Jedes Bild von dir schreit mich förmlich an „Fick mich endlich! Schwänger mich! Schieß mir deinen Saft direkt in meinen Muttermund!“. Mein Verlangen danach ist so groß. Dich zu schwängern, immer wieder und wieder. Bis ans Ende deiner fruchtbaren Jahre. Dich zu meiner dauerträchtigen Schlampe zu machen. Dich wie ein Stück Fleisch zu behandeln.
Es war ein sonniger Tag im März, Fruchtblasen lagen in der Luft. Und irgendwie roch alles nach Gebärsaal.
Ein paar hundert Frauen demonstrierten in der Zürcher Innenstadt gegen das Patriarchat und ich pedalte mein Velo nach Hause, durch den verstopften Dickdarm Zürichs, die Langstrasse. Heute war sie irgendwie nicht wie sonst. Alles bewegte sich, einer grossen Völkerwanderung gleich, weg von ihr. Alle schienen auf dem Weg nach Hause, die Nüttchen, Zuhälter, Hipster, Freier, Süchtigen und Flohmarktkrämer gingen Heim und überliessen die Stadt dem anbrechenden Frühling. Und er kam, der Frühling, und mit ihm die Wehen.
«Wir warten auf die Öffnung des Muttermundes», gab mir eine patchoulisierte Hebamme wenig später zu verstehen. «Mhm», getraute ich mich knapp zu antworten. Hier im Gebärzimmer wird höchstens geflüstert. Allem was gesagt wird, geht eine obligate und schier endlose Ruhepause voraus, eine Art vorgeburtliche Kommunikations-Wellness. «Auf mit dem Muttermund!», «Zu mit dem Vatermund!», hörte ich es rufen und driftete in Gedanken kurz zurück an die Feministinnen-Demo an der Langstrasse.
Das Nächste woran ich mich erinnere, ist, dass alles verdammt lange dauerte und fast nichts passierte. Mir gingen die Fluppen aus. Auf antroposophischem Terrain einen Zigarettenautomaten zu finden, schien müssig. Das lange, unternikotinierte Warten, gepaart mit grässlicher Übernächtigung und subtiler Nervosität beförderte meinen Körper allmählich in eine Art meditativen Zustand. Und kurz vor dessen Übergang ins Nirwana öffnete sich der Muttermund und wisperte «Es geht los. Halt mich fest, mein Schatz!».
Und die Engel sangen im Chor, Tränen flossen, Presswehen donnerten durch das Zimmer und es wurde endlich wieder laut. «BÄÄÄÄ! BÄÄÄ! UÄÄÄ!!» saxophonte es plötzlich aus dem frischgeborenen, blauhäutigen «Ex-Bauchmenschchen». Glückshormone schossen über und alles roch nach Arnika und Karamell. Ich wischte mir das Freudentränenmeer vom Gesicht, küsste feuchten Vatermundes meine Frau und nahm die kleine Lola Zsazsa Anaïs in die Arme. Etwas später machte ich mich auf die Suche nach einem gut sortierten Zigarettenautomaten.
Die Amnioskopie ist eine endoskopisch durchgeführte Untersuchung des Fruchtwassers, die nur bei durchgängigem Muttermund durchgeführt werden kann. Dabei wird das Fruchtwasser durch die Einhäute hindurch auf seine Farbe hin untersucht, was Rückschlüsse auf Schwangerschaftsstadium und Zustand des Fötus erlaubt.
2 Geschichte
Die Entwicklung der Amnioskopie geht auf den deutschen…