Mama, da sind Nächte, die dauern ein Leben
Mir geht es nicht gut, Mama - es gibt Nächte, die dauern Wochen
Manchmal gehe ich in die Dunkelheit, Mama,
Spazieren, weil mein Geist keine Ruhe findet
Manchmal ist nicht mehr viel von mir übrig. in meinem Körper
setzt sich der Autopilot ans Steuer meines Käfigs
Mama, manchmal fühle ich mich nur noch leer
Die Welt hört auf mich zu berühren
Manchmal bin ich abgekappt von der Wirklichkeit
Und an ihrer statt? existiert in mir. nur noch Verzweiflung
Dann habe ich Bambis Augen, Mama,
im Angesicht des Gewehrlaufs
Es widert mich an. die eigene Hilflosigkeit, die Ohnmacht,
die Schwäche, sie springen mich aus meinen Augen heraus an -
Mama, ich hasse es: so schwach zu sein
Mir geht es nicht gut, Mama, es gibt Nächte, die dauern Monate
Ich schreie vor Kälte, Mama, vor ihrer Stille, ihrer Schönheit
Vor ihrem Schmerz, den sie mir vermacht
Mama? Manchmal habe ich Todesangst
vor meinem eigenen Wahnsinn
Mama? Ich falle – regelmäßig – breche ich zusammen
Es ist nicht ein einziger Balanceakt, es sind tausende
Auf Phönixfedern und den Zweigen der Banksien:
Mama, meine Einsamkeit ist ein Nest.
In_dem ich mich immer wieder
neu ausbrüte. In meiner Einsamkeit
schlüpfe ich. zurück in ein Leben
Und mein Wesen, aber Mama? manchmal wird sie übermächtig
Manchmal frisst mich meine Einsamkeit auf
Wie Nazca-Tölpel oder Steinadlerkücken
Mama, manchmal fühle ich mich mit mir selbst, als hätte ich versucht,
Drachen zu zähmen und eine stolze Tigerin als Kuscheltier zu halten
Mama? manchmal fühle ich mich mit mir selbst
Mama. Es gibt Nächte, die wachsen. in meinem Fleisch
Durch alle lebenswichtigen Organe,
manchmal spüre ich sie, manchmal regieren sie mich,
manchmal vergesse ich sie, aber Mama?
da ist Dunkelheit in mir. Manchmal stielt sie mir alle Lebensfreude,
sie ist dazu fähig. jegliche Hoffnung aussterben zu lassen
Mama, mir geht es nicht gut,
manchmal habe ich nicht einmal mehr Liebe in mir
Es geht mir nicht gut. Mama? Warum?
Warum geht es mir nicht gut?
Du hast mich so sehr geliebt, Mama,
warum hat es nicht gereicht? Warum,
Mama, wie wurde ich Meer und so wild
So tobend, so tosend, so schwarz, so tief
alles verschlingend. Mich selbst. Mit Haut und Haar
Mama, wie konnte ich untergehen?
Du hast mir doch das Schwimmen beigebracht –
Wieso habe ich es aufgehört?
Wie wuchs ich von einem Kind zu einem Wrack heran,
wie konnte ich zerfallen?
Du hast mich doch gehalten, Mama. Meine kleinen, frierenden Hände
Unter dein T-Shirt gesteckt. Sie zwischen deinen gerieben
Es geht mir nicht gut, Mama,
warum. Warum hat es nicht gereicht,
dass du mich so sehr geliebt hast, Mama,
wieso hat es mich nicht vor dem Schlimmsten bewahrt,
wieso hat es mich nicht gerettet
Du liebst mich. Warum reichte das nie
Mama? Es geht mir nicht gut:
da sind Nächte, die dauern mein Leben