Groß thronen sie. Wie alte Festungsanlagen. An den Toren der Stadt. Aber sie schützen nicht. Scheinbar wehrlos. Ganz offensichtlich. Die wohnen ja immer noch hier. Depuis des centaines.
Il y avait une époque quand notre pays voisin était confronté par un flux d’immigrants. Venant de l’ancien empire colonial. Desillusioné, cherchant une nouvelle patrie à l‘étrangèr.
Frankreich. 60 er. Paris. Banlieues. Wohnetagen schießen in die Höhe. Irgendwo müssen die Neuen ja unterkommen. Bilden ihre eigenen Netzwerke. Ihre Städte - Vorstädte.
Was bilden die sich eigentlich ein? Le prolétariat, la délinquance, le chômage. Peeh (schnippisch).
Da setzen wir was entgegen. Vorstadt ist schick. Das wusste schon Louis XIV. Mmh - der Große. On élève nos enfants au Sud du métropole. Sèvres. Saint-Cloud. Arcueil. Arcueil? Ne, Stopp! Moment mal. Das geht gar nicht! L’élite – c’est nous.
Hey – dafür haben wir hart gerackert – ja. Wenn die Götzen groß sind, ziehen wir wieder in unsere Zweitwohnung ein. Mit Seine-Blick im 5., Schatz. D’acc?
Haussmann, Opéra, schnurgerade. Architektur aus einem Guss. So muss es sein. Glanz, Glamour, Mode. Trendsetter. Mmh. Ja?!
Nicht wie in dieser gehypten deutschen Hauptstadt. Oui, ils dominent la mode. Oui, ils ont du swag. Mais un peu trop. Troooop.
Berlin, du machst mich aggro. Du bist hässlich. Wir sind hier alle so offen, so alternativ. So libertär, so autonom. Zu autonom. Auf sich selbst konzentriert. 100 Optionen. 1000 Möglichkeiten. Aber das was ich will, was ich will, was ich will, machst du nicht. Nein! Nö.
Sorry, Alter! Geht gerade nicht. Aber, hey, wir schreiben nochmal. Ja – hey! Hey – Schreiben (nachdenklich) – ja – mmh. Ja - Schreiben. Ici, on fait des connaissances, d’ailleurs des amis. So sieht’s aus.
Das ist die Gegenwart. On habite là, on fait des courses, on prend des photos, on se promène là où des indigènes habitent. Ceux qui ont la petite monnaie pour payer des loyers du Marais, de l’Ile, des Champs-Elysées.
Dans nos villes d’aujourd’hui on se mélange. Wir rücken enger zusammen. Dicht an dicht. Aufsteiger. Absteiger. Schmarotzer. Luxusschlitten. Eintagsfliegen. Trenchcoats. Rucksack-Touris. Mit diesen fetten Sandalen – (ins Publikum): Kennt ihr die? Ja – die kennt ihr. Aber sicher doch. Hipster. Lieferanten. Die Crème de la Crème eben.
(ins Publikum) Wisst ihr? Die Stadt hat eine Seele. Sie sollte uns teuer sein. Wir leben hier nicht alleine. Mach Platz für Rentner, Punks, Möchtegern-Städter, Yuppies und Visionäre. Für uns. Ja – für uns.
Texte Kiez parisien II | Expo à Berlin 2017