Persönlichkeitsideal Polarforscher
1.
In Augenblicken, schreibt Helmut Lethen in einem Buch, das auch von Carl Schmitt handelt, aber nicht nur von dem, also in Augenblicken, so schreibt er dort, wie sie sich geschichtlich beispielhaft in der Weimarer Republik zeigen würden und die Augenblicke sozialer Desorganisation seien, in denen Moral ihre Überzeugungskraft eingebüßt habe, würden Verhaltenslehren gebracht, die Eigenes und Fremdes, Innen und Außen unterscheiden helfen würden.
Was er nicht schreibt ist, dass dann Systemtheorie gebraucht würde, die helfen würde, System und Umwelt zu unterscheiden. Würden Systemtheoretiker das schreiben? Wer braucht was und wenn ja, ist es Theorie? Man ist auf einer schrägen anthropologischen Bahn, wenn man fragt, ob der Mensch ein Gesetz braucht, um Mensch zu sein, auch wenn er bereits in Gesetze verstrickt ist, bevor er auf die Welt kommt. Das sind die unmenschlichen und die nichtmenschlichen Wesen aber auch, auch die sind u.a. biologisch und in einen und in einem Haufen von Logien verstrickt. Es ist nicht schlimm, auf schrägen Bahnen zu sein. Das ist diagonale Wissenschaft (MultiPliCityScience oder Skifahren) , auch ohne so genannt zu werden, nicht nur, wenn man Bücher schreibt, wie Helmut Lethen es tut oder der Mann Anthropologie betreibt.
Morgen agonal, abends perplex, Tag und Nacht diagonal und nicht einen dia ohne Linien, Wellen und Falten, kein Dia ohne Nexus, Plexus und Sexus - und das in geteilten Graphien. Lethen unterscheidet Verhaltenslehren und Anthropologie in seinem Buch Verhaltenslehren der Kälte. Mal sehen, worauf das hinausläuft. Meine neue Freundin Meta führt in kleinen fröhlichen Rekursionen vor, dass das Hinauslaufen eine so fröhliche wie absolute Metapher ist. Gestern räumte sie ein, sie sei heute wieder einmal rekursiv unterwegs und entschuldigte sich dafür, das was so süüüüüß!
2.
Am Dienstag, den 17. Juni treffen sich vier ausschlagende Wesen aus Brasilien und Deutschland, um über Kreuzungen (intersections) zu diskutieren und dann Büchlein dazu vorzubreiten, in dem Anthropologie und/ oder Verhaltenslehren vorkommen könnten. Die vier wollen erst Bücher schreiben und dann Schüler kriegen. Wir Viererbande! Vamos fazer contrabande! Wir vier kosmopolitischen Schreiberlinge und Graphbolde diskutieren über/ an/ in/ durch Kreuzungen des homo rhetoricus, brazilian and german versions. Diese Kreuzungen dürften in Brasilien solche der Wärme, in Deutschland solche der Kälte sein, im Vergleich und in der Relation versteht sich. Anderswo könnte es sich noch kälter, anderswo sich noch wärmer zugehen.
Wie, soziale Desorganisation? Wie geht das denn? na ja, Lethen spricht von sozialer Desorganisation, also muss es auch gehen. Ehrlich (Eugen) sieht und paraprasiert was, er ist ein Beispiel, damit wir besser sehen, wie das geht. Ehrlich (das währt am längsten) sieht Ehrlich etwas in der Bukowina, einem jener europäischen Landstriche Babylons, die ihren Namen zwar nicht von Charles Bukowski oder June Miller haben, denn Bukowski sollen seinen von der Bukowina haben. Juni Miller wiederum hat ihren Namen von Henry Miller, aber erst seitdem sie so heißt. Sie hat ihn durch einen juristischen Vorgang erworben, den die Leute Heirat nennen. Vorher hatte sie ihren Namen von ihren Eltern und hieß Juliet Edith Smerdt (or Smerth), sMerde! Die Bukowina hat ihren Namen nicht von Juliette (wie in Juliette und Juli), von denen nicht ihren Namen. Aber sie teilt ihren Namen mit denen, die ihren Namen manchmal von Namen und manchmal von Begriffen und manchmal von Buchstaben und manchmal von Stäben haben.
Fazit? Soziale Desorganisation geht rekursiv, wie soziale Organisation. Man muss schon in Babylon geboren sein und dort Sprechen und Schreiben gelernt haben, um nicht eine Sprache zu verstehen, sondern das Sprechen und das Schreiben. Man sagt, in der Bukowina sei das der Fall gewesen. Die Leute, so legt es Gunther Teubner da, waren wie die Frösche, die auch dann quacken, wenn sie nicht erfahren haben, dass die Theorie oder die Sprache in einer Krise steckt. Sie sollen wie die Kinder, also surreal hochgebildet gewesen sein. Man muss schon babylonisch sprechen, um nicht eine Sprache, nicht eine einzige Sprache zu verstehen. Dafür aber das Sprechen.
3.
Der Begriff sozialer Desorganisation ist erstaunlich, komplex und er macht ein bisschen perplex, aber nur jene Leute, die davon ausgehen, dass da, wo das Recht ist, auch Gesellschaft ist oder dass da, wo Kommunikation ist, auch Gesellschaft ist. Augenblicklich hält der Begriff, was er verspricht. Ob das unverzüglich ist (ohne schuldhaftes Zögern), das ist eine andere Frage.
Es scheint nämlich augenblicklich, dass die Organisation der Gesellschaft so komplex ist, wie ihre Desorganisation. Die Organisation und die Desorganisation sind dann gleichermaßen Alltag. Das fällt den Leuten in der Regel nicht auf. Aber einem fällt es unverzüglich auf. Wir (ich/ et in weimar ego) sprechen hier von einem Ideal, einem Persönlichkeitsideal, dem Persönlichkeitsideal des Polarforschers. Es scheint, als sei das Persönlichkeitsideal des Polarforschers ein Produkt der Anthropologie, vor allem, wenn man dieses Ideal mit dem homo rhetoricus, dem homo digitalis, dem homo juridicus oder dem homo sapiens sapiens assoziiert.
Das Ideal kann allerdings auch Produkt einer Verhaltenslehre sein. Noch sind Anthropologie und Verhaltenslehre nicht sicher unterschieden und ist beides nicht ausdifferenziert. Eines soll schon geschrieben sei: Der Polarforscher, der in den Blick genommen wird, soll einer sein, der auch an den, in den, durch die und dank der Kreuzungen vorkommt, über die wir am Dienstag, den 17. Juni diskutieren. Die Pole, an (etc.) denen er forscht, können der Nordpol und der Südpol sein. Sie können aber auch in Polen liegen und Polen kann so einen Pol bilden. Rom bildet so einen Pol. Rom bildet nicht erst seitdem einen Pol, seitdem Heidegger in seiner Vorlesung aus dem Wintersemester 1941/1942 zu Parmenides und dem Kippsal des Seins, des Seienden und der Seinigen etwas vorliest und zu selben Zeit in Leningrad und Stalingrad zwei Pole eingelagert sind und in diesem Augenblick sozialer Organisation und Desorganisation der Martin Heidegger Rom als polis/ polos/ polus bezeichnet.
Der Einfachheit halber ist unterstellt, dass Frankfurt hier und Recife da die zwei Pole sind, an (etc.) denen (etc.) das Persönlichkeitsideal des Polarforscher entwickelt wird. Noch zwei Polarforscher werden helfen, dieses Ideal zu entwickeln. Sie heißt Cornelia Vismann, er heißt Aby Warburg. Ich greife produktive Anregungen aus der jüngeren Literatur zu Transformationen der Subjektivität auf, die schon erste Handbücher vorgelegt hat, um Persönlichkeitsideale händeln zu können.








