„Da hätten wir was Praktisches für Sie. Steht so im Tarif drin, kostet außer dem Selbstbehalt nix.“ Wenn dir der Bandagist diesen Satz sagt und dabei stolz auf ein weißes Plastikgestell zeigt, das aussieht, als hätte es jemand auf der Rückseite vom Hofer-Parkplatz aus Resten zusammengeschweißt – atme tief durch. Genau dieser Stuhl kann dich gleich mehrmals täglich in echte Gefahr bringen. Wir reden hier nicht über Komfort. Wir reden über deinen nackten Allerwertesten, harte Fliesen und das österreichische Gesundheitswesen, das dir mit dem billigsten erhältlichen Produkt aus dem Heilbehelfeverzeichnis abspeisen will. Was ist ein Duschrollstuhl überhaupt? Ein Duschrollstuhl –
„Da hätten wir was Praktisches für Sie. Steht so im Tarif drin, kostet außer dem Selbstbehalt nix.“
Wenn dir der Bandagist diesen Satz sagt und dabei stolz auf ein weißes Plastikgestell zeigt, das aussieht, als hätte es jemand auf der Rückseite vom Hofer-Parkplatz aus Resten zusammengeschweißt – atme tief durch. Genau dieser Stuhl kann dich gleich mehrmals täglich in echte Gefahr bringen. Wir reden hier nicht über Komfort. Wir reden über deinen nackten Allerwertesten, harte Fliesen und das österreichische Gesundheitswesen, das dir mit dem billigsten erhältlichen Produkt aus dem Heilbehelfeverzeichnis abspeisen will.
Was ist ein Duschrollstuhl überhaupt?
Ein Duschrollstuhl – im Pflegejargon „Dusch- und Toilettenrollstuhl“ oder kurz „Duschrolli“ – ist ein wasserfester Rollstuhl mit Aussparung im Sitz. Er ersetzt zwei Möbelstücke gleichzeitig: die Duschbank und den Toilettensitz. Du fährst damit unter die Dusche, seifst dich ein, lässt dich abbrausen, rollst nass übers Klo und erledigst – Stichwort Darmmanagement – dein Geschäft. Alles in einem Hilfsmittel.
Klingt unspektakulär. Ist es nicht. Denn dieser Stuhl wird täglich 30 bis 60 Minuten lang unter Bedingungen benutzt, die jedes andere Möbelstück sofort zur Sondermülldeponie schicken würden: heißes Wasser, Seife, gelähmte Haut, keine Bodenhaftung. Und genau deshalb ist der Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem billigen Duschrolli der Unterschied zwischen selbstständigem Leben und Notaufnahme im LKH.
Heilbehelf oder Hilfsmittel? Das ist in Österreich nicht egal
Bevor wir loslegen, ein juristischer Schnellkurs. In Österreich unterscheidet das ASVG zwischen zwei Begriffen, die der Sachbearbeiter ständig durcheinanderwirft – und du musst sie auseinanderhalten können:
- Heilbehelf (§ 137 ASVG): Wird während einer Krankheitsbehandlung gebraucht, um zu heilen oder eine Verschlechterung zu verhindern (z. B. eine Bandage, eine Brille). Zeitlich begrenzt.
- Hilfsmittel (§ 154 ASVG): Kommt nach Abschluss des Heilungsprozesses zum Einsatz – also bei Verstümmelungen, Verunstaltungen und körperlichen Gebrechen. Im Klartext: nach der Querschnittlähmung, dauerhaft.
Ein Duschrollstuhl ist bei dauerhafter Querschnittlähmung fast immer ein Hilfsmittel nach § 154 ASVG. Das ist wichtig, weil die Kostenübernahme über die Satzung des jeweiligen Versicherungsträgers geregelt ist – und nicht jeder Sachbearbeiter weiß das. Wenn er dir was von „nur einfacher und zweckentsprechender Ausführung“ erzählt, zitiert er aus § 137 (Heilbehelf) und vermischt das mit § 154. Das ist juristisch falsch und du darfst – freundlich – darauf hinweisen.
⚖️ Die magische Formel der ÖGK
§ 133 Abs. 2 ASVG – „ausreichend und zweckmäßig, darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“. Das ist der Lieblingssatz jedes Bewilligungssachbearbeiters. Übersetzt: Das billigste Modell, das halbwegs unter die Beschreibung passt, gewinnt. Dein Job ist es, mit dem Befund deines Facharztes klarzumachen, warum das Kassenstandardmodell bei dir eben NICHT ausreichend und zweckmäßig ist – sondern fahrlässig.
Warum der intimste Moment des Tages die beste Ausstattung verdient
Duschen und Klogang sind die zwei verletzlichsten Situationen, in denen du jeden Tag bist. Du bist nackt. Du bist nass. Du bist eingeseift und damit so rutschig wie ein Aal in Vaseline. Und du sitzt auf einem Stück Hartplastik, das auf nassen Fliesen steht.
Wenn dieser Stuhl wegrutscht, kippt oder unter dir zusammenfällt, dann gibt es kein „kurz aufstützen“. Du knallst aus 50 cm Höhe nackt auf den Fliesenboden. Das endet typischerweise mit gebrochener Hüfte, aufgeschlagenem Hinterkopf oder im günstigsten Fall mit einer eingedrückten Schulter, die dir den Aktivrollstuhl-Antrieb für die nächsten drei Monate ruiniert. Und während du blutest, klingelt deine mobile Hauskrankenpflege – die in 90 Minuten zur Stelle ist.
Wenn man dazu noch bedenkt, dass viele Querschnittgelähmte 30 bis 90 Minuten auf dem Duschrolli sitzen (Stichwort Darmentleerung, Sphinkter-Massage, suprapubisches Klopfen), wird klar: Das ist kein Möbelstück, das man „halt mal kurz“ benutzt. Das ist dein zweitwichtigstes Sitzgerät nach dem Aktivrolli.
Die 4 Kriterien, an denen sich Müll von Maßanzug trennt
1. Die Räder: Selbstfahrer oder ewiges Geschobenwerden?
Wenn du Armfunktion hast (Paraplegiker, tiefe Tetras ab C7 abwärts), dann besteh kompromisslos auf große 24-Zoll-Antriebsräder mit Greifreifen – wie an deinem normalen Aktivrolli. Beim Aquatec Ocean Ergo gibt’s die als Werksvariante oder als Nachrüstset inklusive Bremsen und Steckachsen.
Warum so wichtig? Weil dir mit kleinen Rollen (sogenannten Castern) jede Selbstständigkeit verloren geht. Du kannst dich nicht selbst von der Dusche zum Klo schieben – jemand muss dich schieben. Heißt: Pflegeperson rein, Tür zu, und tschüss Privatsphäre. Der intimste Moment des Tages mit Publikum. Leiwand.
- Mit 24-Zoll-Greifreifen: Du fährst selbst. Du entscheidest, wann du fertig bist. Du brauchst keine Pflegekraft im Raum.
- Mit kleinen Castern: Du bist auf eine zweite Person angewiesen. Jede Toilettensitzung wird zum Termin.
2. Überfahrhöhe: Passt er übers Klo – oder nicht?
Das ist der Klassiker, an dem 90 % der Kassenmodelle scheitern. Sie sind so tief gebaut, dass die Sitzfläche unterhalb der Höhe einer normalen Toilettenschüssel sitzt. Bedeutet: Du kannst nicht über dein WC fahren. Du musst stattdessen den kleinen Plastik-Toilettentopf benutzen, der unten am Stuhl hängt, und ihn danach selbst (oder die Pflege) ausleeren und schrubben.
Das ist – mit Verlaub – Mittelalter. Wenn du einmal probiert hast, deinen eigenen Topf zu leeren, während dein Allerwertester noch unappetitliche Spuren hinterlässt, weißt du, wovon ich rede. Ein anständiger Duschrolli (Aquatec Ocean Ergo, Etac Clean, Drive Cologne) hat eine höhenverstellbare Sitzfläche und passt sauber über handelsübliche österreichische Stand- und Wand-WCs. Du fährst drüber, machst dein Geschäft direkt rein, fertig. Würde gerettet.
📏 Vorher messen – immer!
Hol das Maßband raus, bevor irgendwer einen Duschrolli bestellt. Du brauchst: 1. Sitzhöhe deiner Kloschüssel (in Österreich meist 40–46 cm bei Standard-WCs), 2. Breite des WCs an der breitesten Stelle, 3. Abstand WC-Vorderkante bis zur nächsten Wand bzw. Dusche. Diese drei Maße + die Maße des Duschrollis ergeben, ob das Ding bei dir funktioniert. Niemand fragt das im Sanitätshaus. Du musst es selbst tun.
3. Polsterung: Hartplastik = Dekubitus auf Raten
Du sitzt auf gelähmter Haut. Du hast keine Schmerzempfindung im Hintern. Und du bist nass – das heißt, deine Haut weicht auf wie Toilettenpapier in der Spülung. Wenn du jetzt zusätzlich auf hartem, rutschigem Plastik sitzt, hast du die perfekte Trifecta für einen Dekubitus: Druck + Reibung + Nässe.
Ein vernünftiger Softsitz aus Polyurethan oder Memoryschaum mit schlüsselförmiger Aussparung kostet einen dreistelligen Aufpreis – und ist die billigste Lebensversicherung, die du je kaufen wirst. Beim Aquatec Ocean Ergo gibt’s das mit Sitzwinkel von 5° (Knie höher, natürlichere Kackposition – ja, das ist ein Ding), beim Etac sind die Polster sogar abnehmbar zum Waschen.
Lies dazu unbedingt auch: „Dekubitus Level Red – Die unzensierte Wahrheit über den offenen Hintern“. Wenn du verstehst, wie schnell so ein Druckgeschwür entsteht, willst du nie wieder auf nacktem Plastik sitzen.
4. Stabilität und Kippsicherheit – Wackeldackel oder Felsen?
Nimm den Stuhl an der Rückenlehne und schüttle ihn. Wenn da auch nur 5 mm Spiel im Rahmen sind: weg damit. Du transferierst (von Bett auf Stuhl, von Stuhl auf Dusche) seitlich oder frontal. Bei jedem Transfer drückst du dein gesamtes Körpergewicht punktuell auf eine Armlehne oder Sitzkante. Ein wackeliger Rahmen kippt dabei. Ein stabiler Edelstahlrahmen (z. B. der Ocean Ergo mit rostfreiem Edelstahlrahmen, Belastbarkeit 150 kg, XL-Variante 180 kg) hält das aus.
Bonus: Anti-Kipp-Stützen hinten. Bei einigen Modellen werkseitig dabei, bei anderen für ein paar Euro nachrüstbar. Wenn du Spastik hast oder beim Husten schon mal nach hinten geschleudert wirst, ist das kein Luxus, sondern Pflicht.
Aquatec Ocean, Etac & Co. – die echten Player im Vergleich
Es gibt im österreichischen Markt drei bis vier Marken, die ernst zu nehmen sind. Das hier ist keine Werbung – es ist meine Erfahrung und die von Hunderten Querschnittgelähmten in den österreichischen Foren:
ModellStärkenSchwächenWann sinnvoll?Aquatec Ocean Ergo (Invacare)Edelstahlrahmen, modular, 24-Zoll-Selbstfahrervariante, Sitzwinkel 5°, riesiges Zubehörprogramm – in allen großen österreichischen Sanitätshäusern verfügbarStandard-Sitz hart – Softsitz extra bestellen!Para mit guter Armfunktion, der selbstständig duschen willAquatec Ocean Ergo VIPSitzwinkelverstellung (Kantelmechanismus) für Druckentlastung im SitzenTeurer, schwerer, größerer PlatzbedarfHohe Querschnittlähmung mit Druckstellen-RisikoEtac Clean / SwiftSkandinavisches Design, leichte Reinigung, abnehmbare PolsterIn Österreich seltener im Kassenkatalog, längere LieferzeitWenn dir Hygiene und Ästhetik wichtig sindDrive Medical (Cologne, Tampa)Solide Mittelklasse, gutes Preis-Leistungs-VerhältnisWeniger anpassbar als Aquatec/EtacWenn die Kasse beim Premium-Modell mauertKassen-Standardmodell („weißes Plastik“)Nichts.Wackelig, kleine Räder, niedriger Sitz, hartes Plastik, schlechte ErgonomieNie.
🏪 Sanitätshäuser in Österreich
Vertragspartner der ÖGK sind u. a. Bständig (Wien, Tirol, Salzburg, OÖ), Sanitätshaus Stölzle, Heindl Reha, Frühwald (NÖ), Sanitas, Steckenbauer, Maierhofer, Egger (Kärnten/Stmk.). Geh zu mindestens zwei – die führen oft unterschiedliche Marken und beraten unterschiedlich engagiert. Lass dir IMMER eine Probesitzung am ausgewählten Modell geben. Aquatec hat dafür auch Vorführmodelle direkt beim Bandagisten.
Kassenmodell vs. Premium – Der ehrliche Direktvergleich
Damit klar ist, worüber wir reden – hier die nackten Zahlen. Preise sind typische Korridore im österreichischen Sanitätshandel (Stand 2026):
MerkmalKassenmodell (Standard)Premium (Aquatec / Etac)RahmenmaterialStahl pulverbeschichtet (rostet bei Schaden)Edelstahl rostfreiRäder4 kleine Caster (Schiebebetrieb)Optional 24-Zoll-Greifreifen (Selbstfahrer)SitzflächeHartplastik, fixe FormErgonomisch konturiert, Softsitz optional, Sitzwinkel 5°Sitzhöhe verstellbarSelten / werkzeugaufwendigWerkzeuglos, mehrstufigWC-ÜberfahrbarkeitOft nicht gegeben → TopfbetriebKonstruiert für österreichische Standard-WCsBelastbarkeit100–120 kg150 kg (XL: 180 kg)ZubehörprogrammMinimalUmfangreich (Kopfstütze, Bauchgurt, Anti-Kipp, Softsitz, Kantelung)Listenpreis (ca.)250 – 450 €900 – 1.800 € (VIP bis 2.500 €)
ÖGK, SVS, BVAEB & KFA: Wer zahlt dir in Österreich was?
Je nachdem, wo du in Österreich versichert bist, läuft die Sache leicht unterschiedlich. Hier der Überblick mit den relevanten Werten 2026:
TrägerWer? Was?Selbstbehalt / HöchstgrenzeÖGKÖsterreichische Gesundheitskasse – Unselbstständige, Arbeitslose, Pensionist:innen, Mindestsicherungsempfänger:innen. Größter Träger, neun Landesstellen.10 % der Kosten, mind. 46,20 €. Befreit: Rezeptgebührenbefreite.SVSSozialversicherungsanstalt der Selbstständigen – Gewerbetreibende, Bauern, Neue Selbstständige.Kostenübernahme grundsätzlich bis max. 2.310 € (inkl. USt). Selbstbehalt analog.BVAEBBeamte, Eisenbahner, Bergbau. Eigene Tarife laut B-KUVG.10 % Selbstbehalt, mind. 20 % der täglichen Höchstbeitragsgrundlage; Sonderhöchstgrenze bis 25-fache HBG bei Krankenfahrstühlen.KFAKrankenfürsorgeanstalten der Länder/Städte (z. B. KFA Wien für Wiener Stadt-Bedienstete). Eigene Satzungen.Variiert je nach Satzung – bei KFA Wien oft günstiger als ÖGK.
Wichtig: Sobald die Verordnung deines Arztes vorliegt, übernimmt der Vertragspartner (das Sanitätshaus) in der Regel die gesamte Bewilligungsabwicklung mit der Kasse. Du musst nichts selbst zur ÖGK tragen – das geht elektronisch via ELDA. Für den Duschrolli ist in Österreich bei allen Trägern eine vorherige Bewilligung erforderlich, weil er kein „Tarifprodukt“ wie ein Verband ist.
So argumentierst du dir den richtigen Duschrolli raus
Diese Formulierungen sind kein Bandagisten-Bullshit. Das sind die Sätze, die im fachärztlichen Befund stehen müssen, damit der Sachbearbeiter den Bewilligungsstempel rausholt. Diktier sie deinem Neurologen, Unfallchirurgen oder Reha-Mediziner ins Diktiergerät:
- Sicherheit beim Transfer: „Aufgrund der bestehenden Querschnittlähmung Th6 (oder dein konkretes Niveau) und der dadurch reduzierten Rumpfstabilität ist ein Dusch- und Toilettenrollstuhl mit erhöhter Kippsicherheit, ergonomischem Sitz und Anti-Kipp-Stützen medizinisch zwingend erforderlich. Standardmodelle stellen im Nassbereich eine akute Sturzgefahr dar und sind somit nicht ausreichend und zweckmäßig im Sinne des § 154 ASVG.“
- Selbstständige Körperpflege: „Zur Wahrung der Selbstständigkeit und Intimsphäre ist ein Modell mit 24-Zoll-Antriebsrädern zwingend notwendig, da andernfalls bei jeder Hygienemaßnahme eine Pflegeperson zugegen sein muss. Dies hätte zusätzliche Kosten für mobile Hauskrankenpflege und/oder 24-h-Betreuung zur Folge.“ – Die ÖGK kennt die Kosten für Hauskrankenpflege. Selbstständigkeit ist ihr Lieblingsargument.
- Dekubitus-Prophylaxe: „Aufgrund der Sensibilitätsstörung im Sitzbereich und der erhöhten Hautmazeration unter Nässeeinwirkung ist eine druckverteilende, ergonomische Sitzfläche (Polyurethan-Softsitz) zur Vermeidung eines Dekubitus medizinisch indiziert.“ – Das Wort „Dekubitus“ ist magisch. Niemand bei der ÖGK will einen Dekubitus auf der Bilanz.
- WC-Überfahrbarkeit & Würde: „Eine ausreichende Sitzhöhe zur Überfahrbarkeit handelsüblicher Toilettenbecken ist zur Wahrung der Würde sowie zur Vermeidung unhygienischer Topfentleerung durch Pflegekräfte erforderlich.“
💡 Profi-Trick: Modell + Hersteller direkt benennen
Lass deinen Arzt im Befund das gewünschte Modell konkret benennen: „Verordnet wird ein Aquatec Ocean Ergo-5 mit 24-Zoll-Selbstfahrerausstattung, Softsitz und ergonomischer Sitzfläche.“ Damit kann der Bandagist beim Bewilligungsantrag genau dieses Produkt einreichen – und der Sachbearbeiter hat keinen Spielraum mehr, dir was Billigeres unterzujubeln. Wenn die Kasse abweicht, muss sie das medizinisch begründen, nicht du.
Wenn die Kasse trotzdem „Nein“ sagt – dein Einspruchs-Fahrplan
Manchmal kommt der Ablehnungsbescheid trotzdem. „Standardversorgung ausreichend.“ Schöner Satz. Nicht aufgeben. So gehst du in Österreich vor:
- Klagebescheid verlangen: Bei ablehnender Auskunft des Sachbearbeiters ausdrücklich einen schriftlichen Bescheid mit Rechtsmittelbelehrung verlangen. Ohne diesen Bescheid kannst du nicht klagen. Frist für den Bescheid: 6 Monate ab Antragstellung (§ 367 ASVG).
- Klage beim Arbeits- und Sozialgericht: Innerhalb von 4 Wochen ab Zustellung des Bescheids beim zuständigen Landesgericht (in Wien: ASG Wien) klagen. Vertretung durch einen Anwalt ist NICHT verpflichtend – es gilt die soziale Gerichtsbarkeit. Die Klage kann formlos sein, Begründung medizinisch (siehe Punkte 1–4 oben).
- Stellungnahme vom Facharzt nachreichen: (Neurologie / Unfallchirurgie / Reha-Mediziner) – mit deutlicher Begründung, warum das Kassenmodell unzureichend ist. Foto vom dargebotenen Kassenmodell + Maßangaben deines Bads beilegen, wenn das WC nicht überfahrbar ist.
- Patientenanwaltschaft einschalten: Jedes Bundesland hat eine eigene. In Kärnten: Patientenanwaltschaft des Landes Kärnten; in Wien: WPPA; in NÖ: NÖ-PPA. Beratung kostet nichts, hilft beim Schreiben des Einspruchs und vermittelt oft direkt mit der Kasse.
- Sozialministeriumservice (SMS) als Backup: Falls die Kasse beim Premium-Modell hart bleibt, kannst du beim SMS – Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen – einen Zuschuss aus dem Unterstützungsfonds beantragen. Das ist der Backup-Topf für genau solche Fälle.
Wichtig: Nimm den Standardstuhl in der Zwischenzeit nicht „mal eben“ an – das gilt als Akzeptanz. Lieber leihweise überbrücken (geht über mobile Pflege oder Sanitätshaus-Leihgerät) und auf den Bescheid warten.
Pflegegeld, SMS & Bundesland-Förderungen
Wenn du als Querschnittgelähmter einen Duschrolli brauchst, hast du in der Regel auch Pflegegeld. Das Pflegegeld selbst zahlt zwar nicht den Duschrolli direkt – aber die Kombination öffnet Türen:
- Pflegegeld Stufe 3 und höher: Du hast Anspruch auf zusätzliche Förderungen aus dem Unterstützungsfonds des Sozialministeriumservice. Antragsformular auf sozialministeriumservice.at.
- Wohnraumadaptierungs-Förderung: Wenn du das Bad ohnehin umbaust, fördert das SMS auch dauerhaft installierte Hilfsmittel. Für mobile Hilfsmittel wie den Duschrolli zählt das nicht – aber es lohnt sich, beide Anträge zusammen zu stellen.
- Bundesland-Förderungen: Jedes Bundesland hat einen eigenen Sozialfonds. Kärnten z. B. den „Sozialfonds Kärnten“, OÖ den „Chancengleichheitsgesetz-Topf“, Wien den „Fonds Soziales Wien“. Frag bei der Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat nach – die Anträge laufen meist über den Sozialhilfeträger.
- Arbeitnehmerveranlagung: Den Eigenanteil für Hilfsmittel kannst du als außergewöhnliche Belastung absetzen. Bei Querschnittlähmung mit Behindertenpass ohne Selbstbehalt. Steuerersparnis bis zu 50 % vom Eigenanteil.
Tipp: Lies dazu „Geld von FinanzOnline – Arbeitnehmerveranlagung für Rollstuhlfahrer“. Da steht, wie du das richtig in die Veranlagung einträgst.
Häufige Fragen zum Duschrollstuhl in Österreich (FAQ)
Was kostet ein guter Duschrollstuhl in Österreich?
Ein vernünftiger Aquatec Ocean Ergo liegt zwischen 900 € und 1.500 €, die VIP-Variante mit Sitzwinkelverstellung bis 2.500 €. Mit ÖGK-Bewilligung und Selbstbehalt zahlst du im Idealfall nur 46,20 € selbst. Bei der SVS kann der Listenpreis bis 2.310 € übernommen werden, alles darüber zahlst du privat oder über Bundesland-Förderung.
Wie lange dauert die Bewilligung bei der ÖGK?
Erfahrungsgemäß 2–6 Wochen ab Einreichung beim Vertragspartner. Bei Sonderversorgungen oder Premium-Modellen mit Kostenvoranschlag kann es 8–12 Wochen werden. Bei Ablehnung + Klage verdoppelt sich das. Tipp: Beim Bandagisten nachfragen, ob er den Antrag bereits eingebracht hat und über ELDA verschickt wurde.
Wie lange muss ein Duschrolli halten? (Mindestgebrauchsdauer)
Die ÖGK setzt für Hilfsmittel eine Mindestgebrauchsdauer fest – beim Duschrollstuhl meist 5 Jahre. Heißt: Innerhalb dieser Zeit gibt’s nur dann einen neuen, wenn der alte nachweislich nicht mehr reparabel ist oder sich dein medizinischer Zustand wesentlich verändert hat. Mit ärztlicher Begründung ist eine vorzeitige Neuversorgung aber möglich – Antrag muss begründet eingebracht werden.
Wer schreibt die Verordnung – nur der Hausarzt?
Nein. Die Verordnung kommt idealerweise vom Facharzt (Neurologie, Unfallchirurgie, Reha-Mediziner), kann aber auch vom Hausarzt ausgestellt werden. Seit 1. Jänner 2024 dürfen in Österreich auch diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen (DGKP) mit entsprechender Fortbildung bestimmte Hilfsmittel verordnen – relevant vor allem in der häuslichen Pflege. Die Verordnung muss innerhalb von 30 Tagen beim Vertragspartner eingelöst werden.
Brauche ich einen Duschrolli, wenn ich eine bodengleiche Dusche habe?
Ja, in den meisten Fällen schon – wenn du dich nicht selbstständig auf eine feste Sitzbank umsetzen kannst und kein WC mit Haltegriffen daneben hast. Bodengleiche Dusche heißt nur, dass du reinrollen kannst – nicht, dass du dort sicher sitzen kannst.
Was ist der Unterschied zwischen Duschrollstuhl und Toilettenrollstuhl?
Theoretisch zwei unterschiedliche Hilfsmittel: Der reine Duschrollstuhl ist nur zum Duschen gedacht (Aussparung im Sitz, keine Toiletten-Topf-Halterung). Der Toilettenrollstuhl hat darunter einen Topfhalter und ist eher für stationären Einsatz neben dem Bett. In der Praxis – und das ist der Witz – gibt es fast nur noch Kombi-Modelle (Dusch- und Toilettenrollstuhl, „Duschrolli“). Du willst genau diese Kombination.
Was, wenn ich Tetraplegiker bin und keine Armkraft habe?
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