"Pass auf, das sind nicht nur Nazis, sondern auch Hooligans." "Nicht so schlimm, statistisch gesehen werde ich eher von einem Polizisten verhauen."

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"Pass auf, das sind nicht nur Nazis, sondern auch Hooligans." "Nicht so schlimm, statistisch gesehen werde ich eher von einem Polizisten verhauen."
Warum ticken "die" so anders? Weshalb Unterschiede zwischen "Nationen" existieren.
"Die Französ*innen ticken aber schon anders als wir hier, oder?"
Das stimmt. Kaum jemand, der schon hÀufiger ins Ausland gereist ist, wird bestreiten, dass Unterschiede im Verhalten von Nationalstaat zu Nationalstaat existieren. Doch woran liegt das? Sind die Menschen von Geburt aus anders?
SelbstverstĂ€ndlich nicht. Meiner Auffassung nach gibt es neben den Unterschieden von Person zu Person im kollektiv vor allem zwei Faktoren. Den kulturell bedingten Unterschied, der sich im Laufe der Zeit als Reaktion auf beispielsweise die geografischen Lage, das Klima etc. gebildet hat. So ist die Kultur, die sich in SĂŒdamerika um den Ăquator entwickelt hat eine ganz andere als die, die sich im Norden Europas gebildet hat. Solche eigenen Konzepte des Zusammenlebens sind auch nötig, um sich der jeweiligen Lebenssituation anzupassen: Die Verhaltensmuster entstehen in Wechselwirkung mit dem Umfeld, in dem gelebt wird, und bilden auf Dauer die Kultur.
Doch das ist nicht der zentrale Punkt, auf den ich eingehen möchte. Wie kommt es, dass sich auch zum Beispiel die Bevölkerung mitteleuropĂ€ischer Nachbarstaaten merklich voneinander Unterscheidet? Die Antwort steckt bereits in der Frage: Die Nationalstaaten.Â
Eine naive Herangehensweise, die von der modernen Geschichtswissenschaft mittlerweile ĂŒberholt ist, ist, dass sich die Nationalstaaten als Reaktion auf die Unterschiede zwischen den sich als Nation zusammengehörig fĂŒhlenden Personen bildeten. Das allerdings ist, wie bereits erwĂ€hnt, naiv: Ein Staat definiert sich auf einem gewissen Territorium, keineswegs unmittelbar an Menschen. WillkĂŒrlich wurden und werden Grenzen gesteckt, sodass in manchen Regionen mehr oder weniger willkĂŒrlich befohlen wurde und wird, wer welche StaatsbĂŒrgerschaft haben soll. Ein Beleg dafĂŒr sind diverse Gebietsabtretungen, die im Laufe der Zeit stattfanden. Bestimmte Regionen wechselten gleich mehrere Male zwischen den Staaten hin und her.
Nein, die wesentlichen Unterschiede sind kĂŒnstlich herbeigefĂŒhrt: Erst nach, bzw. durch die Staaten sind die meisten Unterschiede entstanden. Ist es sonst erklĂ€rbar, dass sich Menschen, die de facto Nachbarn sind, einer vollkommen anderen Kultur verpflichtet fĂŒhlen?
In Folge von Gesetzen, die das Leben prĂ€gen und den Schranken, die sich Grenzen nennen, schotten sich die kĂŒnstlich gebildeten Nationen voneinander ab - ob sie wollen oder nicht. Selbst ein reger Austausch zwischen Staaten kann die Unterschiede nicht beseitigen, zu unterschiedlich ist das gesellschaftliche Zusammenleben organisiert. So bilden sich parallel existierende Gruppierungen, Organisationen und Parteien auf staatlicher Ebene, die, obwohl sie Ă€hnliche Ziele verfolgen, auf vollkommen andere UmstĂ€nde reagieren mĂŒssen - eben jene, die der jeweilige Staat geschaffen hat. Dies erschwert die Zusammenarbeit ungemein.
Um es noch einmal prĂ€gnant zusammenzufassen: Nationalstaaten schaffen Unterschiede - nicht umgekehrt. Mehr Zusammenarbeit und weniger eigenbrötlerische Arbeit sind ein guter und wichtiger Weg, um mehr Einigkeit zu schaffen, wie z.B. die EU in Europa dies vorantreibt. Denn im Grunde bleibst Du Mensch - nicht Chines*in, Brit*in, Costa Ricaner*in oder Deutsche*r. Denn das fĂŒhrt nur zu Problemen.
Bedingungslose SolidaritĂ€t - Kein Vorteil fĂŒr niemanden.
Immer wieder hört man seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den Hamas und Israel aus Teilen der linken Gruppen wie einigen Antideutschen von der Pflicht zur "bedingungslosen SolidaritĂ€t mit Israel". Diese Einstellung ist jedoch ĂŒber alle MaĂe simplifizierend und wird der KomplexitĂ€t des Nahost-Konflikts in keinster Weise gerecht.
Um die Ursache dieses PhĂ€nomens kurz zu umreiĂen, muss man ein paar Jahre in die Vergangenheit gehen. Aufgrund der antisemitischen Aktion wĂ€hrend der Zeit des NS-Regimes sehen sich weite Teile der antideutschen Strömung dazu verpflichtet, die Existenz des Staates Israel zu schĂŒtzen - so weit, so lobenswert - wenn da nicht ein Haken wĂ€re. Die "bedingungslose SolidaritĂ€t" weitet sich auch auf konkrete Aktionen der Regierung aus, sodass diese grundsĂ€tzlich unterstĂŒtzt werden. Kritik? Fehlanzeige.Â
Dabei tut sich weder die benannten Antideutschen selbst einen Gefallen, noch ist eine unbedingte UnterstĂŒtzung der staatlich verĂŒbten Aktionen gut fĂŒr den Staat Israel.
Warum das?
Linke Politik zeichnet sich meiner ganz privaten Definition nach vor allem dadurch aus, politische Positionen und gesellschaftliche PhĂ€nomene und sonstige Aktionen aller Art kritisch zu hinterfragen und soziale Lösungen auf die erkannten Probleme zu finden.Â
Das kritische Hinterfragen bleibt bei einer bedingungslosen SolidaritĂ€t jedoch auf der Strecke und sorgt dafĂŒr, dass man die Aktionen nicht mehr jeweils nach den Aktionen und GrĂŒnden bewertet, sondern nach dem-/derjenigen, der/die sie ausfĂŒhrt. Die Vertreter*innen dieser Linie teilen also nach strikt nationalen Kriterien ein, was "gut" oder "schlecht" ist - ein Widerspruch zu dem eigenen, anti-nationalen Anspruch und ein Grund dafĂŒr, dass die antideutsche Strömung immer weiter an Einfluss verliert.Â
Auch fĂŒr den Staat Israel ist eine derartige Einstellung auf lange Sicht kein Gefallen getan. Israel und die israelische Bevölkerung kann sich gewiss sein, dass der Staat Deutschland und eine ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit hinter der Existenz des Staates Israel steht. Doch eine konstruktive Kritik an der Politik Israels muss genauso möglich sein, wie es auch bei jedem anderen Staat möglich ist - alles andere wĂŒrde dies nur die Gegner*innen des Zionismus bestĂ€tigen, die in Israel ausschlieĂlich als Produkt der "deutschen Schuld" sehen.
(FĂŒr eine genaue Differenzierung zwischen Antisemitismus und Kritik an der israelischen Staatspolitik, klicke hier)
Lucke fordert, die GebĂ€rmaschinerie anzuwerfen. GerĂŒchte aus âInsider-âkreisen besagen, er wĂŒrde im Ernstfall auch persönlich nachhelfenâŠ
Sie sind wieder da! Nazi-Symbole als Popkultur?
Benutzt sonst nur auf Klamotten der rechten Szene: Symbolgeladene Zeichen auf Jacken und Shirts, die den Betrachtenden die Inhalte des Geschichtsunterrichts zum Thema â1933-1945â wieder ins GedĂ€chtnis rufen. Haben sie nun eine neue Stufe der Massentauglichkeit erreicht?
Was assoziierst Du als Erstes mit dem Nationalsozialismus? Einer groĂe Mehrheit wird neben Hitler wohl das Markenzeichen dieser Faschisten ins GedĂ€chtnis treten: Das Hakenkreuz. Dieses und weitere Symbole der Nationalsozialisten erleben seit Kurzem ein Comeback in der Mode- bzw. Kleidungsindustrie.
Doch zunĂ€chst ein kleiner Abstecher in die âModeweltâ von Neofaschist*innen. Unter den Nazis der heutigen Zeit sind nahezu ausschlieĂlich âdeutscheâ Marken vertreten, sprich: In Deutschland hergestellt und in Deutschland vertrieben. Diese Klamotten benutzen meist Symbole aus der nordischen Mythologie, altdeutsche Schrift und zweideutige SchriftzĂŒge. Ein Beispiel aus der unter den Faschist*innen wohl beliebtesten Nazi-Marke âThor Steinarâ: Ein unauffĂ€lliger, schwarzer Kapuzenpullover mit dem Schriftzug in altdeutscher Schrift âHausbesucheâ â darunter ein Umriss des âHK G36â-Sturmgewehrs von Heckler und Koch. HĂ€ufig finden sich auch nordische Runen auf diesen Klamotten â wie das âSâ aus dem Runenalphabet, das der altbekannten Siegesrune der Nationalsozialist*innen zum Verwechseln Ă€hnlich sieht.
Doch so weit in der rechten Ecke der Gesellschaft muss man nicht mehr suchen, um fragwĂŒrdige Symbole mit noch viel direkterem und weniger subtilen Bezug zur rechten Szene zu finden. Der neuste Trend in der Modeindustrie ist die Modemarke âBOYâ.
Diese fallen durch eindeutig an den Nationalsozialismus angelehnte Zeichen auf, wie den Reichsadler in der folgenden Produktbeschreibung der Seite âZeitgeschmack Mode und Lifestyleâ:
 âDas Logo ist cool gewĂ€hlt und man ist auf jeden Fall der Hingucker. Durch die Grenze zwischen âHey, das sieht cool ausâ, und âHey, du weiĂt schon, dass das Logo aussieht wie der Reichsadlerâ hat man immer das ungewisse GefĂŒhl, ob man angeguckt wird, weil derjenige das Shirt gut findet oder weil er denkt, man wĂ€re aus frisch aus einer NPD Sitzung gekommen. Wer kein Problem hat, auch skeptische Blicke zu ertragen, der ist mit einem âBOY Londonâ T-Shirt der Partykracher.â
 So ganz weiĂ niemand, was der Erfinder Luke Rave des Modelabels mit dieser Art von Symbolen in Popkultur bezwecken will. Nach eigenen Aussagen distanziert sich Rave von âGerĂŒchten um Rechtsextremismusâ â doch warum dann diese Symbole? Bis jetzt ist der GrĂŒnder weder durch rassistische, auslĂ€nderfeindliche oder rechtspopulistische ĂuĂerungen aufgefallen, auch eine direkte Verbindung des Briten zur rechten Szene ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass sich die Klamotten bei den Neofaschist*innen groĂer Beliebtheit erfreuen â eine modische und anerkannte Alternative zu den bekannten Nazi-Marken. Auch hier am Eichendorff wird der neue Trend ausgelebt.
 Provozieren um jeden Preis â das mag demnach die Botschaft hinter den BOY-Klamotten sein. Hier ein Reichsadler, dort eine Siegesrune. UnabhĂ€ngig davon, ob der/die TrĂ€ger*in einen oder zwei FĂŒĂe in der rechten Ecke stehen hat oder ob er/sie sich dazu bekennt, ist die steigende PopularitĂ€t der Klamotten beunruhigend. Wenn jemand nicht davor zurĂŒckschreckt, Symbole zur Schau zur stellen, die offen fĂŒr Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass stehen, dann lĂ€sst sich schwer leugnen, dass man das Risiko, dieser Nische zugeordnet zu werden, nicht zumindest bewusst eingeht.
Quelle des Zitats: http://zeitgeschmack.com/blog/2012/04/09/boy-london-clothing/
'Kritik' und 'Kritik' - Antisemitismus und Politik Israels
Die letzten Tage und Wochen haben Eines gezeigt: Der Hass auf Juden ist kein Thema der Vergangenheit, sondern wurde im Zuge der Demonstrationen gegen das Vorgehen der israelischen Regierung im Konflikt mit den Hamas öffentlich zur Schau gestellt.Â
Sind deswegen alle Demonstrierenden Antisemiten? NatĂŒrlich nicht. Besteht ein Zusammenhang zwischen berechtigter Kritik und Antisemitismus? Teilweise ja.Â
Wichtig ist bei diesem Thema, strikt zu unterscheiden zwischen 'Juden', 'Israel' und der 'Regierung Israels'.Â
Berechtigt ist Kritik an der DurchfĂŒhrung der KampfeinsĂ€tze von Israel durchaus, ebenso ist es die der Hamas. Kritik sollte sich auf politische Systeme oder politische Handlungen beziehen, um etwas erwirken zu können. Auf der Schwelle um Antisemitischen steht es, wenn man die Handlungen der Regierung mit 'den Israelis' gleichsetzt. Zahlreiche Israelis kritisieren das Vorgehen ihrer Regierung, sodass eine Verurteilung aller BĂŒrgerinnen und BĂŒrger eines Staats vollkommen unangebracht ist.Â
Eindeutig antisemitisch wird es jedoch, wenn man 'die Juden' fĂŒr die Aktionen der israelischen Regierung verantwortlich macht. Zwar ist der Staat Israel als jĂŒdischer Staat ins Leben gerufen worden, dennoch leben zahlreiche nicht-jĂŒdische BĂŒrgerinnen und BĂŒrgerinnen im Staat und Millionen von JĂŒdinnen und Juden leben auĂerhalb des Staats Israel.Â
Zusammenfassend also: Kritik an der Vorgehensweise der Regierung Israels ist legitim und berechtigt, dies jedoch auf die in Israel lebende Bevölkerung zu beziehen ist eine unangebrachte und unangemessene Pauschalisierung. Gar eine Weltreligion in Verantwortung zu ziehen, ist klarer Antisemitismus.Â
Ich habâ âne Fahne (und bin stolz darauf)
Warum die FuĂball-Weltmeisterschaft kein reines Sportfest ist â und Ausgrenzung und Nationalismen fördert.
Ich bin kein Gegner von FuĂball. Im Gegenteil, ich weiĂ zuweilen ein gutes Spiel mit Mannschaften auf Augenhöhe und guten Torchancen zu wĂŒrdigen. Und doch ist das bei der FuĂball-Weltmeisterschaft etwas anderes. Auf einen Schlag sind selbst jene, die seit Jahren kein FuĂballspiel mehr gesehen haben, im fiebrigen Rauschzustand der bevorstehenden WM-Spiele âunserer Jungsâ. Dieses PhĂ€nomen ist dem sogenannten MitlĂ€ufer-Effekt zuzuschreiben: Die WM kreiert aufgrund ihrer Struktur der gegeneinander antretenden Nationalstaaten eine Gemeinschaft, die durchaus zu Recht kritisch beĂ€ugt wird. âDie Deutschenâ sind wieder da.
Von Party-PatriotenâŠ
Doch wieso ist das ein Problem? Politikerinnen und Politiker nahezu jeglicher Parteien freuen sich ĂŒber den âunverkrampften Party-Patriotismusâ, der neudeutsch fĂŒr die eben genannte Pseudo-Gemeinschaft der âDeutschland-Fansâ steht. Patriotismus in seiner Grundform bezeichnet nach Wikipedia-Definition die âemotionale Verbundenheitâ oder die âLiebeâ zum sogenannten Vaterland, die jedoch keinen Anspruch erhebt, besser als andere Staaten zu sein. So wird ungezwungen und unreflektiert die Flagge geschwungen, schwarz-rot-goldene Schminke angesetzt und das Trikot angezogen. Man ist fĂŒr die deutsche Nationalmannschaft, weil man sich selbst als âdeutschâ begreift. Per sĂ© ist Patriotismus nichts GefĂ€hrliches â wenn da nicht die âanderenâ wĂ€ren. Egal ob Patriot*in oder Nationalist*in, das GemeinschaftsgefĂŒhl erstreckt sich nur auf diejenigen, die sich mit dem Nationalstaat identifizieren können und wollen. Outet man sich als jemand, der/die die Nation als Gemeinschaft nicht akzeptiert, da der/die eine Deutsche nichts mit dem/der anderen Deutschen zu tun hat auĂer einem Wort auf dem Personalausweis oder dem Zufall, innerhalb willkĂŒrlicher Grenzen geboren zu sein, ist man kein Teil der feiernden Gemeinschaft mehr. Somit wird schon ĂŒberdeutlich, dass es bei der Weltmeisterschaft keineswegs nur um FuĂball geht, sondern um das GefĂŒhl des âDeutsch-seinsâ. Was genau das ist, weiĂ niemand so richtig.
⊠und nationalistischen Idioten.
Doch der hĂ€ufig als ungefĂ€hrlich beschriebene Patriotismus weist einen flieĂenden Ăbergang zum Nationalismus auf. Ein Ăbergang, der so flieĂend erfolgt, dass er von vielen Wissenschaftler*innen gleichgesetzt wird. Mit der Liebe zum âVaterlandâ ist bereits impliziert, dass man andere LĂ€nder eben nicht liebt â somit findet, obwohl nach der eben genannten Definition angeblich nicht gegeben, durchaus eine strukturelle Abgrenzung zwischen âdeutschâ und ânicht-deutschâ statt. Und hier setzt der Mechanismus des Nationalismus ein. Wie bei fast allen Sportarten, so auch im FuĂball, geht es um das Gewinnen â die AnhĂ€nger der deutschen Nationalmannschaft wollen, dass âDeutschlandâ gewinnt und heben mit FangesĂ€ngen âihrâ Land in den Vordergrund, wĂ€hrend auf der anderen Seite die Gegner herabgesetzt werden. Das kann von den âfaulen Griechenâ bis zu den âNegernâ gehen â die Anzahl an Beispielen ist nahezu unbegrenzt. Klischees werden publik gemacht, um das ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl durch das Herabsetzen der gegnerischen Mannschaft zu stĂ€rken. Markant ist auch, dass Straftaten mit fremdenfeindlichem oder rassistischem Hintergrund wĂ€hrend Europa- oder Weltmeisterschaften abrupt ansteigen â das breite Spektrum von spontanen SchlĂ€gereien, verbaler Diskriminierung oder geplanten Angriffen auf Migrant*innen sind dabei vertreten. Einen traurigen Höhepunkt in der Vorrunde markierte das Spiel gegen Ghana. Zwei AnhĂ€nger der deutschen National-Elf malten sich das Gesicht schwarz â das sogenannte âBlackfaceâ, das im 19. Jahrhundert in US-amerikanischen Theatern eingesetzt wurde, um sich ĂŒber Farbige lustig zu machen, indem diese als besonders dumm und naiv dargestellt wurden. Die angeblich so begrĂŒĂenswerte Liebe zum Vaterland schlug bei einigen um in offenen Rassismus. Noch drastischer und rassistischer Ă€uĂerte sich auch eine Nutzerin auf Twitter mit folgender Aussage, die man wohl unkommentiert lassen kann: âHoffentlich sterben ein paar Schwarze mitten auf dem Spielfeld an AIDS. #GERGHAâ
Nationalismus als Motor der WM
Doch nationale IdentitĂ€t ist einer der Hauptantriebe der FuĂball-Weltmeisterschaft. Bei keinem Spiel werden auch nur annĂ€hernd viele Zuschauer*innen vor die Fernseher und LeinwĂ€nde gelockt wie bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft. Das weiĂ die FIFA auch und nutzt somit die Strukturen der Nationalstaaten, um die Begeisterung der Bevölkerung zu wecken, obwohl durchaus andere Einteilungen möglich wĂ€ren wie beispielsweise die Erstellung gleich bevölkerungsstarker Distrikte, was rational gesehen deutlich fairer wĂ€re. Auch fĂŒr die Werbeindustrie ist die Benutzung von nationalen Symbolen und Farben von groĂer Bedeutung. âWir sind deutsch, wir fiebern mit, wir sind eine*r von euchâ lautet die Botschaft der Werbetreibenden â und das Konzept geht auf.
Die Illusion des nationalen GefĂŒges
Der aufkochende Patriotismus und Nationalismus bringt die Sehnsucht vieler zum Ausdruck, sich zurĂŒck in die Einfachheit der nationalen GefĂŒge zu bewegen, weg von der KomplexitĂ€t der Globalisierung und der internationalen Belange. Mehr national bedeutet weniger international, doch eine RĂŒckkehr in die Nationalstaaten ohne Einmischung von auĂen ist ein Wunschdenken, dessen Durchsetzung wohl kaum begrĂŒĂenswert wĂ€re â der nationale Gedanke ist mittlerweile ein ewig gestriger, ein regressiver Gedanke. Vielmehr wĂ€re es nötig, sich dem Globalen zu öffnen und die ZusammenhĂ€nge zu begreifen, anstatt sie zu verleugnen oder zu ignorieren und tatsĂ€chliche Gemeinschaften mit echten Gemeinsamkeiten zu schaffen, anstatt sich alle Jahre wieder der kĂŒnstlichen Gemeinsamkeit der nationalen IdentitĂ€t zu bedienen.
Alles Nazis, oder was?
âDie billigste Art des Stolzes ist hingegen der Nationalstolz. Denn er verrĂ€t in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen wĂŒrde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche VorzĂŒge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie bestĂ€ndig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbĂ€rmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein.â â Arthur Schopenhauer NatĂŒrlich ist nicht jede*r, der ein Trikot trĂ€gt oder eine Flagge der Bundesrepublik Deutschland schwingt, ein*e Nationalist*in. Dies wĂ€re einerseits realitĂ€tsfern und andererseits eine Vereinfachung der Vielfalt der WM-Zuschauer*innen. Doch eines ist klar: Eine Staatsflagge ist kein Symbol des FuĂballs und wird es auch niemals sein. FuĂball feiern geht auch ohne Nation und ohne Ausgrenzung anderer. Weniger Deutschland, weniger gegeneinander, mehr mit anderen Fans feiern, frei von Respektlosigkeit oder Klischees. Dies sollte das Ziel jeder, auch dieser FuĂball-Weltmeisterschaft 2014 sein.
Anti-Demokratische WĂŒnsche nach Demonstration in Hamburg?
Teile der Hamburger Politiklandschaft will das Demonstrationsrecht beschrĂ€nken, nachdem die Demonstrationen, vorwiegend von Linken organisiert, aus dem Ruder liefen. TschĂŒss, eines der wichtigsten demokratischen Errungenschaften, hallo Beschneidung derer. Niemand sollte so naiv sein, nur de Symptome zu bekĂ€mpfen, sondern die GrĂŒnde fĂŒr die Demonstration mĂŒssen ins Auge genommen werden. Keine Luxuswohnungen auf Kosten von Wohnungen fĂŒr weniger Wohlhabende. Keine Spekulationen auf Wohnraum. Das sind die Probleme, die vorherrschen, nicht die Demonstrierenden. Rise up!
GroKo - GroĂes Kotzen mit GroĂen Kosten
Ja, da wĂ€re er nun - der Koalitionsvertrag der Union und der SPD.Â
Jede der Parteien proklamiert natĂŒrlich, selbst die markantesten Punkte bestimmt zu haben - doch darauf kommt es im Endeffekt auch nicht an.Â
Vor allem eine Sache dĂŒrfte verstĂ€ndlicherweise fĂŒr UnverstĂ€ndnis sorgen: GroĂ wird die Abschaffung der Neuverschuldung ab 2015 angekĂŒndigt. Und doch: Die Ausgaben sind (nach Angaben der KoalitionĂ€re) ca. 23 Mrd.⏠hoch. WĂ€hrend die SPD durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes die stĂ€rker werdende Differenz zwischen Arm und Reich senken wollte und somit auch die Kassen fĂŒllen wollte, lautete die Linie der Union: "Alles bleibt, wie's war." und sorgt so fĂŒr ein finanzielles Debakel.Â
"Deutschlands Zukunft gestalten" lautet der offizielle Titel. Doch gehört eine Finanzierungsgrundlage offensichtlich nicht dazu.Â