Terra Incognita
Wir besoffenen Vernissage-Hopper. Wir hüpfen von Freisekt zu Gratisbier. Und nebenbei noch etwas Kunst.
Oh, là, là, der pinke «New Yorker» Cocktail passt heute farblich zu den Kleidern der Gäste und Collagen an der Wand. Die Franzosen mögen's knallig, wir aber süchteln grautönig an der Gratisbar und driften schäumend in Richtung Terra Incognita.
Wir machten uns also auf, mal wieder in die Steckdosen dieser Stadt zu greifen. «Gläser gegen Langeweile», schrien wir durch die dreckig polierten Strassen Zürichs. Wir flogen. Wir verliebten uns in Kieselsteine, strichen mit hypersensiblen Handflächen über die künstliche Wiese im Park und lachten uns freudig ins Nirwana. Und weinten uns flüchtig in die Hölle.
Wir landeten in der Weinstube, wo alles hochfuhr als wir eintraten. Wo urplötzlich der Lärm verstummte und sich Hälse dreimal um sich wanden, Grinde in die Höhe schossen, Blicke uns erwürgten bis wir sie lächelnd erwiderten und die besoffenen Rösslistumpenstinker am runden Stammtisch merkten, dass wir zu ihnen gehören - oder ihnen zumindest nichts wegnehmen wollen.
Neben uns tanzten dann zwei runzlige Kanarienvögel zum Schlager von Alleinunterhalter Fritz (Goldkettchen im Brusthaar, klar). Fritz tat als ob er Keyboard spiele, verriet sich aber mit arthritischen Tanzeinlagen Richtung Kanarienvogeldamen, dass die Musik auch spielt, wenn er nicht an den Tasten steht. Düdel düüdel-üüü…
«Wer het en Chübel?», faucht die mollige Bartochter und zerreisst beim Gehen die hängenden Rauchschwaden. Die alten Kanarienvögel sitzen plötzlich auf unseren Knien und wollen vögeln.
Wir retten uns in die Freiheit und werfen uns in die Bar vis à vis. Paul drückt mir ein Stück Schokolade in den Mund, die seltsam schmeckt. Mir fehlt die Spucke um aufwändigeres zu bestellen, als Hauswein. Dann nicken wir im Takt zu Onyeabors Atomic Bomb bis die Gläser blutrot überschwappen, bis die Blumen blühen mitten im Winter und alles gröhlt und sich umarmt, bis die Sonne in den Augen brennt und uns die Einsamkeit in die Betten zwingt, in denen wir den Schlaf nicht finden.










