns langfristig schneller, besser, stärker und allgemein fitter machen. Es ist ein Prozess der seine Zeit braucht! Wenn Ihr aus dem Training geht und ein gutes Gefühl habt und der Grad der Erschöpfung spürbar ist war das Training angemessen! Wenn ihr schon während des Trainings nicht wisst ob Ihr über diesen Irrsinn lachen oder weinen sollt und Euch nach dem Training fühlt als hätte Euch ein Bulldozer überrollt solltet Ihr einen Gang zurück schalten. Es wird Euch langfristig nichts bringen den Körper zu töten. Im Gegenteil! Aus einem Zipperlein werden zwei... Aus zwei Zipperlein wird eine Dybalance und aus einer Dysbalance kann schnell mal eine Verletzung entstehen! Unser Motto sollte lautet TRAIN HARD BUT SMART Findet für Euch das richtige Level und eine gesunde Balance zwischen Belastung und Erholung. Wenn Ihr euch dazu noch ausgewogen und gesund ernährt wird Euch das auf Dauer mehr bringen wie ein kurzfristiges exzessives Übertraining! In diesem Sinne Frohe Ostern! Euer Coach Robert