Heute warst du so da; ich fagte in der dunklen Stunde, ob wir uns schreiben können. Dann auf dem Weg zu dem Einen fuhr ich an einem Schwanennest vorbei, das auf dem Rückweg auf noch da war.
In meinem Zuhause warst du, denn das Licht schien, das goldene, das man nicht mit dem Auge sehen kann, sondern das man im Herzen spürt. Der goldene Faden schimmerte, Franz Kafka, dem Hungerkünstler, zu Mascha Kaléko, der polnischen Dichterin. Die hast du geliebt und ich dann auch und sie verbindet uns wie Kafka, die Schwäne, die Sehnsucht, die Briefe, der Hunger, der auf Erden doch eigentlich nicht gestillt werden kann. Lieber sterben?
Sag, wo bist du? Ich sehe dich noch so oft und wir versuchen, das Leben und die Liebe zu erklären. Wir leben für sie, du lebtest für sie. Lebst du noch? Suchst du noch?
Mensch, der du nie sein wolltest, heute warst du so da. Im Haus der Liebe, dann wurde noch Kafka und Kaléko gelesen und ich staunte, wie ich immer staune vor dem Einen.
Wie gesagt, die Schwäne waren auf dem Rückweg auch noch da. Zufälle? Damals schon glaubte ich nicht mehr an sie, zumindest glaubte ich an mehr. Und du?
Ich wage es nicht, dies abzuschicken, natürlich nicht. Aber vielleicht übergibt der Wind dir wie Worte, die ich für dich sang auf einem Fahrrad im Grünen.
Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen
Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
- Daß Amseln flöten und daß Immen summen,
Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.
Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.
Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht
Und daß die Sonne täglich neu aufgeht.
Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, daß ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
- Weil er sich selber liebt - den Nächsten lieben.
Ich freue mich, daß ich mich an das Schöne
und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, daß ich . . . Daß ich mich freu.