An manchen Tagen frage ich mich, wer ich eigentlich bin. Wo ich bin und wie ich bin. Diese Fragen habe ich mir früher nie gestellt; nein, ich konnte sogar nicht verstehen, wie jemand so eine Situation hegen konnte. Denn ich war der festen Überzeugung, dass ich mich kenne. Oder nicht? Oder dachte ich, diese Frage stellt man sich nur, wenn man völlig am Ende ist. Ein psychisches Wrack darstellt. Doch nach all dieser Zeit entdecke ich wieder ein zweites Ich in mir. Es scheint ganz tief in mir versteckt, doch kommt immer wieder zum Vorschein im Laufe meines Alltags, meines Überlebenskampfes. Oftmals erkenne ich diesen Zustand, diese führende Macht über mich, mein wahres Ich, das ich nicht einmal kenne. Und dann agiere ich wie eine Marionette; völlig betäubt, wackelig und instabil. Machtlos. Einsam. Hoffnungslos. In die Ecke und somit Irre gezerrt. Es fühlt sich an, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Rilke schrieb es einst so. Und ich passe mich an, nehme es so hin. Ich biege mich zurecht und lasse es immer wieder über mich ergehen. Moment für Moment. Woche für Woche. Doch nicht nur dieses Ich habe ich erfahren - ich kann auch mein übliches Ich erkennen. Dieses ist mir zwar unendlich fern und fremd, doch zugleich sehr vertraut. Doch ob ich es leiden kann? Ich finde keine Antwort. Doch muss ich das? Nein, ich kann damit leben, also nehme ich es so hin. Akzeptanz spielt dabei eine große Rolle. Oder ist es die bloße Toleranz? Ich weiß es erneut nicht. Denn ich weiß nicht, wohin das Ganze noch führt, weiß nicht, wie ich wieder zurück an meine Höhepunkte im Leben kann, als ich mich lebendig fühlte, mich leiden konnte und ungewöhnlich gut fühlte. Ich frage mich, wann ich wieder dort hin gelange. Und ob es überhaupt möglich ist. Ich weiß nur, dass ich es irgendwie hinnehmen muss, so wie es ist und mich kennen lernen muss. Denn schließlich bezweifle ich, mich zu kennen. Also ändere ich das. Woher ich diese Kraft nehme? Ich vermute daraus, dass es sich lohnen kann/wird. Und wenn man ein Ziel, einen Grund vor Augen hat, ja weiß wofür, dann erträgt man jedes Leid. So sagte es Frankl und damit hat er recht.