Geisterfahrräder und Zombieroller
Ich habe ein bisschen Zeit für den Weg zu Arbeit und beschließe, heute mal einen der Coup-Elektroroller auszuprobieren, die neuerdings überall in Berlin rumstehen. Angemeldet bin ich bereits – man muss dazu Kreditkartendaten hinterlegen und in einem Videotelefonat Gesicht, Personalausweis und Führerschein vorzeigen. Das alles konnte ich in der Coup-App auf meinem Smartphone recht reibungslos erledigen.
Aus dem Haus tretend stelle ich beim Blick auf die Kartenanzeige fest, dass der nächste Roller doch gerade ein ganzes Stück entfernt steht. Vermutlich lohnt es sich, ein Lidl-Fahrrad zu mieten, um bis dorthin zu fahren. Immerhin wurde offenbar das Ausleih- und Rückgabegebiet von Coup, das zunächst vor allem die Bezirke Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte umfasste, inzwischen auf die westliche Innenstadt erweitert.
Screenshot aus der Coup-App: Der Hinweis ist berechtigt. Ich hatte aber eine Kartenanzeige von Regengebieten erwartet und bin etwas enttäuscht.
Das nächste Lidl-Bike steht laut deren App auch einige hundert Meter entfernt. Ich mache mich also zunächst zu Fuß auf den Weg. Am angezeigten Abstellort des Rades angekommen finde ich aber – nichts. Kein Bike weit und breit. Dasselbe Spiel beim nächsten Rad. Ich bin kurz davor, den Versuch abzubrechen, kann aber in 200 m Entfernung das übernächste Rad erspähen.
Auf dem Weg dorthin passiere ich einen Coup-Roller. Auch gut denke ich und versuche, den in der Coup-App auszuleihen. Es ergibt sich der umgekehrte Fall: Die App zeigt mir den Roller, neben dem ich stehe, nicht an. Nun ja, er parkt immerhin vor einem Haus, also ist er vielleicht noch ausgeliehen. Oder er ist kaputt oder der Akku ist leer.
Also erstmal das Lidl-Bike gesichert und damit auf zum nächsten Roller. Ähnlicher Effekt, ich stehe neben dem Roller, der wird mir aber in der App nun nicht mehr angezeigt. Bei dieser Gelegenheit finde ich aber heraus, dass man abgestellte Roller auch für 15 Minuten kostenlos reservieren kann. Schade nur, dass sie aus der Kartenanzeige dann einfach verschwinden.
Ich reserviere also den jetzt nächstgelegenen freien Roller, leihe das Mietfahrrad erneut und finde den reservierten Roller innerhalb von 7 Minuten. Die Coup-App erweist sich dabei als relativ hakelig. Unter anderem hat sie das verwirrende Problem, dass sie einen nicht darauf hinweist, dass die Kartenanzeige nicht gut funktioniert, solange die App nicht auf die Ortungsfunktionen meines Telefons zugreifen kann. Ich erkenne dieses Problem zwar, schaffe es aber irgendwie nicht, der App dieses Recht einzuräumen. Beim Ausleihen des Rollers wird dann doch ein entsprechender Dialog angezeigt. Zudem muss man dafür Bluetooth einschalten.
Alles weitere funktioniert ziemlich reibungslos. Der Helm befindet sich unter der Sitzbank, er ist sauber und passt mir. Die Bedienelemente und das Display am Lenker sind relativ selbsterklärend und ich fahre los. Der Roller läuft gut und ziemlich leise und ich bin sehr angetan von der Beschleunigung aus dem Stand. Es ist kein Ludicrous Mode, der einen aus dem Sattel reißt, aber mit dem normalen städtischen Autoverkehr schwimmt man problemlos mit. Und dadurch, dass einem der Fahrtwind um die Nase weht, fühlt man sich schon schneller, als die 53 km/h die mir der Tacho bei "Vollgas" anzeigt.
Bei der Abmeldung am Zielort wird mir in der App eine Checkliste angezeigt: Ständer ausklappen, Lenkerschloß einrasten lassen, Helm wieder unter der Sitzbank verstauen. Ich kämpfe etwas mit dem Helmverschluss. Den hätte ich mir vor dem Aufsetzen wohl genauer ansehen sollen.