Nächtebucheintrag 6
Sie waren bei mir zuhause und wollten, dass ich mit ihnen in den Krieg ziehe, doch glücklicherweise hatte ich die kleine Schwester aus dem Traum von heute Morgen noch, auf die ich doch aufpassen musste.
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Nächtebucheintrag 6
Sie waren bei mir zuhause und wollten, dass ich mit ihnen in den Krieg ziehe, doch glücklicherweise hatte ich die kleine Schwester aus dem Traum von heute Morgen noch, auf die ich doch aufpassen musste.
Nächtebucheintrag 5
Die letzten drei Minuten, als der Wecker so bereits geklingelt hat, habe ich noch geträumt, hier in meinem Zimmer zu sein, wobei es im Traum ein Kinderzimmer mit Clowns überall war, mir gegenüber saß ein Baby und nahm mein Handy und erschoss mich damit. Ich vergab ihm, weil es wohl bloß versuchen wollte, den Wecker auszustellen
Nächtebucheintrag 4
Ich bin in den letzten drei Stunden Schlaf dreimal aus dem Bett aufgesprungen.
(Ich weiß auch, wieso ich dies tat.)
Was das erste Mal anging, kann ich mich nicht daran erinnern, was im Traum passiert war, aber glaube, es handelte sich dabei um eine Banalität.
Beim zweiten Mal habe ich meiner Mutter zugerufen, sie solle meine alten Tagebücher nicht verbrennen. Sie hatte gefragt, nachdem sie sie bereits verbrannt hatte, ich meinte, es ihr irgendwie im Schlaf erlaubt gehabt zu haben und wusste nicht, wie ich ihr erklären sollte, dass man Leute so etwas nicht fragt, während sie schlafen. Mein Vater, der nie Tagebuch geführt hatte, habe sich auch so geärgert und daraufhin ihr Buch mit Fotos von ihr aus ihrer Jugend verbrannt, war ihre Antwort. Auch an dieser Stelle hat es mich nicht gewundert, dass sie so eines besaß, obwohl das gar nicht der Fall ist. Bei dem Tagebuch mit der Katze drauf habe sie selbst es auch etwas schade gefunden, sie mag ja schließlich Katzen. Ob sie das mit den Engeln auf dem Cover ebenso entsorgt habe, habe ich gefragt, denn ich habe mich daran erinnert, dass sie Bilder mit Engeln an ihren Wänden, Kerzen, Lampen und Figuren, die wie Engel aussehen hat sowie dass dieses hier im Regal steht. Nun wollte ich eher wissen, ob sie hier in der Wohnung gewesen war. Ich wusste, sie hatte auch Seiten ausgerissen, aus einem, an das ich mich schon gar nicht mehr erinnern sollte, was eigentlich als Telefonbuch hätte dienen sollen, da war eine kleine Giraffe darauf, darin standen ein paar Sachen mit Gel-Pen, in lila. Außerdem machte ich mir Sorgen um das schwarze Tagebuch, in dem so viele der Dinge standen, die Grund dafür waren, dass ich so lange nicht reden konnte, das ich nie wieder gefunden habe. Ob das vielleicht doch noch da sei. Habe es immer irgendwie im Keller vermutet, wo auch das Bild versteckt war, auf dem ich so weit im Absatz stand. An der Stelle bin ich aus dem Bett aufgesprungen. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, es weggeworfen zu haben, gerade weil ich mich nicht erinnern wollte.
Beim dritten Mal habe ich euch und irgendwelchen Leuten zugerufen, sie sollen mich endlich in Ruhe lassen.
(Aber ich sage es euch nicht.)
Lass den Sinn meiner Hände nicht mehr nur zu zittern sein,
lass mich wissen, wovon ich besessen sein soll.
Lass mich in Ruhe.
Nächtebucheintrag 3
Es gibt zwei Träume, von denen ich mir nicht sicher bin, welcher davon der erste war, den ich hatte, an den ich mich heute noch erinnern kann.
In einem stand ich vor einem großen Feld, nichts als das Feld war weit und breit zu sehen, alles brannte lichterloh.
Im anderen Traum war alles schwarz und weiß und ich war in der Grundschule, wir hatten jeder etwas bekommen, das wie eine Pusteblume aus Metall aussah, wobei die Samen alle bereits fortgeflogen waren. Daran sollten wir uns festhalten und auf diese Weise konnten wir selbst die Treppen hinauf und zum Klassenzimmer fliegen. Ich glaube, ich hatte Schwierigkeiten, meine Jacke am Haken davor aufzuhängen, weil meine Pusteblume mich weiter in Richtung Decke zog.
Als ich früher im Haus meiner Großeltern schlief, kam in meinen Träumen ein- bis dreimal Batman zu Besuch, obwohl ich mich nie viel mit Batman beschäftigt hatte, Darkwing Duck hatte ich bestenfalls am Vortag gesehen. Er meinte, er sei da, um zu helfen. Ich meine, mich zu erinnern, dass er direkt im Anschluss daran immer wieder gegangen ist, ohne großartig irgendetwas getan zu haben.
Aber das Gedächtnis ist ja bekanntermaßen so verlässlich, wie sonst wer, wenn man ihn braucht.
Einmal bin ich mit der Bahn (ich träume übrigens seit Jahren ständig von Bahnen und Bahnhöfen, einmal habe ich einen Bahnhof gesehen, der wie ein Freizeitpark gestaltet war, wo man die Rutsche oder das Riesenrad nahm, um zum Gleis zu gelangen, normalerweise finde ich letzteres oder den Bahnhof an sich aber vor allem nicht und so) nach Hause gefahren, da hatte ich gerade meine erste große Lüge besucht und bin eingeschlafen, irgendwann kam die Schaffnerin vorbei, hat mich angestupst und geweckt und ich habe sie gebeten, man möge mich doch bitte nicht wieder anspucken, wie meine erste große Lüge es ein paar Stunden früher getan hatte. Mit Whiskey und weil ich ja nicht die Bahn verpassen sollte. Eine Viertelstunde zu früh, er meinte, man könne ja vorher noch einmal Sex haben. Immer noch dreizehn Minuten zu früh. (In der letzten Reihe des Abteils hat ein Typ gelacht, der hat auch wieder zu lachen angefangen, als alle ausgestiegen sind und ich an ihm vorbeigelaufen bin.) Was war ich verliebt, dass ich meine erste große Lüge danach noch fünfzigmal besuchen gefahren bin, irgendwann bin ich auch mit ihm in eine Wohnung gezogen, aber das ist eine andere Geschichte.
Zu meiner Verteidigung: Ich war vorher jahrelang alleine und war so froh, dass irgendjemand überhaupt ab und an mal mit mir zu tun hatte. Und ich habe tagsüber geschlafen, weil meine erste große Lüge sich damals im Bett so breit gemacht hat, dass ich ständig auf dem Boden liegen musste.
Trotzdem bin ich zuhause nachts hier und da wachgeworden und habe meine Decke, an die ich mich gekuschelt hatte, kurz für ihn gehalten und war dann traurig, dass es nur in meiner Einbildung so gewesen war.
Habe auch mal ein Gedicht für ihn geschrieben:
“Ich werde einfach bei 50tausend Schäfchen anfangen,
Anstatt in den Nachtbus zu steigen,
Um nach Hause zu fahren, während du dort schläfst.
Ich würde doch nur wieder in der letzten Reihe sitzen.
Gestern warst du hier und ich habe dich
Zum Bus gebracht,
Er fuhr noch regelmäßig alle zehn Minuten.
Als ich wiederkam, stand da noch
Dein dreckiger Teller, der alles war
(Um ehrlich zu sein: Die ganze Küche war dreckig)
Woran ich den restlichen Abend lang denken konnte.
Ich würde dich doch nur wecken.
Wenn ich jetzt wachliege
Und mich auf die andere Seite drehe -
Das war immer meine liebste Tageszeit.
Und du hast immer regelmäßig und mindestens
Neun Stunden lang geschlafen,
Ich weiß nicht mehr, was ich diese neun Stunden lang gemacht habe.”
Das stimmt nicht ganz, ich war diese neun Stunden sehr oft nachts wach und habe versucht, jemanden zu finden, der mit mir darüber redet, was mein Freund mit mir gemacht hat. Gesoffen habe ich auch, weil ich sonst das Maul nicht aufbekommen hätte, obwohl meist gar niemand da war.
Müde, müde
Morddrohungen
mit Zeilenumbrüchen,
mit Mayonaise.
Nächtebucheintrag 2
Zugegebenermaßen habe ich wieder ein späternachmittagliches Nickerchen gemacht. Während des Einschlafens hat eine Frauenstimme mich gewarnt, ich solle mich nie wieder hier blicken lassen. Von dort aus, wo sie war, ich konnte sie nicht sehen, nur hören, aber ich wusste, wo sie war. Sie hat diese Worte wiederholt, sie hat sie auch wiederholt, als ich gefragt habe, wieso, obwohl ich selbst wusste, wieso, zumindest tausend gute Gründe habe.
Es hat sich dabei nicht um mein Zuhause gehandelt.
Anschließend hat ein Mann mir gesagt, ich solle wiederkommen. Zu ihm, auch ihn konnte ich nicht sehen, auch er hat nicht gesagt, wieso, doch ich konnte es erahnen.
Ich kann mich nicht daran erinnern, ob ich im Traum gegangen bin, aber ich weiß, ich war im Wachleben heute wieder dort, heute ist wenig passiert, es war auch mitten am Tag. Ich wollte nicht wirklich und will nie wieder, aber es liegt so ein Stück weit auf dem Weg.
Als ich wieder aufgestanden bin, bin ich, den Wecker in den Händen haltend, weil ich überlegt habe, eine halbe Stunde später vielleicht noch einmal klingeln zu lassen, immer mal wieder eingenickt, nach fünf bis zehn Minuten des Ein- und Aufwachens aber habe ich mich daran erinnert, dass ich noch Brot und Käse im Haus hatte.
Nächtebucheintrag 1
Ich habe hier zwei Fruchtfliegen im Zimmer. Manchmal landen sie auf meinen Beinen und kitzeln. In letzter Zeit habe ich mehrfach von Wespen geträumt, weil ich sie im Schlaf summen gehört habe. Neulich landete eine wohl auf meinem Hals. Im Traum fuhr ich gerade mit einem Bus ohne Dach einen sehr steilen Weinberg hinauf, ich bin übrigens in einem anderen Traum mit demselben Bus schon einmal dieselbe Strecke gefahren. Aus irgendeinem Grund bekam ich kaum Luft, sodass ich also zugleich fürchtete, die Wespe könne mir in den Mund fliegen und ich würde aus dem Bus fallen, ich konnte sie ja nicht verjagen, da ich mich so sehr an einer dieser Metallstangen festklammern musste, wie sie in Traumbussen eben zu finden sind, obwohl sie einen Moment vorher noch gar nicht da waren. Ich war mir meines Todes schon recht sicher,
wobei es für mich noch schlimmer war, zu befürchten, ich könne das Tier einfach verschlucken - nicht etwa, weil es mich im Hals so hätte stechen können, dass ich gar keine Luft mehr bekommen hätte, hier und da mag ich gar nicht auf die Straße gehen, denn ich weiß ja, mindestens alle drei Schritte trete ich irgendein Insekt tot und eigentlich weiß ich nicht, weshalb dessen Leben weniger wert sein sollte als meins.
(Dass man im Jahr mindestens sechs Spinnen verschluckt, während man schläft, sei übrigens ein Gerücht, hat mich in der achten Klasse mal eine Mitschülerin verbessert, wobei sie das von ihrem Vater hatte, der sie möglicherweise einfach hatte beruhigen wollen. Der Vater selbst hat Seminare für verzweifelte Männer abgehalten, in denen er jenen erklärt hat, wie man Frauen ins Bett kriegt, das arme Kind. Jung und dumm, wie wir waren, sind wir einmal vor ihm weggerannt, während es auf dem Klo saß, wir durften dafür und für die Dinge, die die anderen Kinder ihm angetan hatten, einen zweitägigen Ausflug machen, in dem sie uns Sozialkompetenz beizubringen versucht haben. Ich hatte auf dem Hinweg in der Bahn meine Tage bekommen, durfte nicht mehr aufs Klo gehen, weil wir an der nächsten Haltestelle aussteigen sollten, bis zur Jugendherberge lief man noch zwanzig Minuten, dort hat das dafür so gut funktioniert, dass mich nicht eine Person auf den eingetrockneten Rorschachtest zwischen meinen Beinen angesprochen hat. Wir mussten, um die Gruppendynamik zu verbessern, über Stühle klettern. Ich war fett, pickelig, trug eine Brille und hatte mir die Haare bunt gefärbt. Kein Wort.)
Stattdessen bin ich aufgewacht. (Was mit der Fliege passiert ist, weiß ich nicht.)
Später am Abend (es handelte sich bei dem oben beschriebenen Traum um einen Mitttagsschlafstraum) hatte ich beim Einschlafen (wie so oft allerdings) das Gefühl, zu fallen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wovon ich nachts noch geträumt habe.
Ich will eigentlich nur ausprobieren, ob meine Posts mittlerweile endlich angezeigt werden, sucht man nach den entsprechenden Tags...
Die Illusion
Ich träume
Sie liegt neben mir
Ich sage mir, dass ich träume
Aber der Druck ihrer Hand auf die meine erscheint mir zu fest
Ich wache auf
Sie liegt wahrhftigt und tatsächlich neben mir
Wahnsinniges Glücksgefühl
Ich schalte das Licht an
Das Licht scheint eine Hundertstel Sekunde auf und erlischt
(eine geplatzte Birne)
Ich umarme sie
(ich wache auf: ich bin allein)
Georges Perec, 1968
latiti
der hahn tröpfelt
das entchen quietscht
die möwe klaut pommes
und der papagei auf meiner schulter
und der papagei auf meiner schulter
und der papagei auf meiner schulter
reißt sich das gefieder aus