Tag 1398 / Crying at the bus stop 204 because of my Dad, Crying on Ben Tsiyon Blvd because of my Cat
An der Bushaltestelle wollte ein Mann mit einem Einkaufstrolley auf den Bordstein. Und er schaffe es nicht im ersten, zweiten, dritten Anlauf. Und er sah alt aus und etwas desorientiert. Und dann habe ich mich wieder gefragt wie die letzten Minuten meines Vatilis verliefen. War das schlimm? War er schon nicht mehr bei Bewusstsein?
Nachdem ich ein Katzenlogo und noch eins und eine Katze und noch eine und Menschen, die Hunde ausführen, gesehen habe, nachdem ich hunderte Fotos machte, von denen ich mich fragte, ob ich sie alle brauche, zu denen ich mir Kommentare anderer überlegte, was ich mit so vielen Fotos wolle, nachdem ich an die Freundschaften dachte, die ich nicht pflege (Liz, Ossip, Iphigenie, Leah), nachdem ich mich erinnerte, wie sehr ich Leben von mir ferngehalten habe, um zu leben, weil ich dachte, vieles, das zum Leben dazugehört, gefährdet meine Trockenheit, da erinnerte ich mich an den einzigartigen Mikrokosmos, den meine Katze und ich uns geschaffen hatten, in dem wir uns wohl fühlten, sicher. Und mit dem Katzentod ist dieser Raum zerbrochen und ich wäre nicht hier, wenn sie nicht gestorben wäre, nicht jetzt, und ich würde jetzt nicht hier sitzen und weinen, und hätte nicht schon mindestens zweimal im Hotelbett von ihr geträumt wie ich auch träumte, dass die al-Aqsa-Moschee nun wieder für alle geöffnet ist.
Und wenn ich an Ludwig denke, denke ich an heile Familie. An Eltern, die zusammengeblieben sind. An Weihnachten mit Gesteck, Geschenken, Gesang, Gedichten, Gebäck. Und ich weiß auch, dass ich das, solange ich es hatte, oft nicht zu schätzen wusste, was auch viel mit dem Gelesenen gestern zu tun hat. Mehr wollen, immer mehr.
Ich möchte Gott bitten, dass er es gut für mich lenkt, dass ich es bald erfahren werde, ob es weitergeht mit Ludwig oder ob es das Gewesene gewesen sein soll.
Es geht mir gar nicht schlecht. Es ging mir bloß gestern momenteweise sehr, sehr gut. Und dann fühlt sich das heute logischerweise schlechter an. Aber "schlecht" wäre anders.
Ich kann sogar dankbar sein, dass der Typ und an einer anderen Stelle zwei Mädels kiffen, dass mich der Geruch stört, dass ich nochmal aufstehe, Muscheln sammele und Steine und mich wundere, dass es so viele Muscheln mit Minilöchern gibt.
Caro sagt das manchmal, dass es sich schlecht anfühlt, obwohl es mittelmäßig ist. Und ich denke an Caro und das ist gut. Ich höre das Meer. Ich sehe die Sonne, auch wenn sie da oben hinten ist und nicht mehr auf dieses Stück Strand scheint.
Ich möchte wiederkommen.
Noch unbedingter als nach Wien.
Wäre meine Katze noch da, wär es einfacher aus dem Urlaub zurückzukehren.
Egal ob ich Ludwig wiedersehe in drei oder vier Tagen - er wird wieder nach Aachen fahren. Im letzten Telefonat vor meiner Abreise klang es nicht mehr so, als ob ich ihn besuchen kommen soll. Ludwig ist kein Katzenersatz. Aber er könnte eine neue Freude sein, eine neue Liebe, ein neues Wohlgeborgenhierundjetztallesgut. Es ist vollkommen in Ordnung, sich nach sowas zu sehnen.
Die Sonne geht bald unter. Ich sollte langsam los. Wenn mir Meer soooo wichtig ist, muss ich eben mal an die Nord- oder Ostsee.
Verweile doch.
Dann lass ich dich los.
Alles so weit weg.
Die to dos der letzten Tage.
Nachrichten.
Jobsuche.
Fotos von vor der Reise.
Bin sehr, sehr hier. Sehr im Hier und Jetzt.
Merke wie gut es mir tut, keine Nachrichten, keine Werbung weder on-, noch offline zu sehen.
Hier sind kaum Leute mit Alkoholflaschen, -dosen unterwegs.
Ich habe verhältnismäßig sehr wenig Angst. Mein Ekel, meine Hygienezwänge sind extrem gering.
Ganz viel Vertrauen habe ich.
In das Hier, in Abwehrkräfte, in Menschen.
Darin, dass ein Verkehrsunfall in Deutschland wahrscheinlicher ist, als Mord, Terror, Tod hier.
Müde Augen, viel geheult heute.
Vertraue hier, nicht in der Ferne.
Lorde
Yellow Flicker Beat
https://www.youtube.com/watch?v=KmfSJfA6m-k