Verwundbar sein. Was heißt es denn verwundbar zu sein? Ich assoziiere es mit der Fähigkeit verletzt werden zu können. Andere können einen Einfluss auf dich nehmen und dir Schmerzen zufügen, sowohl verbal, als auch physisch. Mit der Verwundbarkeit geht auch in meinen Augen auch immer Schmerz einher, der auf der betroffenen Person lastet. Es ist ein Zeichen von Schwäche, das ist zumindest das, was ich in den meisten Fällen beigebracht bekommen habe. Immerzu heißt es „sei stark!“, „du bist unverwundbar“, „das bisschen Schmerz macht nichts, kämpfe weiter“, „zeige keine Schwächen!“. Zum Glück bin ich eine Frau, weil sonst Sätze gefallen wären, wie „sei ein Mann!“, was impliziert, dass besonders Männer in dieser Welt keine Schwächen zeigen dürfen, und wenn doch ihnen ihre Männlichkeit aberkannt wird. Aber ist es wirklich so schlimm, wenn man nicht immer stark sein möchte? Ist es wirklich etwas so Negatives auch mal schwach zu sein? Ich meine „schwach für etwas sein“ heißt ja immer, nicht in der Lage einer bestimmten Person oder Sache zu widerstehen und wird nicht als so negativ aufgefasst, wie einfach "schwach sein". Der Regisseur Boris Nikitin sieht dies aber etwas anders. Er selbst ist ein homosexueller Theaterregisseur, welcher einiges in seinem Leben durchlebt hat. In seinem Werk „Theater der Verwundbarkeit“ wird dies thematisiert. Verwundbarkeit und ein Coming-Out beziehungsweise der Akt eines Outings gehen für Nikitin Hand in Hand (Nikitin, 2020).