DIE LEIDEN DES JUNGEN KULAK
I
Verloren
in den Russendiskos der Republik
Zwischen Strobo-Licht und Wodka-Redbull
Gekommen aus den weiten Steppen
in das Land der Feinde
Wer bist du?
Russe?
Deutscher?
Im Club: Saufen. Stressen. Schlagen.
Und der Hurensohn liegt im Koma.
Dein Anwalt plädiert auf Schuldunfähigkeit.
Doch der Richter richtet:
Zwei Jahre Santa-Fu.
II
Mama weint.
Wollte doch ein besseres Leben für dich.
Hier in der neuen Heimat.
Aber du hast zwei Namen.
Wer bist du?
Iwan?
Johannes?
In Russland der Nazi.
In Deutschland der Russe.
Wäre es andersrum,
wärst du nicht schwerelos
zwischen zwei Planeten
und heimatlos zwischen
zwei Häfen
Doch im Knast bist du jemand
zahlst brav in den Obshjak ein
Lässt dich tätowieren und
singst nicht vor den Bullen
Prügelst, stichst, klaust
braver, kleiner Soldat
III
Jetzt bist du draußen.
Sterne auf der Brust
Sterne an den Knien
Sie nennen dich Kulak, die Faust
Und Mama weint nicht mehr.
Ausgetrocknet wie der See von dem du herkommst.
Auch du verbirgst die Träne aus Tinte
hinter einer Sonnenbrille
Selbst dann, wenn du in den
Spiegel blickst.
Wer bist du?
Kein Deutscher.
Kein Russe.
Wer
bist
du?
















