Seit etwa 2018
E-Mail ist auf dem Hemd vom Opa
Meine Eltern – in den 1930ern/1940ern geboren – wollen nun jeder ein eigenes Endgerät und vorzugsweise eins, das sich auch mit Gehstock einfach in der Wohnung herumtransportieren lässt und das keine Maus erfordert. Gleichzeitig haben die Augen aber Mühe mit einem kleinen Handybildschirm und es fällt den Eltern auch nicht mehr ganz so leicht, die gewünschten Icons auf dem Bildschirm zuzuordnen.
Längere Zeit überlegen meine Schwestern und ich, wie wir das Vergnügen an Wordfeud (einem digitalen Scrabble-Spiel) und der Teilnahme an der Familienkommunikation (meist WhatsApp, teilweise E-Mail oder Skype) möglichst einfach zugänglich gestalten können.
Recht schnell ist klar, dass als Gerät ein Tablet die beste Lösung ist. Mein Vater benutzt generell nur drei Anwendungen: Wordfeud, WhatsApp und FreeCell (ein Kartenspiel). Für ihn setze ich nur diese drei Anwendungen auf den Startbildschirm und schiebe alle anderen Icons in einen Ordner, den ich dann zusätzlich noch auf eine andere Oberfläche verschiebe. So sieht er, wenn er das Gerät einschaltet, sofort das, was er braucht. Sollte er doch aus Versehen einmal auf die Oberfläche mit dem “Zeugs-Ordner” geraten, muss der das Gerät nur aus- und wieder einschalten und landet dann wieder auf der gewohnten Oberfläche mit den drei Icons.
Meine Mutter verwendet noch ein paar Dinge mehr, sie nutzt E-Mail, Skype und regelmäßig verschiedene Internetseiten, kommt aber mit den Favoriten im Browser nicht gut zurecht, so dass wir ihr diese Seiten auch auf dem Bildschirm verlinken. Dadurch hat sie doch recht viele Icons, die sie nicht so gut auseinanderhalten kann, zumal ihr die Schrift darunter zu klein ist. Erst machen wir Kinder uns einen Screenshot von der Oberfläche, um sie telefonisch anleiten zu können, wenn sie etwas sucht. Das klappt, ist aber mühsam.
Eines Tages kommt uns der Zufall zur Hilfe – meine Mutter hat nämlich ein wechselndes Hintergrundbild und sagt einmal am Telefon nebenher: “Ach, das ist ja ganz einfach, das ist ja bei M auf dem Kleidchen!”, weil das Hintergrundbild gerade M, das Enkelkind, mit einigen Freundinnen zeigt. Das bringt mich auf die Idee, für sie ein fixes Hintergrundbild auszuwählen, das die erweiterte Familie in einer passenden Aufstellung zeigt und jeweils an strategischen Punkten platziere ich dann die Icons. Nun müssen wir am Telefon nur noch sagen: “Auf dem Hemd von Opa! Unter den Füßen von M! Über dem Kopf von A!” Das geht viel schneller, als “ungefähr mittig, nein etwas höher und noch eins in der Reihe nach rechts” zu sagen – und macht meiner Mutter auch viel mehr Spaß.
(Novemberregen)













